Redondo
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Fernando Redondo – Der Stratege mit dem Engelshaar

Mit Fernando Redondo feiert einer der größten Strategen des defensiven Mittelfelds der 90er Jahre und der frühen 2000er heute seinen 48. Geburtstag. Chefutbol.com zieht ein kleines Resumée und schaut auf die Karriere eines eleganten Fußballers, dessen langes Haar zu einem Markenzeichen wurde. In seiner Nationalmannschaftskarriere stand ihm dieses Erkennungsmerkmal jedoch auch im Wege.

Fernando Carlos Redondo Neri wird als einer der besten „Sechser“ seiner Generation gesehen. Er vereint Ballkontrolle, Übersicht, präzises Passspiel mit kämpferischen Elementen wie Tacklings oder auch Stellungsspiel. Obwohl er selbst keine Tormaschine gewesen ist, war er für das Offensivspiel wertvoll und vor der Abwehr ein wichtiges Bindeglied der Mannschaftsteile. Ein Allrounder, den jeder Trainer gerne in seiner Mannschaft hat. Leider konnte Redondo an seinem Karriereabend nicht mehr auf seinen Körper zählen, dennoch hat er fast jeden großen Titel im Vereinsfußball gewonnen.

Steiler Karrierestart

Redondo ist in Buenos Aires geboren, in einem Vorort der Metropole lernte er das Fußballspielen. Nachdem er mit der U17-Nationalmannschaft Südamerikameister geworden war, wurde er bei den Argentinos Juniors zum Profi und seine Karriere kam schnell in Schwung. Im zarten Alter von 16 Jahren debütierte „el Principe“, wie er von seinen Fans genannt wurde, in Argentiniens höchster Spielklasse. Bei den Juniors agierte er insgesamt fünf Jahre auf dem Spielfeld, zwischen 1985 und 1990. Er spielte sich in die Herzen der Fans und wurde auch im Ausland bemerkt. Mit Anfang 20 wagte er den Sprung nach Spanien.

Seine erste Station in der Primera Division unternahm Redondo auf der Urlaubsinsel Teneriffa. Der Trainer bei CD Teneriffa war Landsmann Jorge Valdano, der seines Zeichens bis 1987 das Trikot der Königlichen trug. Die sportlich relativ erfolgreichen vier Jahre des argentinischen Duos auf Teneriffa blieben auch von der Konkurrenz in Spanien nicht unbemerkt. So verpflichtete Real Madrid für 5 Mio US-Dollar den argentinischen Strategen. Auch Valdano zog es in diesem Jahr zurück in die spanische Hauptstadt. Im ersten Jahr bei Real holten die beiden auf Anhieb die spanische Meisterschaft. Es war sein erster von vielen großen Titeln im Vereinsfußball. Auch als Valdano als Trainer ging, blieb Redondo eine feste Größe bei Real Madrid.

„The backheel of Old Trafford“

Bei den Königlichen angekommen, begann „el Principe“ allmählich zum Titelsammler zu avancieren. Insgesamt holte er bei den „Blancos“ zwei spanische Meisterschaften sowie zwei Championsleaguetitel. In der Saison 1999/2000 zeigte er beim Viertelfinalspiel gegen United sein ganzes Geschick, tunnelte seinen Gegenspieler mit der Hacke und bewies mit einem Querpass seine Übersicht und lud seinen Mitspieler Raúl gekonnt ein, den Ball über die Linie zu schieben. Im englischen Sprachgebrauch ist seitdem „the backheel of Old Trafford“ fest mit Fernando Redondo verbunden. Sir Alex Ferguson spekulierte im Anschluss an dieses Spiel über Magneten in Redondos Schuhen.

Im selben Jahr war neben seinem zweiten Sieg in der Championsleague auch der Titel als bester Spieler des Wettbewerbs der verdiente Lohn. Zu diesem Zeitpunkt stand der Argentinier, dessen langes Haar zu einem Markenzeichen wurde, wohl auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Dass er trotzdem für 17,5 Mio. € nach dieser Saison zum AC Mailand transferiert wurde, konnten viele Anhänger in Spaniens Metropole nicht verstehen. Der Wechsel löste sogar Ausschreitungen in Madrid aus. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, dass Redondo´s beste Zeit gerade abgelaufen war.

