Südamerikameisterschaft
CONMEBOL

Stars oder Sternschnuppen? Die U20-Südamerikameisterschaft

Heute Nacht startet die U20-Südamerikameisterschaft in Ecuador. Wir stellen die zehn Teams und die Toptalente des Turniers vor.

Giovanni Simeone (2015), Nicolás López (2013), Neymar (2011), Abel Hernández, Hernán Pérez, Robin Ramírez und Walter (alle 2009), Edinson Cavani (2007). Diese Liste ist keinesfalls so zufällig, wie sie erscheinen mag. Es handelt sich bei ihnen allen um die Torschützenkönige der letzten fünf U20-Südamerikameisterschaften. Doch die Karrieren, die sie danach antraten, könnten unterschiedlicher kaum sein: Während Neymar und Cavani zu Weltstars wurden und Spieler wie Abel Hernández oder Simeone immerhin Stammspieler in den großen europäischen Ligen sind, ist der Paraguayer Robin Ramírez momentan bei Atlético de Rafaela in Argentinien so tor- wie glücklos unterwegs. Die Unvorhersehbarkeit ist Teil der Faszination „Jugendturniere“: Viele Fans, aber auch Scouts hoffen, dort vor allen anderen den nächsten Neymar zu entdecken, doch niemand von ihnen weiß, ob die vermeintlichen zukünftigen Stars nicht nur verglühen wie eine Sternschnuppe.

Die U20-Südamerikameisterschaft findet 2017 in Ecuador statt

2017 steht eines der Turniere mit der traditionell höchsten Anziehungskraft auf die Scouts der großen Vereine vor der Tür: Ab dem 18. Januar wird in Ecuador die Südamerikameisterschaft „Sudamericano Sub20“ ausgetragen. Im Eröffnungsspiel werden sich die Mannschaften von Kolumbien und Paraguay am Mittwoch um 23:00 MEZ im Estado Olímpico zu Riobamba gegenüberstehen. Die letzten Spiele finden am 11. Februar im Estadio Olímpico Atahualpa in Quito statt. Weitere Spiele werden in Ibarra und Ambato, die wie Riobamba und Quito im Hochland auf über 2000 Metern über dem Meeresspiegel liegen, ausgetragen. An dem Turnier nehmen alle zehn Mitgliedsstaaten des CONMEBOL teil. Diese wurden dabei in zwei Gruppen mit je fünf Teams aufgeteilt, in denen jeder einmal gegen jeden antreten muss. Die Losfee der CONMEBOL sorgte für folgende Gruppeneinteilung:

U20

Nach der Gruppenphase qualifizieren sich die jeweils drei bestplatzierten Teams für das sogenannte „Hexagonal“, die Finalrunde, in der erneut alle Teams gegeneinander antreten. Der Gruppenerste des Hexagonal gilt als Turniersieger, die Plätze zwei bis vier buchen ihr Ticket für die U20-WM in Südkorea.

Titelverteidiger Argentinien – Rekordsieger Brasilien

Aktueller Titelverteidiger ist Argentinien. Von 27 ausgetragenen U20-Südamerikameisterschaften gingen 22 an Brasilien (11), Uruguay (7) und Argentinien (5), während Peru, Ecuador und Bolivien nie auch nur unter die ersten drei Teams kamen. Die Historie deutet also auf ein gewisses Qualitätsgefälle hin, doch haben einige der kleineren Länder große Anstrengungen unternommen, den Abstand zu verkürzen. Eine der wichtigsten Regelungen, auf die Länder wie Peru, Paraguay, Ecuador und Chile seit kurzem zurückgreifen, betraf Mindestquoten für den Einsatz junger Spieler in ihren Ligen. So können die Seleccionados dieser Länder oft auf eine solide Einsatzzahl zurückblicken. Es ist zu erwarten, dass diese zusätzliche Erfahrung tatsächlich einen positiven Faktor darstellen und das Teilnehmerfeld etwas näher zusammenbringen wird. Einsatzberechtigt sind im diesjährigen Turnier Spieler der Jahrgänge 1997 und jünger. Eine Abstellungspflicht herrscht nicht, da das Turnier nicht als offizielles FIFA-Turnier gilt – eine Regelung, die für einige prominente Abwesende sorgt. Beispielsweise erhielten der Uruguayer Federico Valverde und der Paraguayer Sergio Diaz, beide von Real Madrids Castilla, keine Freigabe. Im Folgenden stellt die Redaktion von Chefutbol die Teams kurz vor und gibt eine Einschätzung zu ihrer Leistungsfähigkeit ab.

