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Happy Birthday Pep Guardiola – Cruyffs leidenschaftlichster Schüler wird 47

Er galt schon als Spieler als verlängerter Arm des damaligen Barcelona-Trainers  Johan Cruyff, der den La Masia-Absolventen förderte, wo er nur konnte. Heute ist Ballbesitz-Guru Josep Guardiola einer der erfolgreichsten Trainer der Welt, an dem sich etliche Kollegen orientieren. Ob er den Erfolg, den er als Trainer in vier Spielzeiten beim FC Barcelona hatte, auch ohne Messi und Co. wiederholen kann, muss Pep aber noch zeigen.

Verhinderte ein unaussprechlicher isländischer Vulkan die erste Verteidigung des Champions-League-Titels, ganze sieben Jahre, bevor es Real Madrid unter Zinedine Zidane fertigbrachte? Nach dem Triple 2009 galten die Blaugrana dank Spielern wie Regisseur Xavi, Andres Iniesta und dem noch jungen Lionel Messi als klarer Favorit auf die Titelverteidigung im Königspokal. Torjäger Samuel Eto’o, im Finale 2009 noch Torschütze gegen Manchester United, hatte man vor der Saison an Inter Mailand abgegeben. Ausgerechnet. Vor dem Halbfinale gegen eben jenes Inter, trainiert von José Mourinho, machte Eyjafjallajökull den Reiseplänen der Katalanen einen Strich durch die Rechnung. Eine Aschewolke machte einen Flug unmöglich, die etwa 1000 Kilometer lange Busreise soll einen halben Tag gedauert haben. Das Ergebnis ist bekannt. 3:1 gewann Inter im Hinspiel, im Rückspiel ermauerten die Lombarden ein 0:1, obwohl sie eine Stunde in Unterzahl agierten. Ein Vulkan spielte womöglich eine Rolle beim Ausscheiden, genau wie Samuel Eto’o. Aber mit Sicherheit auch die Trainer. Der eine wollte spielen, der andere gewinnen.

Mourinhos Triumph war Peps Scheitern. Barcelona hatte in diesem Spiel im Camp Nou 86,4 Prozent Ballbesitz, 93,6 Prozent aller Pässe kamen beim Mitspieler an (Statistiken laut Sky Sports). Zahlen, die Pep entzücken mussten. Aber Barcelona brauchte Tore, keinen Ballbesitz.

Pep sollte die Champions League 2011 erneut gewinnen, insgesamt holte er in vier Spielzeiten als Trainer bei seinem Heimatverein satte 14 Titel. Peps Barcelona gilt vielen als beste Vereinsmannschaft mindestens der letzten Jahrzehnte. Und dennoch muss die Frage erlaubt sein: Wäre noch mehr möglich gewesen mit einem etwas weniger dogmatischen Trainer? Zugegeben, er hatte Lionel Messi als “falsche Neun” zum vielleicht besten Spieler aller Zeiten gemacht und Gegner dank unzähliger Passstaffetten erst müde und dann schwindelig spielen lassen.

Guardiola – Passen um des Passens willen?

Peps Barcelona legte so viel Wert auf Kontrolle, dass zeitweise fast jede Ecke kurz ausgeführt wurde. In seinen besten Momenten war dieses Barcelona eine perfekt abgestimmte Maschine, die Gegner mit Leichtigkeit überrollte. Manchmal aber, wie schon 2010 gegen Inter Mailand und vor allem in der Saison 2011/2012, wirkte Barcelona wie eine Karikatur des Ballbesitz-Fußballs. Passen um des Passens willen, viel Spielkontrolle ist noch nicht genug. Trotz eines enttäuschenden vierten Jahres: Pep galt als Wundertrainer, als er sich nach vier Spielzeiten und 14 Titeln eine einjährige Auszeit in New York gönnte.