Verletzungen verhindern Größeres

In Italien wurde er noch vor seinem ersten Spiel durch Knieverletzungen ausgebremst. Große Aufmerksamkeit erhielt er für sein Statement, dass er bis zu seinem Comeback kein Gehalt von der Rossoneri beziehen wolle. Zu seiner Premiere im Rot-Schwarzen Dress kam Redondo schließlich erst im Dezember 2002, über zwei Jahre nach seinem Wechsel zu Milan. Auch wenn er eine lange Leidenszeit hatte, wurde er zumindest mit weiteren Titeln für seine Sammlung entschädigt. In Italien gewann er je einmal die Meisterschaft und den Pokal. Zudem konnte er sich zum dritten Mal in seiner Karriere die europäische Krone aufsetzen. Dem Spiel seiner Mannschaft hatte er jedoch nicht mehr so seinen Stempel aufgedrückt, wie einst in Madrid. Redondo kam nur noch auf eine überschaubare Anzahl an Einsätzen.

Nach vier Jahren in Mailand machte Fernando Redondo Schluss mit dem Fußball. Die Verletzungsprobleme waren zu groß geworden, um weiterhin auf höchster Ebene spielen zu können. Bei der Rossoneri kam Redondo lediglich auf 16 Einsätze in der Serie A. Er hatte kein Karriereende, wie man es einem großen Athleten wünscht. Redondo war sich selbst jedoch immer treu geblieben und erreichte stets seine gesteckten Ziele. In seiner Verletzungspause sagte er, er wolle nicht sterben, ohne jemals das Trikot vom AC Mailand getragen zu haben. Er arbeitete hart an seiner Rückkehr auf das Spielfeld und hatte Erfolg. Auch wenn es nur jeweils acht Ligaspiele in seinen letzten beiden Jahren gewesen sind, hat er es geschafft und konnte mit sich selbst im Reinen sein, als er die Fußballschuhe endgültig an den Nagel hängte.

Redondo und die Albiceleste

Im Vergleich zu seinem Erfolg auf Vereinsebene, sind Redondos Versuche in der Nationalmannschaft eher von bescheidenem Ertrag gekrönt. Und das, obwohl er 1992 den Confed-Cup gewinnen konnte und ein Jahr später in der Copa América triumphierte. Bei seiner einzigen Teilnahme an einer WM-Endrunde, 1994 in den USA, schied Redondo mit seinem Team bereits im Achtelfinale aus. 1990 sagte er offiziell seine Teilnahme ab, weil er sein Studium nicht unterbrechen wollte. Inoffiziell munkelte man, dass Fernando Redondo mit der Defensivtaktik seines Trainers nicht einverstanden war. Bei der WM in Frankreich, acht Jahre später, wurde Redondo vor dem Turnier aus der Mannschaft geworfen. Als Grund dafür gilt sein langes Haar, welches der Trainer nicht akzeptierte. Der Nationaltrainer selbst begründete jedoch seine Entscheidung mit Differenzen über Redondo´s Rolle im argentinischen Mittelfeld.

Redondo wurde zwar später unter Coach Bielsa in die Nationalmannschaft zurückberufen, machte aber lediglich nur noch drei Partien im Jahr 1999. Im Anschluss verkündete Redondo sein Ende in der Albiceleste, um sich auf seinen Verein Real Madrid konzentrieren zu können. So kam er auf lediglich 29 Einsätze für sein Heimatland und erzielte dabei einen Treffer für die stolze Fußballnation. Für einen Spieler seiner Klasse ist es dennoch verwunderlich, dass er so wenige Spiele für die Landesauswahl bestritten hat. Sein Erfolg auf Vereinsebene spiegelt da schon eher sein Talent und sportliches Leistungsvermögen wider. Heute, an seinem Geburtstag darf er sich feiern lassen und auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Alles Gute Fernando Carlos Redondo Neri!