Die Gruppe A

Ecuador – Aufregung um gefälschte Geburtsdaten

Die Tricolor von Ecuador um Trainer Javier Rodríguez hat als Gastgeber natürlich eine besondere Motivation, einen starken Eindruck zu hinterlassen. Ein Schatten liegt dabei über dem Jugendfußball des Landes: Skandale um gefälschte Geburtsdaten erschütterten den Verband, da Klubs so das Problem des Einsatzes von unerfahrenen und physisch unterlegenen Jugendspielern umgehen wollten. Auch um Mitglieder der aktuellen U20-Mannschaft gab es dahingehend Irritationen. Ungeachtet dessen kann Rodríguez‘ Auswahl auf relativ viel Erfahrung in der heimischen Liga zurückblicken.

 Bryan Cabezas – hier im Trikot von Independiente del Valle – will auch mit Ecuador für Furore sorgen

Der schnelle Offensivspieler Bryan Cabezas, meist auf der linken Bahn eingesetzt, war gar eine der Schlüsselfiguren von Independiente del Valle, als der kleine ecuatorianische Klub 2016 sensationell ins Finale der Copa Libertadores gelangte – ein Erfolg, der ihm einen Wechsel zu Atalanta nach Italien einbrachte. Auch der zentrale Mittelfeldspieler Jordan Sierra ist einer der Leistungsträger und absoluter Stammspieler beim Erstligisten Delfín SC. Einer der erfahrensten Akteure ist Linksaußen Joao Rojas von Emelec, der bereits 60 Erstligaspiele bestritten hat. Die Tri ist insgesamt gut aufgestellt und ihr Heim- und Höhenvorteil sicher ein gewichtiger Faktor, dennoch dürfte es angesichts der Stärke der Gruppe wohl zunächst einmal ums Weiterkommen gehen.

Kolumbien – Juan Pablo Ramírez sticht heraus

Noch ambitionierter als die Ecuatorianer positioniert sich Kolumbien. Die Cafeteros wurden beim letzten Turnier 2015 in Uruguay Vizemeister und wollen mit ihrem typischen technisch starken, kombinativen Fußball nachweisen, dass der jüngste Aufwärtstrend der National- und Klubmannschaften keine Eintagsfliege ist. Der natürliche Anführer des Teams ist der zentrale Mittelfeldspieler Kevin Balanta, der auch schon für die A-Nationalmannschaft debütiert hat. Die spielerischen Fäden soll der offensive Mittelfeldmann Juan Pablo Ramírez in den Händen halten, der als eines der größten Talente des Landes gilt und Teil der zuletzt überragenden Vereinmannschaft Südamerikas, Atlético Nacional ist.

 Kevin Balanta zieht im Mittelfeld die Fäden der Mini-Cafeteros

Darüber hinaus haben zuletzt zwei weitere Offensivspieler für Aufsehen gesorgt: Juan Hernández, dribbelstarker offensiver Mittelfeldspieler und erst 17 Jahre alt, erzielte in der zweiten kolumbianischen Liga 20 Tore. Seine Transferrechte wurden zuletzt von Granada erworben. Der schnelle und groß gewachsene Mittelstürmer Damir Ceter spielte ebenfalls eine hervorragende Saison in der zweiten Liga. Das realistische Ziel der Kolumbianer ist die WM-Qualifikation, doch mit mindestens einem Auge schielt Trainer Carlos Restrepo sicher auf die Wiederholung eines Kunststücks, das ihm bereits 2013 gelungen ist: Der Titelgewinn.

Brasilien – Der Name verpflichtet

Trotz zuletzt zweier erfolgloser U20-Südamerikameisterschaften und des Abwärtstrends des Seniorenteams in der letzten Dekade muss Brasilien dieses Ziel offensiver angehen: Schon allein des Namens und der Historie wegen zählt auch die U20-Mannschaft der Scratch immer zu den großen Turnierfavoriten. Doch nicht nur der Name ist beeindruckend. Mit Kapitän Caio Henrique, der jüngst für Atlético Madrid sein Debüt feiern konnte, Herthas zentralem Mittelfeldspieler Allan und Juventus‘ Linksverteidiger Rogério haben einige Youngster von europäischen Vereinen die Freigabe erhalten und sollten ihr Scherflein zum Erfolg der Brasilianer beitragen können.

