Rodrygo

Real Madrids Rodrygo: Ganz großer Coup oder teurer Teenie-Spaß?

Real Madrid rüstet weiter für die Zukunft auf. Neben Vinícius Júnior und Rodrigo verpflichteten die Königlichen mit Rodrygo den dritten brasilianischen Teenager in kürzester Zeit. Insgesamt überweisen die Königlichen für die Dienste dieser drei Talente 94 Millionen Euro nach Brasilien. 45 Millionen Euro davon entfallen auf den jüngsten Transfercoup. Wir werfen einen Blick auf den Deal mit dem 17-jährigen Brasilianer vom FC Santos.

Rodrygo Silva de Goes lautet der volle Name des Offensivtalentes, dessen Dienste sich Real Madrid Mitte Juni sichern konnte. Angesichts der Begerhlichkeiten, welche der Brasilianer jüngst geweckt hatte, darf der Transfer durchaus als Coup bezeichnet werden. Neben dem Rivalen aus Barcelona hatten auch Paris St. Germain, der FC Bayern München und Borussia Dortmund ihre Fühler nach dem 1,73 Meter großen Angreifer ausgestreckt. Das immense Interesse wurde bewusst von Rodrygo abgeschirmt, sodass er sich auf seinen Fußball konzentrieren konnte, versichert Nick Arcuri, der Berater des Spielers: “Er bewertete nur das Angebot von Real Madrid, weil es das einzige war, welches den Wünschen des FC Santos und der Familie von Rodrygo entsprach”, stellt Arcuri klar und versichert, dass der Spieler nicht zwischen den Klubs zu entscheiden musste.

Der FC Barcelona steht sich beim Tauziehen selbst im Wege

Vor allem auch aus Katalonien soll großes Interesse am Juwel vorgelegen haben. Aber wie schon bei Vinícius hatten die Königlichen eine höhere Überzeugungskraft am Verhandlungstisch. Die brasilianische Globoesoporte hatte schon vor der offiziellen Bestätigung des Transfers nach Madrid berichtet, dass ein Wechsel von Rodrygo zum FC Barcelona auch am angespannten Verhältnis zwischen dem FC Barcelona und den Schwarz-Weißen aus der brasilianischen Hafenstadt scheitern würde. So wurde bereits im Mai das Interesse aus Barcelona seitens des FC Santos bestätigt. Der Präsident der Brasilianer schloss allerdings aus, mit den Katalanen verhandeln zu wollen, ehe diese noch offene Beträge aus dem Neymar-Transfer vor einigen Jahren begleichen würden. Das ist augenscheinlich nicht geschehen und der FC Barcelona hatte das Nachsehen.

Verzicht von Rodrygo öffnet Real die Tür

Mit 45 Million Euro Ablösesumme darf Rodrygo kaum als Schnäppchen bezeichnet werden, dennoch bleiben die Königlichen fünf Millionen Euro unterhalb der geforderten Ausstiegsklausel, auf welche der FC Santos beharrt hatte. Dafür gibt es einen Grund: Das Arbeitspapier von Rodrygo sieht es vor, dass der FC Santos 80 Prozent des Transferlerlöses erhalt, der Rest wird dem Spieler zugesichert. Rodrygo verzichtete auf einen Teil (5 Millionen Euro) seiner Beteiligung, damit das königliche Angebot ausreichen konnte, um sich die Dienste des 17-jährigen zu sichern. Übrigens bleibt er analog zum Vinícius-Transfer vorerst in Brasilien: Rodrygo ist noch keine 18 Jahre alt und die FIFA untersagt den Wechsel von Minderjährigen. Deshalb hat Rodrygo noch bis Juli 2019 Zeit, sich beim FC Santos zu entwickeln.

Kostspieliges Versprechen in die Zukunft

Wie bei allen verheißungsvollen Talenten ist das Risiko des Transfers relativ hoch. Der Akteur, welcher wie in Brasilien üblich vor der Profikarriere seine technischen Fähigkeiten zunächst in der Futsal-Abteilung des FC Santos geschärft hatte, bleibt vorerst eine Wundertüte: Erst zwölf Spiele hat der Angreifer in Brasiliens höchster Spielklasse bestritten – etwas wenig, um ihm Kontinuität attestieren zu können. Allerdings erzielte er in dieser Saison nach zehn Partien bereits fünf Treffer, darunter einen Hattrick Anfang Juni. In der Copa Libertadores war Rodrygo bei sechs Einsätzen einmal erfolgreich und wurde damit zum jüngsten Brasilianer, der jemals im Kontinentalwettbewerb getroffen hatte.

Trotz der beeindruckenden Leistungen der vergangenen Wochen sollte man eine vorsichtige Erwartungshaltung einnehmen. Auch der ehemalige Madrid-Profi Clarence Seedorf steht den Einsatzchancen für Vinícius und Rodrygo skeptisch gegenüber, wie er letzte Woche bei SporTV erklärte: “Madrid ist ein Klub, der hohe Anforderungen hat. Sie werden nicht spielen! Wenn du Glück hast, schicken sie dich zu einem anderen Verein wie Porto, um zu wachsen.” Vorher bleibt Rodrygo noch mindestens ein halbes Jahr in der Heimat, um sich zu entwickeln, ehe der große Karrieresprung ansteht. Indes spricht der Shootingstar selbst von einem Traum, der in Erfüllung geht: “Wir stellen uns das in jedem Moment vor, es ist ein Traum den wir immer haben, in Europa mit diesen großen Namen zu spielen.” Hoffentlich wird der Traum “Real Madrid” für Rodrygo nicht zum Alptraum.