Saisonrückschau Peru: Cristal dominiert die Liga

Saisonrückschau Peru: Cristal dominiert die Liga

Die Saison in Peru hat vor drei Wochen einen hochverdienten Sieger gefunden: Sporting Cristal war mit Abstand das beste Team der regulären Saison und krönte die Runde mit einem 7:1-Gesamtscore im Finale gegen Alianza. Emanuel Herrera stellte einen Rekord auf, der für die Ewigkeit sein könnte. Das lange gebeutelte Universitario konnte den Abstieg mit einem Schlussspurt verhindern.

Der Saisonverlauf: Sporting Cristal dominierte im Torneo de Verano ebenso wie in der Apertura und fuhr zwei verdiente Titel ein. Dann ließen die Cerveceros etwas nach, so dass Melgar die Clausura holen konnte. Das wenig durchdachte Finalrundenkonzept ließ neben Melgar dann auch noch dem abgeschlagenen Dritten der Jahrestabelle, Alianza, eine Chance. Tatsächlich besiegten die Intimos Melgar nach zwei spektakulären Halbfinals im Elfmeterschießen und hatten so die Möglichkeit, sich mit einem Bicampeonato in die Geschichtsbücher einzutragen. Doch Sporting Cristal war zwei Nummern zu groß: Angetrieben vom brillanten Gabriel Costa (zwei Tore, drei Assists in den Finals) demütigte das Team von Mario Salas seinen Gegner mit 4:1 (in Alianzas gefürchtetem Heimatstadion Matute) und 3:0 (zum Schaulaufen im Nationalstadion). Auch im Abstiegskampf gab es keinen wirklichen Showdown: Während Comerciantes zum Jahresbeginn viele Punkte liegenließ und trotz Schlussspurt keine Chance mehr auf den Klassenerhalt hatte, stürzte Sport Rosario im Torneo Clausura völlig ab und landete mit acht Punkten ebenfalls weit hinter dem letzten Geretteten, den Sport Boys aus Callao.

Der Sieger: 46 Spiele,  113(!) Tore, 95 Punkte, zehn Punkte Vorsprung, zwei Kurzturniere gewonnen, insgesamt 7:1 in den Finals: Sporting Cristal war nicht nur der logische Meister, sondern auch das wohl beste Team der letzten Jahre. Der argentinische Goalgetter Emanuel Herrera pulverisierte sogar einen Rekord,  der vielen in Stein gemeißelt schien: Mit 40 Toren im Torneo Descentralizado 2018 überbot er den vorherigen Rekordhalter Eduardo Esidio um drei Treffer. Dabei verstand er sich insbesondere mit Top-Vorlagengeber Gabriel Costa bestens. Auch die Abwehr war ligaweit die beste (36 Gegentore in der regulären Saison), insbesondere dank Neu-Nationalkeeper Patricio Alvarez und Abwehrchef Omar Merlo. Gäbe es eine ähnliche Statistik für das Mittelfeld, es wäre ebenfalls glasklar, wer sie gewänne: Sporting Cristal um Jorge Cazulo, Horacio Calcaterra und Josepmir Ballón. Das Trio fand nach einer völlig missratenen Vorsaison wieder zu altem Selbstvertrauen zurück und dominierte das Geschehen meist nach Belieben. Zu verdanken haben sie ihren Formanstieg Cheftrainer Mario Comandante Salas, der in Peru nur die besten Erinnerungen hinterlassen wird – er verlässt Lima nach nur einem Jahr wieder, um in seinem Heimatland Chile den wankenden Riesen Colo-Colo wieder zu stabilisieren. Der Titel ist übrigens auch die Krönung für eine sehr seriöse Arbeit in allen Bereichen – Cristal gewann 2018 auch die Reserveliga sowie die Meisterschaft der U18 und U17.

Die Überraschung: Eigentlich bietet die Tabelle keine Überraschung im engeren Sinne. Binacional landete wohl am weitesten über den Erwartungen, nämlich auf Platz 8 und somit in der Copa Sudamericana. Der Aufsteiger aus der Copa Perú spielte in Torneo de Verano und Apertura überzeugend, wobei er sich vor allem auf den jungen Dribbler Andy Polar, den genialen Spielmacher Milton Benítez und eine sattelfeste Defensive verlassen konnte. Im Torneo Clausura kam es dann zu ersten Turbulenzen, als der Klub in finanzielle Nöte und eine Formkrise geriet, doch fingen sich die Blauen gerade noch rechtzeitig. Ein Blick auf Absteiger Sport Rosario zeigt aber, wie ernst man bei Binacional diese Warnsignale nehmen sollte: Auch das Team aus Huaraz qualifizierte sich im Vorjahr als Aufsteiger für die Copa Sudamericana und begann 2018 sogar recht ansprechend. Doch im Laufe des Jahres rächten sich die instabilen Strukturen, der Verein kam nah an den institutionellen Kollaps und muss den Gang in die zweite Liga antreten – oder sogar in die Copa Perú, wenn sich nicht bald ein Geldgeber findet.

Die Enttäuschung: Wiederum bietet die Tabelle keine wirkliche Sensation. Am weitesten unter den Erwartungen spielte Universitario, dessen Probleme wir bereits in diesem Artikel beleuchtet haben. Besonders vermeintliche Stars wie Raúl Fernández, Juan Manuel Vargas und Daniel Chávez waren völlig von der Rolle. In der Schlussphase fingen sich die Cremas aber und wären um ein Haar sogar noch in die Copa Sudamericana eingezogen, so dass man in Ate eigentlich sogar mit einem ganz ordentlichen Gefühl aus der Saison ginge – wäre da nicht der drückende Schuldenberg.

Der Topscorer: Eigentlich müsste man hier Emanuel Herrera erwarten. Der  Argentiner erzielte schließlich 40 Tore in 42 Spielen, dazu kamen fünf Assists. Doch es gab einen Spieler, der diese Bilanz noch überbot: Sein kongenialer Partner Gabriel Costa schaffte unfassbare 47 Scorerpunkte (22 Tore, 25 Assists). Für den gebürtigen Uruguayer, der meist als Rechtsaußen wirbelte, könnte sich das noch auszahlen: Nach fünf Jahren im peruanischen Fußball (zwei Jahre bei Alianza, drei bei Cristal) hält er nun auch den peruanischen Pass – eine Nominierung für die Blanquirroja nicht ausgeschlossen. Schließlich hat er es geschafft, sein zuvor zu unkonstantes Spiel auf ein ganz neues Level zu heben.

Überblick über die Entscheidungen:

Nationaler Meister: Sporting Cristal
Sieger des Torneo de Verano und des Torneo Apertura:
Sporting Cristal
Sieger des Torneo Clausura: FBC Melgar
Qualifiziert für die Copa Libertadores: Sporting Cristal, Alianza Lima, FBC Melgar, Real Garcilaso
Qualifiziert für die Copa Sudamericana:
Deportivo Municipal, Sport Huancayo, UTC Cajamarca, EM Binacional
Absteiger: Sport Rosario, Comerciantes Unidos
Aufsteiger: Universidad César Vallejo, Carlos Mannucci, Molinos El Pirata, Alianza Universidad Huánuco
Torschützenkönig:
Emanuel Herrera (40 Tore)
Topscorer:
Gabriel Costa (47 Scorerpunkte)