 Caio Henrique feierte unlängst sein Debüt für Atlético Madrid

Aber auch in der heimischen brasilianischen Liga spielen große Talente, wie etwa der kopfballstarke Mittelstürmer Felipe Vizeu. Spieler wie Guilherme Arana, Dodô, Maycon und Richarlison haben ebenfalls Erfahrung in der wohl stärksten Liga des Kontinents vorzuweisen, Stürmer Artur wurde mit Palmeiras sogar Meister. Angeleitet wird die Mannschaft von Trainer Rogério Micale, der den Druck aus der Heimat spüren wird: Die Mindesterwartung an sein Team ist, dass es bis zum Ende um den Titel mitkämpft. Das Talent dazu ist mit Sicherheit vorhanden, doch die Zeiten, als Brasiliens Mannschaften übermächtig waren, sind auch auf Jugendebene lange vorbei.

Paraguay – Gladbacher Juwel Villalba ist mit dabei

Einen weniger großer Namen, aber ebenfalls sehr interessante Spieler kann Paraguays Auswahl vorweisen. Der Star der Mannschaft, Angreifer Sergio Diaz von Real Madrid, erhielt allerdings von seinem Klub keine Freigabe. Dennoch können mit Cerros Porteños aufregendem Dribbler Josué Colman, Américas zentralem Mittelfeldspieler Cristhian Paredes, Olimpias Innenverteidiger Saúl Salcedo und Basels Linksverteidiger Blas Riveros einige Spieler sogar schon Erfahrung in internationalen Wettbewerben vorweisen. Gladbach-Fans dürfen besonders gespannt sein: Julio Villalba, momentan von den Fohlen an seinen Stammklub Cerros Porteño verliehen, wird als Mittelstürmer wohl seinen Stammplatz in Pedro Sarabias kompaktem 4-4-2-System sicher haben.

 Gladbachs Juwel Julio Villalba

Auffällig ist, dass der starke Jahrgang 1998 das Gerüst der Mannschaft stellt. Dieser hatte sich noch als U17 auch für die WM 2015 in Chile qualifiziert. Würde das Sudamericano Sub20 ein Jahr später stattfinden, könnte man die dann etwas erfahrenere Mannschaft Paraguays vielleicht sogar zu den Turnierfavoriten zählen. Im Jahr 2017 jedoch könnte den Guaraní trotz des unbestrittenen Talents neben der ungewohnten Höhe und notorischen Organisationsmängeln auch die Jugend der Mannschaft Probleme bereiten. Daher erscheint das Ziel WM-Qualifikation etwas hoch gesteckt, das Überstehen der Gruppe wäre bereits eine bemerkenswerte Leistung.

Chile – Alles erscheint möglich

Chile, das 2015 als Gruppenletzter der Vorrunde schwer enttäuscht hatte, geht ebenfalls besseren Mutes in das neue Turnier und denkt sogar an den Titel. Immerhin hatten die schwachen Auftritte der Jugendmannschaften für ein Umdenken in der Liga gesorgt, und seit eine Minutenregelung die Klubs zum Einsatz junger Spieler zwingt, haben sich auch tatsächlich einige vielversprechende Talente durchsetzen können. Besonders tat sich zuletzt die Jugendarbeit der Universidad Católica hervor. Mit dem dribbelstarken Außenstürmer Jeisson Vargas, dem kopfballstarken Innenverteidiger Francisco Sierralta und dem flinken zentralen Mittelfeldspieler Jaime Carreño stammen drei der stärksten Jugendspieler aus dem Stall der Cruzados, auch wenn die Transferrechte teilweise schon in Italien bei Bologna (Vargas) bzw. Udinese (Sierralta) liegen.

 Das dribbelstarke Kraftpaket Jeisson Vargas (Mitte, #16)

Ein weiterer Leistungsträger ist der offensivstarke, aber nicht immer disziplinierte Linksverteidiger Cristian Gutiérrez von Colo-Colo. Ein Problem dürfte für die Rojita die Höhe darstellen: Zwar akklimatisiert sich die Mannschaft von Héctor Robles seit einiger Zeit im Hochland Ecuadors, doch spielen normalerweise fast alle Spieler auf Meereshöhe. Nominell erscheint die Mannschaft stark genug besetzt, um um die WM-Plätze mitzuspielen, doch auch ein Vorrundenaus ist in der stark besetzten Gruppe A möglich.

