Coentrão
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Zum 30. Geburtstag: Ein Blick auf die Karriere von Fábio Coentrão

Fábio Coentrão feiert heute seinen 30. Geburtstag. All seine Erfahrungen und das Alter hindern ihn nicht daran, gelegentlich seinem heißblütigen Gemüt Freilauf zu gewähren. Erst letzte Woche beim Topspiel in Porto lieferte er sich an der Außenlinie eine Rangelei um den Ball mit einem Ersthelfer. Wir nehmen seinen Jubeltag zum Anlass, einen Blick auf den hitzköpfigen Außenverteidiger zu werfen, dessen Zukunft noch ungewiss ist.

In der kleinen Küstenstadt Vila do Conde, welche gut 30 km nördlich von Porto liegt, machte Fábio Coentrão seine ersten fußballerischen Gehversuche. Vom dort ansässigen Erstligisten FC Rio Ave ging er zum portugiesischen Spitzenklub Benfica Lissabon. Im Jahr 2011 wurde er dann für 30 Millionen Euro nach Madrid geholt, wo er noch heute unter Vertrag steht. Langfristig konnte er sich nicht durchsetzen und hatte mit Verletzungspech zu kämpfen. „In Madrid begann ich zu denken, dass ich vergessen habe Fußball zu spielen“, sagte der Blondschopf diese Woche in einem Interview mit der Marca. In seiner Heimat konnte er nun seine Leistungen wieder festigen.

Coentrão liebäugelt mit Verbleib in Lissabon

Aktuell spielt Coentrão in der Liga NOS für Sporting Lissabon. Dorthin ist er bis zum Sommer verliehen. Nach seinem Intermezzo beim AS Monaco ist es bereits die zweite Leihe, seitdem er bei den Königlichen ist. Im Benabéu hat er kaum eine Zukunft. Mit Marcelo ist auf seiner Position der womöglich beste Außenverteidiger der Welt gesetzt und Theo Hernández wurde erst im vergangenen Sommer als Backup verpflichtet. Am Tejo-Ufer hat er mehr Chancen auf Spielpraxis und er fühlt sich wohl in seiner Heimat. Deshalb hat er bereits signalisiert, über das Leihgeschäft hinaus bei Sporting bleiben zu wollen.

Der Spieler müsste dafür allerdings finanzielle Abstriche in Kauf nehmen, um sich diesen Wunsch zu ermöglichen. Aufgrund schlechter Aussichten in Madrid, dennoch die für ihn beste Lösung. „Ich habe einen Vertrag mit Real bis 2019 und sollten sie wieder auf mich zählen, ist alles perfekt. Wenn nicht, werde ich weiter meinen Weg gehen“, lies der Linksfuß bereits während der letzten Saison Einblicke in seine Gefühlswelt zu. Die Situation bei Real dürfte sich seit jeher kaum verbessert haben, weshalb die Zeichen auf Abschied stehen.

Unüberlegte Aktion lässt Rivalität aufkochen

Coentrão ist ein Heißsporn, welcher gelegentlich durch unüberlegte Aktionen aufzufallen weiß. Allein in den paar Monaten bei Sporting hat er bereits einen Mitspieler auf dem Spielfeld attackiert, die Ersatzbank zerschlagen oder eben eine Rauferei mit einem Sanitäter angezettelt. Ebenso pikant: Im Sommer 2017 verbreitete sich ein Bild mit ihm und zwei Sporting-Fans in den sozialen Medien, welches den Linksverteidiger mit einem Schal zeigt, der die Aufschrift „Benfica ist Scheiße“ trägt.

Besonders irritierend ist diese Aktion vor dem Hintergrund, dass er stets Benfica als seinen Herzensverein titulierte. „Ich liebe Benfica“, wurde er damals zitiert und bestätigte zu Madrider Zeiten den Wunsch, eines Tages zu den Adlern zurückkehren zu wollen. Sein jetziges Engagement beim Stadtrivalen ist für ihn kein Problem: Nach seiner Ankunft bei den Löwen bezeugte er, dass er seitdem er klein ist für Sporting sei. Er fühle sich dort zu Hause und würde seine Seele für den Verein geben. Angesichts der Rivalität von Benfica und Sporting ein paradoxer Sinneswandel beim Mann mit den blonden Strähnen.

Wankelmütig, charakterschwach oder nur ein großes Kind?

Ihm soll nun allerdings nicht unterstellt werden, er sei einer dieser „Wappenküsser“, welcher beim nächstbesten Angebot die Seiten wechselt. Wir sehen einen Fußballer, der stets die Farben seines Trikots verteidigt und alles für den Klub gibt. Begangene Fehltritte zeugen von seinem Temperament, die Trauer nach bitteren Niederlagen von seinem Ehrgeiz. „Ich bin ein Mann und keine Maschine“, verteidigte er einst seine Tränen nach einer Auswechslung. Coentrão ist mit Leib und Seele dabei, egal für welchen Klub. Das ehrt ihn.

In ihm steckt lediglich das Wesen eines großen Kindes. Mannschaftskameraden in Madrid können das bestätigen: Unter José Mourinho nahm er einst auf der Ersatzbank der Königlichen Platz, obwohl er nicht einmal im Kader stand. Nach anfänglicher Verwunderung mussten ihn seine Kollegen darauf aufmerksam machen, dass sein Platz auf der Tribüne ist. Ein Exempel seines jugendlichen Leichtsinns.

Das kindliche Wesen hat er sich bis zu seinem 30. Geburtstag bewahren können. Damit ist er auf seine besondere Weise ein Vorbild für unsere Gesellschaft und das raue Fußballgeschäft. Dafür feiern wir ihn an seinem Ehrentag. Parabéns para você – Fábio Coentrão – bleib so wie du bist!