Waren seine anschließenden drei Jahre in München ein Erfolg? Der deutsche Abo-Meister hatte Pep nicht geholt, um die Schale zu verteidigen. Man wollte den europäischen Titel. Den holte Jupp Heynckes prompt 2013, aber sein Nachfolger scheiterte dreimal im Halbfinale.

Vom deutschen Serienmeister zum englischen Krösus. Dort legte der Katalane in seiner ersten Saison eine Bauchlandung hin. Ein Jahr ohne Titel? Das war nicht sein Anspruch, und auch nicht der des schwerreichen Vereins. Doch dieses Jahr läuft es. Die Liga hat Pep fast schon in der Tasche. Auch dank des nötigen Kleingelds, dass Pep für Verstärkungen zur Verfügung gestellt bekam. Bei Manchester City kann sich Pep finanziell austoben, er kann Verteidiger zu Stürmerpreisen kaufen und hat das Team, seit er es im Sommer 2016 übernahm, schon ordentlich umgekrempelt – mehr als 450 Millionen Euro flossen seit Sommer 2016 in neue Akteure. Von den 13 Spielern, die am vergangenen Wochenende bei der ersten Saison-Niederlage gegen den FC Liverpool zum Einsatz kamen, holte Pep sieben. Vier weitere kamen im Jahr zuvor. Citys Idenfikationsfiguren sind der Argentinier Sergio Agüero und der Spanier David Silva.

Vielleicht am entscheidendsten für den Erfolg in der Premier League in diesem Jahr: Er hat in Keeper Ederson einen mitspielenden Schlussmann, der nach dem Vorbild des FC Barcelona den gepflegten Pass in den Fuß des Kollegen einem Abschlag ins Nirgendwo vorziehen soll. Claudio Bravo, den Pep im Jahr zuvor von Barelona loseiste, hätte diese Rolle im vergangenen Jahr übernehmen sollen, machte aber überhaupt keine gute Figur und wärmt jetzt die Bank.

Sieg in der Champions League ohne Messi & Co?

Wie bei Bayern soll Pep Man City vor allem den internationalen Erfolg bringen. Geht es nach den Buchmachern, gehen die Sky Blues als Favorit in die K.O.-Spiele der Champions League. Dank eines sündteuren Kaders, der in dieser Saison national wie international gut funktioniert und die meisten Reifeprüfungen mit Bravour bestanden hat. Und dank eines Coaches, der weltweit bewundert wird. Aber mehr denn je zuvor ist Pep unter Druck. Nachdem die Premier League schon so gut wie eingetütet ist, kann er sich in der Rückrunde verstärkt auf die europäische Bühne konzentrieren.

Peps Idee von Fußball ändert sich nicht. Dank vieler Pässe den Gegner laufen lassen, müde spielen, selbst Sicherheit gewinnen. Tore für City fallen häufiger in der zweiten Halbzeit. Keine Niederlage, sei sie gegen den Erzrivalen Mourinho oder seinen deutschen Quälgeist Jürgen Klopp, der City am vergangenen Wochenende die erste Pleite der Saison beibrachte, wird Guardiola am Ballbesitzfußball zweifeln lassen. Dieser Stil, Cruyffs Idee und längst seine eigene, hat ihm große Erfolge als Spieler und Trainer gebracht. Er hat den europäischen Fußball der vergangenen Jahre geprägt wie kaum ein anderer.

Aber nachdem sein Image als Dauergewinner im vergangenen Jahr erste Kratzer erhalten hat, liegt es jetzt am 47-Jährigen, in den kommenden Spielzeiten die Fragen zu beantworten, die sich viele Fußball-Fans mittlerweile stellen: Das legendäre Barcelona – war das Peps Mannschaft? Oder doch eher jene von Xavi, Messi, Iniesta? Kann er sich bei einem zweiten Verein unsterblich machen oder schrumpft er in England vom bewunderten Über-Trainer zu einem (nur noch) sehr guten Coach, der das Glück hat(te), immer die beste oder teuerste Mannschaft betreuen zu dürfen?