Die Gruppe B

Argentinien – Ascacíbar überragt

Der aktuelle Titelträger Argentinien, der 2015 mit einer Mannschaft um Angel Correa, Augusto Batalla und Giovanni Simeone die klar beste Mannschaft des Turniers stellte, geht trotz einer verbandsinternen Umstrukturierung der Jugendarbeit erneut als einer der Favoriten ins Rennen. Insbesondere das Estudiantes-Duo Lucas Rodríguez und Santiago Ascacíbar zählt zu den erfahrensten Spielern des Turniers. Auf Kapitän „El Ruso“ Ascacíbar hält man in Argentinien so große Stücke, das man ihn ob seiner Führungsstärke und unermüdlichen Kampfkraft sogar schon als Nachfolger Javier Mascheranos auserkoren hat. Er ist der Auserwählte, um im zentralen Mittelfeld die Fäden zusammenzuhalten.

 Nach der Enttäuschung bei den Olympischen Spielen in Rio wollen Ascacíbar und Co. jetzt den Titel

Rodriguez dagegen ist Teil einer nominell stark besetzten Offensive mit Independientes großer Nachwuchshoffnung Ezequiel Barco auf der Zehn und Racings erstligaerfahrenen Talenten Braian Mansilla und Lautaro Martínez im Angriff. Auch die Defensive, unter anderem mit Boca-Rechtsverteidiger Nahuel Molina, verspricht solide Arbeit. Von den traditionell kritischen Fans und Medien in Argentinien wird daher erwartet, dass die junge Albiceleste um den neuen Trainer Claudio Úbeda in Ecuador um den Titel mitspielen wird. Abwegig ist das nicht: Gemeinsam mit Brasilien und Uruguay dürfte Argentinien eines der ausgeglichensten und besten Teams der Turniers stellen.

Uruguay – Trainer Coito als Konstante

Die himmelblauen Uruguayer zählen wie ihre Nachbarn auch auf Nachwuchsebene zu den erfolgreichsten Teams Südamerikas. Ein Erfolgsgeheimnis der letzten Jahre ist die dauerhafte Arbeit und der flexible Pragmatismus von Trainer Fabián Coito, der bereits seit 2007 Uruguays Nachwuchsteams coacht. Für das Sudamericano Sub20 von 2017 wird man sich bei der Celestita einiges vorgenommen haben, schließlich ist der Kader auf dem Papier hervorragend besetzt. Der größte Name ist Rodrigo Bentancur, ein technisch und organisatorisch begabter Spielmacher aus der Jugend Boca Juniors, für den Juventus Turin eine Kaufoption besitzt. Auch Stürmer Nicolás Schiappacasse, gerade erst 18 geworden und bei Atlétiéco Madrid unter Vertrag, wird hoch gehandelt. Mit seiner Schnelligkeit, Giftigkeit und Dribbelstärke kam er schon mit 16 Jahren in der uruguayischen Liga zum Einsatz und überzeugte dann Diego Simeones Scouts so sehr von seinem Talent, dass Atlético das Sturmjuwel erwarb.

 Rodrigo Bentancur könnte bald für das große “J” auflaufen, für Juventus Turin

Auch Angreifer Diego Rossi, Linksverteidiger Mathías Olivera und Innenverteidiger Santiago Bueno wurden schon mit den großen Namen des europäischen Klubfußballs in Verbindung gebracht und werden das Sudamericano Sub20 sicher als Schaufenster nutzen wollen. Das hat auch Rodrigo Amaral vor – der geniale Linksfuß galt einst als das wohl größte Talent Uruguays, spielte aber wegen notorischer konditioneller Defizite zuletzt kaum noch eine Rolle bei seinem Verein Nacional. Insgesamt verfügen fast alle Spieler der Stammelf über größere Erfahrung in der uruguayischen Liga und sind technisch wie taktisch gut ausgebildet. Mit der Seriosität und Flexibilität Coitos und der traditionellen Kampfstärke der Uruguayer ist viel von der Celestita zu erwarten, alles andere als ein Platz unter den ersten 4 wäre eine Enttäuschung.

Peru – In der Defensive drückt der Schuh

Peru beginnt im Gegensatz zu Argentinien und Uruguay das Turnier als Außenseiter. Der Kader der Blanquirroja hat selbst auf dem durchschnittlichen Niveau der peruanischen Liga kaum Erfahrung vorzuweisen und enttäuschte auf heimischen Boden beim Vorbereitungsturnier Copa Los Andes herb. In der Offensive stehen allerdings einige Talente bereit: Der schnelle Roberto Siucho, der extrem dribbelstarke Raúl Tito, der trotz junger 17 Jahre sehr komplette Außenstürmer Fernando Pacheco sowie der körperlich robuste und abschlussstarke Adrián Ugarriza sollten auch auf internationalem Parkett einigermaßen mithalten können.Allerdings machte man in der Vorbereitung teilweise auch offensiv keinen eingespielten Eindruck.

