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Santiago Bernabéu: Der Vater des Erfolgs von Real Madrid

Die Historie von Real Madrid scheint endlos zu sein. Unzählige Titel wurden gesammelt – ebenso viele wie glorreiche Spieler für die Königlichen ihre Schuhe schnürten. Ein Mann sticht dennoch bei allen denkwürdigen Momenten heraus. Ohne ihn gäbe es den Klub Real Madrid womöglich heute gar nicht mehr: Santiago Bernabéu Yeste. Wir blicken in großer Dankbarkeit auf dessen Schaffenszeit zurück.

1895 in der Provinz Albacete geboren, zog Bernabéu bereits als kleines Kind mit seinen Eltern in die spanische Hauptstadt. Als Teenager tritt er der Jugend vom Madrid Football Club, wie der Verein damals noch bezeichnet wurde, bei und feiert 1912 sein Debüt bei den Herren. Den größten Erfolg als aktiver Fußballer feiert er 1917 durch den Gewinn der Copa del Rey. Insgesamt sollte Bernabéu 69 Treffer in 79 Spielen für die Blancos erzielen – eine enorm gute Quote, aber noch nichts im Verhältnis zu den Leistungen, die er im Anschluss für den Verein erbringen sollte.

„Was die Franco-Diktatur getan hat war uns auszunutzen und sie haben uns niemals auch nur fünf Cent gegeben“

Noch neben seiner fußballerischen Laufbahn schließt Santiago Bernabéu erfolgreich das Jurastudium ab und erhält die Zulassung als Rechtsanwalt. Nach seiner aktiven Zeit bleibt er zunächst als Sekretär der Junta Directiva dem Verein treu. Diese Tätigkeit findet ihr abruptes Ende nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges, Bernabéu flüchtet ins Exil nach Frankreich. Als er wieder zurückkehrt liegt sein geliebter Verein in Trümmern. Hier hätte die Geschichte von Real Madrid bereits enden können, bevor sie richtig begonnen hatte – dank Bernabéu tat sie das nicht.

Der Sportfunktionär akquirierte ehemalige Spieler und Funktionäre, um sich an den Wiederaufbau des Stadions und der Vereinsliegenschaften zu machen. Auf Fördergelder vom Staat konnte Bernabéu allerdings nicht zählen. Das zwischenzeitlich in Atlético Aviación umbenannte Atlético Madrid hatte nach dem Krieg die sportliche Vormachtstellung in der spanischen Hauptstadt eingenommen und lag deshalb in der Gunst des Diktators. Auch deshalb setzte sich Bernabéu vehement gegen jegliche Vorwürfe, Real sei ein Régime-Klub, zur Wehr. Und aller Hürden zum Trotz gelang es ihm, den Spielbetrieb bei den Blancos aufrecht zu erhalten.

Zum Präsidenten des Vereins avancierte Bernabéu dann 1943 eher durch ein Kuriosum: Nach einem Clásico gab es zwischen den beiden Fanlagern derartige Ausschreitungen, dass die Regierung die jeweiligen Präsidenten zur Amtsaufgabe gezwungen hatte. Aufgrund vorangegangener Verdienste wurde er zum Legitimen Nachfolger und behielt sein Amt bis zu seinem Tode inne, auch wenn er seine Aufgaben schon vorher weitergereicht hatte. In seiner 35-jährigen Amtszeit sicherten sich die Königliche 71 Trophäen.

„Dieser Argentinier muss in Madrid spielen“

Die Ziele des neuen Präsidenten waren klar definiert: Er wollte den größten Klub der Welt schaffen. Dazu brauchte er ein neues Stadion, um die besten Spieler der Welt finanzieren zu können. Nebenbei forcierte er die Reorganisation sämtlicher Vereinsstrukturen und trieb die Professionalisierung auf allen Ebenen voran – und die Arbeit trug ihre Früchte. Nicht nur im Fußball, auch andere Abteilungen, unter anderem Basketball, strichen nationale sowie internationale Erfolge ein.

1947 wurde das Nuevo Estadio Chamartín eingeweiht und schon acht Jahre später in seinen heutigen Namen Estádio Santiago Bernabéu umgetauft. Der Jurist hatte sich schon zu Lebzeiten sein Denkmal gebaut und manifestierte seinen Mythos durch die glorreichen Erfolge mit der Mannschaft um Alfredo di Stéfano, seinem ganz persönlichen Transfercoup: „Ich will diesen Spieler, koste es was es wolle, dieser Argentinier muss in Madrid spielen“, hatte der Visionär um die Wichtigkeit des „blonden Pfeils“ gewusst.

Hinterlassenschaften von Don Bernabéu bleiben bis heute

Am 02. Juni 1978 verstarb der Mann, dem der Verein mehr zu verdanken hat, als jedem Spieler. Don Bernabéu ist der Grundvater des „Mythos Real Madrid“. Er war ein Visionär in seinem Amt und konnte jede Hürde und jeden Wiederstand überwinden, dem 1977 diagnostiziertem Krebsleiden stand er letztlich machtlos gegenüber. Was bleibt ist „sein“ altehrwürdiges Stadion und die von ihm propagierte Klubphilosophie, die bis heute gelebt wird und den Madridismo so besonders macht.

„Das Trikot von Real Madrid ist weiß, es kann mit Schlamm, Schweiß oder sogar Blut beschmutzt sein, aber niemals mit Schande“