Titelträger des Torneo de Verano: Melgar

Torneo de Verano: Dramatischer Titelgewinn für Melgar

In Peru hat FBC Melgar das Torneo de Verano gewonnen. Im Finale gegen UTC rettete sich der Dominó in letzter Minute ins Elfmeterschießen, wo man sich mit 4:3 durchsetzen konnte. In der regulären Saison hatten Melgar und UTC ihre jeweiligen Gruppen gewonnen.

Der Saisonverlauf:

Die Auslosung hatte zwei vermeintlich sehr unterschiedliche Gruppen ergeben: Die Gruppe A hatte in Melgar und Sporting Cristal die beiden besten Teams der letztjährigen Saison, ansonsten aber wenig prominente Teams vorzuweisen, während in Gruppe B mit Universitario, Alianza, Municipal und Garcilaso zahlreiche extrem ambitionierte, im Vergleich mit Melgar und Sporting Cristal aber wohl etwas schwächere Teams vorzuweisen hatte.

In Gruppe A startete Sporting Cristal stark, ließ dann aber nach einem heftigen 1:4 gegen Cantolao unerklärlich nach und verlor Stück für Stück an Boden. Ähnlich gut war Aufsteiger Rosario gestartet, der aber etwas konstanter blieb und sensationell bis zum vorletzten Spieltag um den Gruppensieg mitspielte. Diesen holte sich Melgar, das mal wieder nachwies, das konstanteste Team der Liga zu sein. Aufsteiger Cantolao zeigte nach großen Anfangsschwierigkeiten deutlich aufsteigende Form, hatte mit José Miguel Manzaneda den vielleicht besten Spieler und mit Jefferson Collazos den erfolgreichsten Torjäger der Liga und wurde so Vierter. San Martin und Ayacucho spielten durchschnittliche Turniere, die sie auf Platz fünf bzw. sechs brachten, während Union Comercio und Alianza Atlético nach sehr schwachen Auftritten im Abstiegskampf stehen und jeweils schon zwei Trainer verschlissen.

In der Gruppe B war es Garcilaso, das zunächst als das stärkste Team erschien, doch nach einem absurden Trainerwechsel von Duilio Cisneros zu Gustavo Coronel ließ der Schwung etwas nach. Besser machte es UTC aus Cajamarca, die nach starkem Beginn zwar auch ein paar Rückschläge hinnehmen mussten, aber letztlich konstant punkteten. Das unterschied sie deutlich vom Dritten Alianza Lima, das starke Auftritte mit furchtbar inspirationslosem Gebolze mischte. Der Vierte, Universitario, vor der Saison einer der Topfavoriten, stand sogar eine Zeit lang auf dem letzten Platz, wurde aber nach einem Trainertausch immer besser und holte so noch deutlich auf. Knapp hinter Universitario landeten Huancayo, das mit den eigenen Leistungen unzufrieden sein dürfte, und Comerciantes, das unter dem neuen Coach Ibáñez und nach einer deutlichen Kaderumgestaltung sehr gut in Fahrt kam, aber mit der Hypothek eines schwachen Starts zu kämpfen hatte. Groß war auch die Enttäuschung bei Municipal, das nur Siebter wurde, und bei Juan Aurich, das mit nur elf Punkten aus 14 Spielen einer der Topkandidaten auf den Abstieg ist. Beide tauschten zum Ende des Torneo de Verano noch Trainer und hoffen nun auf Besserung.

Die beiden Gruppensieger, Melgar und UTC, spielten untereinander den Sieger des Torneo de Verano aus – ein begehrter Titel, schließlich bedeutet er die Qualifikation für die Copa Libertadores 2018. Im Hinspiel in Arequipa war Melgar das deutlich bessere Team, konnte aber nur einen Treffer erzielen – UTC war mit dem 0:1 noch gut bedient und konnte guten Mutes in das Heimspiel gehen. In diesem gelang Gustavo Dulanto die frühe Führung, und Donald Millán erzielte noch vor der Pause das 2:0, das für Jubelstürme in Cajamarca sorgte. Immerhin hatte UTC in der ersten Liga noch nie einen Titel eingefahren, und diesmal erschien er greifbar nahe. Zu schwach wirkte Melgar lange, doch nach der Pause zeigte sich das Team von Juan Máximo Reynoso etwas verbessert. Als UTC dann zum Jubeln bereit war, machte die Defensive des Gavilán einen ihrer wenigen Fehler – beim Steilpass von Arce hob Jonathan Segura unnötig das Abseits auf, der Argentinier Herrera vollendete abgezockt zum 2:1. Da die Auswärtstorregel nicht galt, ging es in eine ereignislose Verlängerung. Im Anschluss kam es zum Elfmeterschießen, in dem Melgar das glücklichere Team war – Diego Penny wehrte die Versuche von Segura und Millán ab und sicherte seinem Team so den Titel.