 Eine der Hoffnungen Perus: Roberto Siucho (links)

Dagegen fehlt es in der Defensive nicht nur an Erfahrung, sondern auch an Klasse, lediglich der Sechser José Cotrina konnte in der heimischen Liga schon Duftmarken setzen. Selbst die Höhe dürfte keinen Vorteil für die Peruaner darstellen, spielt doch fast das gesamte Team bei Vereinen aus Lima und Callao, also auf Meereshöhe. Die größte Hoffnung von Trainer Fernando Nogara und seinem Team liegt in der relativen Unausgeglichenheit der Gruppe B. Gelingt es den Peruanern, am zweiten Spieltag Bolivien zu schlagen, könnte das Match gegen Venezuela ein Schlüsselspiel zum Weiterkommen darstellen. Dennoch wäre das Erreichen der Finalrunde ein großer Erfolg.

Venezuela – Der Geheimfavorit

In der angesprochenen Copa Los Andes hinterließ ein anderes Team dagegen einen sehr starken Eindruck: Venezuela, historisch eines der erfolglosesten Teams Südamerikas, konnte sich gegen Peru, Paraguay und Kolumbien durchsetzen und das Turnier so für sich entscheiden. Ganz überraschend kam das nicht: Für einige Experten handelt es sich bei der aktuellen U20 um eine der vielversprechendsten Generationen, die je das weinrote Trikot getragen hat. Obwohl mit Málagas Stürmer Adalberto Peñaranda der wohl begabteste Spieler keine Freigabe erhalten hat, fehlt es insbesondere in der Offensive nicht an Talent. Der torgefährliche Rechtsaußen Yeferson Soteldo, der gerade nach Chile zu Huachipato gewechselt ist und schon drei A-Länderspiele bestritten hat, sticht dabei besonders heraus. Doch auch die zentralen Stürmer Ronaldo Peña, bei Las Palmas unter Vertrag, und Ronaldo Chacón hinterließen in der Vorbereitung einen starken Eindruck. Zwei weitere Stützen des Teams sind der abgeklärte Kapitän Yangel Herrera, ein zentraler Mittelfeldspieler, und der Torwart Wuilker Fariñez, die beide zu den Leistungsträgern beim Cáracas FC gehören und auch schon in der A-Mannschaft debütieren durften. Das Erreichen der Finalrunde muss das Ziel der Venezolaner sein, und auch die WM-Qualifikation erscheint nicht aussichtslos.

 Leider nicht dabei: Malagas Adalberto Peñaranda

Bolivien – Chaos in der Vorbereitung und fehlende Eingespieltheit

Für die bolivianische Mannschaft dagegen dürfte die U20-WM kaum mehr als ein ferner Traum bleiben. Neben der fußballerischen Qualität hapert es auch an der Vorbereitung: Eigentlich sollte der damalige A-Nationalmannschaftstrainer Guillermo Hoyos auch die U20 betreuen, doch wechselte er überraschend zur Universidad de Chile. Erst Ende Dezember wurde daraufhin Rekordnationalspieler Marco Sandy zum Trainer der U20 bestimmt, der dann zunächst 43 Spieler für die Vorbereitung nominierte. Mittlerweile wurde der Kader auf 23 Akteure reduziert, doch dürften fehlende Eingespieltheit und Abstimmung definitiv ein Problem für die Bolivianer werden.

Dazu kommt, dass die Mannschaft kaum große Namen vorzuweisen hat: Zwar wurden mit Bruno Miranda, Henry Vaca, Limbert Gutiérrez und Brandon Torrico vier Legionäre nominiert, doch haben diese so gut wie gar keine Erfahrung im Seniorenfußball vorzuweisen. Auch in der ohnehin recht schwachen bolivianischen Liga ist nur Bolívars Moisés Villarroel eine echte Konstante. Vom zentralen Mittelfeldspieler Villarroel und dem Mittelstürmer Miranda werden am meisten Impulse erwartet, doch dürfte Bolivien sehr defensiv und abwartend stehen müssen, um die individuellen Defizite besser kompensieren zu können. Realistische Qualifikationschancen für die Finalrunde hat man trotz des Höhenvorteils nicht, mit einem Sieg in der Gruppenphase hätte man bereits ein respektables Ergebnis erreicht.