Zidane
Facebook / FC Lausanne-Sport

Enzo Zidane – Letzte Ausfahrt Genfer See

Auf den Sohn eines Weltstars lasten hohe Erwartungen. Nur selten kann der Nachwuchs von Ex-Profis in die großen Fußstapfen treten, auch wenn es aus der Ferne für viele beinahe selbstverständlich erscheint. Enzo Zidane kennt dieses Dilemma nur zu gut und steht nun vor seiner womöglich letzten Chance im Profigeschäft.

Vor etwa 18 Monaten hat chefutbol.com einen Blick auf die vier Kinder von Real Madrids aktuellem Startrainer Zizou geworfen. Enzo und Luca waren zu diesem Zeitpunkt mit dem Team der Königlichen auf Vorbereitungsreise in den Vereinigten Staaten. Mit dem berühmten Vater an der Seitenlinie schien die Karriere von Enzo nach einiger Zeit bei der Reserve der Blancos in Schwung zu kommen. Seitdem gab es allerdings nicht mehr viel Positives über den Spieler zu berichten. Seine Karriere steht auf der Kippe.

Enzo Zidane ist der älteste der vier Söhne von Zinédine Zidane. Allein der Familienname vermag zu einer großartigen Fußballerkarriere zu verpflichten. Die Ausbildung in den Jugendakademien von Juventus Turin und Real Madrid lässt die Hoffnungen auf einen neuen Weltstar, wie es einst der berühmte Vater gewesen ist, nur noch wachsen. Enzo wird allerdings bald 23 Jahre alt und sein Durchbruch darf nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Die Uhr tickt gegen ihn, nicht wenige haben ihn schon abgeschrieben.

Enzo Zidane: Champions League, Abstiegskampf, Niemandsland

Vor einem halben Jahr wechselte Enzo von Real Madrid zu Deportivo Alavés. Dort unterzeichnete er einen Vertrag bis 2020. Nachdem er sich bei Reals Profis nicht durchsetzen konnte, wollte er in Alavés seinen Durchbruch erzwingen. Am zweiten Spieltag feierte er sein Debüt in der Primera Division gegen den FC Barcelona. Anschließend kam er allerdings nur noch auf lediglich einen weiteren Einsatz in der gesamten Hinserie. Nach nur zwei weiteren Partien in der Copa del Rey zog Enzo im Januar dieses Jahres die Reisleine und schien quasi aus Spanien zu flüchten. Sein neuer Arbeitgeber ist der FC Lausanne in der Schweiz.

Dieser Transfer wirkt ein wenig als wäre es der letzte Strohhalm für Enzo. Ein Strohhalm, an dem er sich nun dringend festklammern sollte. Wenn man sich nicht auf Anhieb in Madrid durchsetzt, bricht sich selbst ein Sohn von Zizou noch keinen Zacken aus der Krone. Aber das glücklose Intermezzo bei einem – wohlwollend ausgedrückt – unterdurchschnittlichem Erstligaklub scheint dann doch Grund zur Sorge zu sein. Der Wechsel in die Schweiz ist nun kaum ein Sprung, aber vermutlich die letzte Chance, die Fußballwelt von seinem Potential zu überzeugen.

Lausanne-Trainer Fabio Celestini dürfte wohl der Hauptgrund für den Wechsel sein. Er gilt als brillanter, noch ziemlich junger Trainer (42), wird von Vater Zidane extrem geschätzt und hat bei Lausanne mit einem wirklich schlechten Team kleine Wunder vollbracht. Ausserdem kennt Celestini den spanischen Fussball bestens von seiner Zeit in Getafe und danach in Malaga und dürfte Enzo für eine Rückkehr aufbauen können. Bei Lausanne sind vor zwei Monaten neue Investoren (Chemiekonzern) aufgetaucht, die die Erfolgsgeschichte vom FC Basel “kopieren” wollen.

Beim aktuellen Tabellenfünften aus der Schweiz wird Enzo Zidane sportlich weitaus weniger Druck haben, als im Abstiegskampf der Primera Division. In der idyllischen Stadt am Genfer See lässt es sich zudem sicherlich gut leben und Enzo wird mehr Ruhe um seine Person bekommen. Auch mit der Sprache wird er keine Probleme haben, weil die Amtssprache dieser Region französisch ist. Wenn Enzo als Profifußballer nochmals Fuß fassen kann, dann sollten in Lausanne die nötigen Voraussetzungen gegeben sein.

Der Fluch des Erfolgsverdammten

Fakt ist, dass Enzo nicht in der Lage sein wird, eine derart große Karriere zu erleben, wie einst sein Vater Zinédine. Selbst der größte Optimist wird das einsehen müssen. Die Fußstapfen waren allerdings auch so ziemlich die Größten, in die man als Sohn eines ehemaligen Profis hätte treten können. Nicht ohne Grund hatte sich der älteste Zidane-Sohn dazu entschieden, seinen Familiennamen nicht auf dem Trikot zu tragen. Schon lange versucht er, aus dem Schatten seines berühmten Vaters hervorzutreten, was ihm allerdings bisher nicht gelingen konnte.

Wenn Enzo nicht für immer nur der Sohn eines der größten Fußballer unserer Epoche sein möchte, sollte er nun am Genfer See überzeugen um in seiner Karriereleiter wieder einige Stufen nach oben steigen. Noch ist er jung genug, um sich in einer europäischen Topliga durchzusetzen. Ihm ist zu wünschen, dass er bei den Eidgenossen die Ruhe und das Selbstvertrauen erhalten wird, um wieder in die Spur zu finden. Wir drücken ihm dabei die Daumen und verfolgen seinen weiteren Weg.