Eduardo Silva
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Eduardo Silva-Von der Favela in die Champions League

Eduardo Silva lernte wie viele andere brasilianische Kids das Fußballspielen auf den Straßen und Hinterhöfen der Metropole Rio de Janeiro am Zuckerhut. Zwar schafft es Eduardo Alves da Silva, wie er mit vollem Namen heißt es nie, sich den Traum von der Selecao zu erfüllen, bei der WM 2014 im eigenen Land war der damalige Schachtjor Donezk-Star trotzdessen mit von der Partie. Ein Porträt.

“Joga Bonito” auf dem Balkan

“Joga Bonito” ist das Motto, dass den brasilianischen Straßenfußballern von Geburt an mit in die Wiege gelegt wird. “Spiel schön”. Auch Eduardo Silva, der auf den Bolzplätzen der Favela Vila Kennedy das Kicken lernte, hatte die Philosophie wie ein Mantra verinnerlicht. 1983 geboren, verbrachte er bereits früh einen großen Teil seiner Jugend und Freizeit auf den Fußballplätzen des Viertels und lief auch alsbald für den lokalen Club CBF Nova Kennedy auf. 1998, im Alter von nur 16 Jahren, beobachteten Scouts des kroatischen Erstligisten und Rekordmeisters Dinamo Zagreb einige Auftritte des jungen Stürmers. Seine Qualitäten, nämlich eine hohe Antritts-und Endgeschwindigkeit sowie ein natürlicher Torriecher, imponierten der kroatischen Delegation außerordentlich.

Man machte ihm ein Angebot, Eduardo Silva sagte zu und packte die Koffer und machte sich auf in Richtung Zagreb, wo er nun Teil der Jugendauswahl des Rekordmeisters sein würde.

Nach einer zweijährigen Leihstation bei Bangu Atlético Clube und einem sechsmonatigen Intermezzo bei Croatia Sesvete gehörte er 2002 erstmals dem Profi-Kader des 18-maligen kroatischen Meisters an, bereits ein Jahr später war er aus der Startformation nicht mehr wegzudenken.

Mit seiner immensen Abschlussstärke sowie beeindruckender Agilität und Trickreichtum spielte Eduardo Silva schnell alle Abwehrreihen der höchsten kroatischen Spielklasse schwindelig. Im Spiel von Dinamo war er Dreh-und Angelpunkt, da er trotz seiner Position als linker Stürmer auch die “tiefen” Wege ging und auch gegen den Ball hervorragend arbeitete. Weil er im Jahr 2002 neben der brasilianischen auch die kroatische Staatsbürgerschaft erhielt, dauerte es fortan nicht lange, bis er für Kroatien auch auf internationaler Ebene für Furore sorgte.

Für Dinamo Zagreb, für die er ab März 2007 sogar als Kapitän auf das Feld lief, erzielte Eduardo Silva insgesamt 73 Tore in 100 Spielen, alles andere als eine schlechte Ausbeute. In der kroatischen Nationalmannschaft, in der er 2004 in einem Freundschaftsspiel gegen Irland debütierte, stehen in 62 Spielen 29 Treffer zu Buche, nur Volksheld Davor Suker hatte öfter treffen können für die Vatreni.

Im Sommer 2007 dann war Eduardo Silva endgültig auf der schillernden Bühne des europäischen Spitzenfußballs angekommen. Umgerechnet 13,5 Mio. € ließen sich die Gunners die Dienste des damals 24-Jährigen kosten und holten den Brasilianer mit dem kroatischen Pass ins Emirates Stadium, nachdem er dort zuvor schon in Diensten Dinamo Zagrebs getroffen hatte.

Von London nach Donezk

In seiner ersten Saison im Norden Londons konnte Eduardo Silva direkt zeigen, wieso die Verantwortlichen bei Arsenal derart viel Geld für ihn in die Hand nahmen, in 32 wettbewerbsübergreifenden Spielen kam er auf 13 Tore und zehn Vorlagen, eine formidable Leistung. Und auch den Traum von der Champions League konnte er sich bei den Gunners erfüllen.

Fünf mal kam Eduardo Silva in der Gruppenphase 2007/2008 zum Einsatz und bereits in seiner ersten Partie gegen Sevilla konnte er sein Tordebüt in der Königsklasse feiern. In seiner Karriere lief er insgesamt noch 27 weitere Male in der Champions League auf, acht Tore und eine Vorlage gelangen ihm in diesem Wettbewerb.