Der Sieger:

Melgar hat in den letzten dreieinhalb Jahren nun schon zwei Kurzturniere und eine Meisterschaft gewonnen. Die Identität des Teams blieb dabei auch diesmal unberührt und wird sehr stark von Juan Máximo Reynoso geprägt. Der Coach hat einen starken Hang zur Rotation – so wechselte er permanent zwischen den Torhütern Penny, Alvarez und Campos – und ist sich für pragmatische 0:0-Spiele nie zu schade, zeigte aber häufig auch ein glückliches Händchen, so etwa bei der Einwechslung von Patricio Arce im Finalrückspiel: Der Joker bereitete das 2:1 vor und verwandelte den entscheidenden Elfmeter. Wenn es möglich ist, spielt Melgar aber auch oft einen sehr ansehlichen und offensiven Fußball, so etwa im Hinspiel des Finales. Dabei haben die Rojinegros keine überragenden Figuren, können sich aber darauf verlassen, dass irgendeiner immer sticht: Kapitän Ysrael Zúñiga, der mit 40 Jahren ein wirklich gutes Turnier spielte und im Finale einen Elfmeter dreist in die Mitte chippte, der argentinische Sturmtank Emanuel Herrera, der flexible Dribbler Omar Fernández oder der immer stärker werdende Rechtsaußen Patricio Arce. Im zum Innenverteidiger umgeschulten Anderson Santamaria hatte man auch einen der besten Verteidiger der Liga in den eigenen Reihen, während der Ex-Wolfsburger Carlos Ascues (als Sechser oder Innenverteidiger) nicht immer überzeugen konnte. Der Titel war letztlich Belohnung für eine konstante Leistung (mit nur zwei Niederlagen in sechzehn Spielen), auch wenn er im Zustandekommen etwas glücklich war.

Diego Penny

Facebook / FBC Melgar Oficial

Die Überraschung:

UTC aus Cajamarca hatte vor der Saison wirklich niemand auf der Rechnung – zu schwach die Vorsaison, zu klein der Kader. Chefutbol hatte in der Saisonvorschau einen Mittelfeldplatz prognostiziert. Doch was das Team von Franco Navarro dann zeigte, hätte gut und gerne den Titel verdient gehabt: Sieben Heimsiege in acht Spielen, phasenweise extrem starker Offensivfußball um Donald Millán und Juan Pablo Vergara, individuell überraschende Leistungen wie etwa von Gino Guerrero, der letzte Saison noch unglücklich bei Zweitligist Coopsol war und nun zu den besten Offensiven der Liga gehörte oder Gustavo Dulanto, der bei Universitario nicht mehr gebraucht wurde und als Innenverteidiger fünf Tore erzielte. Zugeschrieben muss dieser Erfolg Franco Navarro, der bereits 2015 mit César Vallejo überraschend das Sommerturnier gewonnen hatte und diesmal mit einem größeren Außenseiter nur haarscharf daran scheiterte. Eine Erwähnung muss an dieser Stelle jedoch auch Sport Rosario, Aufsteiger aus der Copa Peru, finden: Das Team aus Huaraz wurde sensationell Zweiter der Gruppe A und ließ dabei den amtierenden Meister Sporting Cristal hinter sich.

Die Enttäuschung:

Die Teams aus Lima dürften samt und sonders mit ihren Leistungen unzufrieden gewesen sein, doch am bittersten waren die schwachen Auftritte wohl für Universitario. Mit Alberto Rodriguez, Alberto Quintero, Luis Tejada, Aldo Corzo und Juan Vargas hatte man vor der Saison groß investiert und den vielleicht teuersten Kader der Liga zusammengestellt, doch der Anfangseuphorie folgte ein blamabler Saisonauftakt mit sechs Punkten aus den ersten acht Spielen und einem unglaublich schmerzhaften Ausscheiden aus der Copa Libertadores, als man gegen die No-Names von Capiatá nach einem vermeintlich ausreichenden 3:1-Auswärtssieg zuhause noch mit 0:3 gedemütigt wurde. Nach dem Abrutschen auf den letzten Platz feuerte man dann Vereinslegende Roberto Chale, der aus gesundheitlichen Gründen zumeist ohnehin nicht auf der Bank Platz nehmen konnte. Immerhin: Seitdem zeigte sich La U deutlich verbessert, holte unter Pablo Troglio 13 Punkte aus sechs Spielen und konnte wieder auf die individuelle Klasse von Edwin Gómez, Tejada oder Quintero zählen. So erscheint es nicht ausgeschlossen, dass Universitario in den kommenden Kurzturnieren – Torneo Apertura und Clausura – wieder um den Titel mitspielt.

Der Topscorer:

Fünf Tore, fünf Assists – Donald Millán von UTC war im Torneo de Verano der wohl stärkste Spielmacher der Liga und wohl auch der wichtigste Spieler der Cajamarquinos. Mit präzisen Pässen und Abschlüssen sowie starken Standards zeigte der Kolumbianer, dass seine teils großartige Form bei César Vallejo (die er im letzten Jahr, dem Abstiegsjahr, jedoch verloren hatte) kein Zufall gewesen war. Im Finalrückspiel gelang ihm sogar das 2:0, das durchaus den Titel hätte bringen können. Es sollte anders kommen, und im Elfmeterschießen war ausgerechnet der Topscorer der tragische Held: Diego Penny parierte seinen schwach geschossenen fünften Elfmeter. Einen Schuss später (Arce traf für Melgar) hatte UTC den Titel verloren. So dürfte die Auszeichnung für den besten Scorer Millán wenig bedeuten. Bester Torschütze war mit acht Treffern Cantolaos Jefferson Collazos.

Donald Millan (l.)

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