Zidane
Twitter / @realmadrid (official)

Ist Zidane noch der Richtige?

Real Madrid steckt in einer schweren Krise. Die weitere Niederlage im Heimspiel gegen Villareal hat nun auch dem größten Optimisten den Traum von der Meisterschaft geraubt. Sitzt der Trainer noch fest im Sessel oder ist die kürzlich vorgenommene Vertragsverlängerung nur eine propagierte Außendarstellung der Königlichen?

Es war ca. 18.00 Uhr im Estadio Santiago Bernabéu, als der Abpfiff ertönte. Für die Fans, Spieler und Verantwortlichen Reals muss es ein schriller Pfiff gewesen sein. Das lassen zumindest die konsternierten Gesichter der Spieler vermuten, welche gerade einen weiteren Rückschlag in La Liga wegstecken mussten. Nicht der Erste in dieser Spielzeit. Die Meisterschaft ist definitiv futsch, das ist mittlerweile jedem klar. Die 0:1 Heimniederlage verschärft nun das aktuelle Schlamassel, in dem sich die Mannschaft aktuell befindet.

Das gelbe U-Boot ist keine Laufkundschaft der spanischen Eliteklasse. Einen Kantersieg zu erwarten, wäre auch vermessen. Allerdings ist es ein Sinnbild der aktuell doch so misslichen Situation, in welcher sich Real Madrid befindet. Es ist die erste Heimniederlage in der Geschichte von Real Madrid gegen das Team aus der 50.000 Einwohner-Stadt aus der Nähe Valencia´s. Die Mannschaft von Villareal war zwar deutlich unterlegen, nach 90 Minuten hatten sie allerdings drei Punkte mehr auf dem Konto. Jetzt ist das gelbe U-Boot auch in der Tabelle nur noch einen Punkt hinter den Königlichen. Die Luft für Zidane wird langsam dünner.

Der Druck steigt für Zidane

Der Trainer kennzeichnet sich selbst verantwortlich für die aktuelle Misere. Noch hat er einen Puffer und erfährt Rückhalt aus den eigenen Reihen. Dafür kann er sich glücklich schätzen, das müsste er eigentlich am besten wissen. Sein Vorgänger Benítez war gefühlt schon angezählt, bevor er das erste Mal seine Mannschaft auf das Spielfeld schickte. Er verbrachte letztlich nicht viel Zeit auf der Trainerbank, welche in der Vergangenheit ohnehin als der Schleudersitz des europäischen Fußballs gegolten hatte. Der Trainer ist häufig das schwächste Glied in der Kette des Profisports. Bei Real handelt es sich aktuell um eine recht brüchige Kette.

Zunächst konnte Zizou den „Schleudersitz Trainerstuhl“ noch stilllegen. Wie lange jener Umstand noch anhält, bleibt allerdings fraglich, zumal die Resultate gegen ihn sprechen. Die bisherige Punkteausbeute ist historisch schlecht, der Erzrivale aus Barcelona längst enteilt. Was Zidane noch am Leben erhält, ist die Aussicht auf Titel im Pokal und Champions League sowie – und das wahrscheinlich noch viel mehr – die Erfolge der vergangenen Jahre und Zidanes Prestige als ehemaliger Weltfußballer. Das ist sein größter Vorteil, gegenüber zuvor erwähnten Rafael Benítez.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zinedine_Zidane_and_Marco_Materazzi_(retouch).jpg?uselang=fr / Photo by Mohan. www.dohastadiumplusqatar.com

Strategische Vertragsverlängerung

Dieser Kredit könnte aber schnell aufgebraucht sein. Die Kritik bezieht sich längst nicht mehr nur auf die überschaubare Punkteausbeute. Die Fitness einiger Spieler wird hinterfragt, die Integration junger Talente gelingt Zidane aktuell nicht. Dani Ceballos, zum Beispiel, kam diesen Sommer als der Nachfolger von Luca Modric in die Hauptstadt. Nun steht seine Rückkehr zu Betis im Raum. In Madrid ist die Geduld ein endliches Gut, das haben auch schon andere Fußballgrößen am eigenen Leib erfahren müssen. Das wird dem Franzosen wohl bewusst sein, er kennt den Verein und die forsche Gangart in den Büros der Verantwortlichen gut genug.

Genau wegen der Talfahrt dieser Saison ist es nun ein wenig verwunderlich, dass in der vergangenen Woche die Vertragsverlängerung des Franzosen bekannt wurde. Zidane ist aktuell das Gesicht des Misserfolgs und Verantwortlich für die Misere. Mit dem neuen Vertrag erhält Zidane nochmal die Rückendeckung, welche er auch braucht, um am Team arbeiten zu können. Auf die einstige Torgarantie Ronaldo ist momentan auch kein Verlass für Zidane. Nach außen hin sitzt er noch fest im Sattel. Schafft der Weltmeister von 1998 allerdings nicht zügig die Kehrtwende, wird das kürzlich geschlossene Vertragsverhältnis zu Schall und Rauch verkommen.

Champions League als Weichenstellung

Ob die Zusammenarbeit bereits enden könnte, wenn Real Madrid im Achtelfinale gegen Paris den Kürzeren ziehen sollte, bleibt abzuwarten – darf aber als wahrscheinlich gelten. In Madrid liegt seit jeher der Fokus auf den Henkelpott. Die erneute Titelverteidigung würde den tabellarischen Absturz in der Liga vergessen machen. Läuft es in der Liga auch so weiter, wird der Triumpf in der Königsklasse sogar zur Notwendigkeit: Hält die aktuelle Misere an, ist die Teilnahme am europäischen Elitewettbewerb in akuter Gefahr.

Sollte nämlich der GAU eintreten und das weiße Ballett gar um die Qualifikation an der Königsklasse bangen müssen, wird Zidane nicht mehr lange ruhig auf der Trainerbank in Madrid Platz nehmen dürfen. Spätestens dann wird aus dem Trainerstuhl wieder ein Schleudersitz. Paris wird der Gegner, bei dem die Weichen gestellt werden. Für Zidane könnte es eine Entscheidung geben, wenn es am 06.03. in die Stadt der Liebe geht. Die besondere Brisanz an dieser Begegnung: Paris ist offenkundig an Zidane´s Trainerdiensten interessiert und könnte durch einen Sieg dessen Entlassung forcieren. Für St. Germain ist es die Gelegenheit, den Weg für den Wunschtrainer zu ebnen. Für die Blancos ist es ein Endspiel, um eine verkorkste Saison zu retten.