Am 27. Spieltag seiner Premierensaison erlangte Eduardo Silva auch über die Grenzen Englands hinaus Berühmtheit, allerdings auf tragische Art und Weise. Durch ein brutales Foul von Birmingham-Gegenspieler Martin Taylor brach Silva sich das Schien- und Wadenbein, die Saison war gelaufen, die Europameisterschaft 2008 ebenso.

Erst im Februar 2009, ein Jahr später, gab er für die Gunners sein Comeback, allerdings gehörte er erst in der darauffolgenden Spielzeit wieder regelmäßiger zum Personal. Nach 27 Saisonspielen mit zwei Toren und sieben Vorlagen endete das Kapitel England nach drei Jahren wieder. Schachtjor Donezk war zuvor mit Arsenal handelseinig geworden und verpflichtete Eduardo Silva für gut sieben Mio. €.

Spitzenleistungen in der Ukraine

In seinen insgesamt sechs Jahren bei Schachtjor Donezk drehte Eduardo Silva nach der schwierigen Zeit bei Arsenal noch einmal so richtig auf. Ganze fünf mal gewann Schachtjor mit ihm das Double aus Meisterschaft und Pokal, eine fantastische Titelausbeute. Dass Eduardo Silva nebenbei mal so eben 58 Tore und 17 Vorlagen in 174 Spielen vorweisen kann, wird bei zehn Trophäen in sechs Jahren fast zur Randnotiz.

Weltmeisterschaft “zuhause” – Eduardo Silva kehrt nach Brasilien zurück

Im Jahr 2014 gehörte Eduardo Silva auch der kroatischen Nationalmannschaft an, die sich für die Weltmeisterschaft in Brasilien qualifiziert hatte. Besser noch, die kroatische Auswahl bestritt sogar das Eröffungsspiel in Sao Paulo gegen die Selecao.

„Ich hätte nie gedacht, dass diese Situation einmal eintreten würde: als Brasilianer eine WM im eigenen Land zu spielen, aber im Trikot einer anderen Auswahl! Und dann treffen wir auch noch im Eröffnungsspiel aufeinander – so viele Zufälle gibt es doch gar nicht!” gab Eduardo Silva im Vorfeld der Partie sichtlich aufgeregt zu verstehen.

Dass er in eben jener Partie nicht zum Einsatz kam, dürfte ihn besonders gewurmt haben, hätte es doch im Alter von 31 Jahren sein Debüt bei einer Weltmeisterschaft bedeutet. Im weiteren Turnierverlauf kam er nur einmal zu einem Kurzeinsatz und beendete seine Karriere in der Nationalmannschaft nach Kroatiens Aus, nachdem es zu diversen Querelen mit Teamkollegen kam.

Im Anschluss an das Turnier gab Eduardo Silva zu verstehen, dass er nicht im Kreise des Teams die Heimreise antreten würde, da er einen Vertrag bei Flamengo unterschrieben hatte und somit zunächst in seiner “alten” Heimat verweilen würde.

Zwar kehrte er im Sommer 2015 noch einmal für zwei Jahre zu Schachtjor zurück, allerdings verließ er Donezk und die Ukraine zu Beginn diesen Jahres auch aufgrund der politischen Situation wieder in Richtung Brasilien, Atlético Paranaense hieß sein neues Ziel.

Der verlorene Sohn kehrt heim

Zwar steht Atlético Paranaense aktuell nur auf dem elften Tabellenplatz der höchsten brasilianischen Spielklasse und hat keine Chancen mehr auf die Qualifikation für die Copa Libertadores, jedoch dürfte das dem mittlerweile 34-jährigen Eduardo Silva nicht allzu sehr die Laune verübeln. Nach einer summa summarum tollen Zeit in Europa und der Teilnahme an der “Heim-WM” kann Eduardo Silva zufrieden auf seine Karriere zurückblicken. Zwar fehlt ihm der ganz große Titel sowohl auf internationaler Ebene als auch mit dem Verein, jedoch konnte er sich den Traum eines jeden brasilianischen Straßenkickers erfüllen. Von der Favela in die Champions League.