Caniggia
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Claudio Caniggia – Der Sohn des Windes

Seine atemberaubende Geschwindigkeit brachte Claudio Caniggia einst seinen Spitznamen „Der Sohn des Windes“ (El hijo del viento) ein. Obwohl der engelsblonde argentinische Außenstürmer auf Vereinsebene vergleichsweise wenig Titel holte, zählt der Wandervogel in Argentinien zu den Großen, und dies nicht nur aufgrund seiner innigen Freundschaft mit Maradona.

Claudio Paul Caniggia kam in der Kleinstadt Henderson, die weniger als 10.000 Einwohner hat, und ca. 400 Km von Buenos Aires entfernt ist, zur Welt. Sie liegt zwar noch nicht ganz in der Provinz La Pampa, doch – ohne sie zu kennen – ist sie wahrscheinlich eine der Städte in der wenig passiert, und in die man, wenn man etwas von der Welt gesehen hat, normalerweise nur zurückehrt um die Familie zu besuchen. Zweifelsfrei ist El Pájaro (Der Vogel) die berühmteste Persönlichkeit die der Ort bisher hervorgebracht hat. Anscheinend war bereits der junge Claudio so schnell, dass er nicht den Wunsch verspürte noch zusätzlich auf einem Pferd zu sitzen, denn sonst wäre er nicht beim lokalen Fußballverein gelandet, sondern hätte sich beim zweiten Verein im Ort angemeldet, bei dem Pato (Argentinischer Nationalsport, dem Pferdepolo ähnlich) gespielt wird. Auch die Anlagen für einen guten Leichtathleten hatte er zweifelsohne, seine spätere 100m-Bestzeit sollte bei 11,2 Sekunden liegen. Seine Schnelligkeit brachte ihm auch seine(n) Spitznamen ein, und auch die Hälfte der Videos auf Youtube mit ihm haben “schnellster Stürmer” (auch wenn es heute wohl Aubameyang sein wird) im Titel stehen. Doch im Vergleich zu einem David Odonkor konnte Caniggia, von dem sowohl Sergio Ramos als auch Ronaldinho sagen, dass er eines ihrer Kindheitsidole war, auch noch Fußball spielen.

Claudio Caniggia war ein sehr vertikaler Spieler, der wie beschrieben unglaublich schnell, und dazu noch effektiv war. Die Meter die er im Antritt an Vorsprung herausholte, gab er nicht mehr her. Der Grund weshalb er keiner der größten der Welt wurde, war wahrscheinlich, dass er nie bei einem europäischen Topklub (bzw. AS Rom und Benfica hatten zu dem Zeitpunkt nicht ihre Glanzzeiten) spielte, und es nie länger als drei Jahre bei einem Verein aushielt.

Vereinskarriere: Vom Winde verweht

Seine ersten Schritte im Profifußball machte der 18-jährige Caniggia bei keinem geringeren als River Plate. Der Beginn seiner Karriere auf Vereinsebene war gleichzeitig auch mit seine erfolgreichste Zeit, denn 1986 durfte er den Sieg in der Meisterschaft, in der Copa Libertadores und im Weltpokal feiern. Jedoch hatte er in diesem Jahr nur eine Jokerrolle inne, und verzeichnete in der Liga nur einen Einsatz von Beginn an. Nach zwei weiteren Saisons bei den Millonarios folgte der Sprung nach Italien, zu Hellas Verona. Nach einer guten Premierensaison mit sieben Toren in 29 Spielen, wechselte er weiter zu Atalanta Bergamo, wo er es rekordverdächtige drei Saisons aushielt, und er zweimal zehn und einmal neun Treffer erzielte (inklusive Tore im Pokal); im Anschluss wechselte er zum AS Rom. In seiner Zeit dort wurde Caniggia des Dopings überführt, was auch ein Grund dafür war, dass er nur eine Saison in der ewigen Stadt blieb. Das “Doping” in seinem Fall war, wie im Falle seines Freundes Maradona (wurde 1991 für 1 Jahr gesperrt) das weiße Pulver namens Kokain, das dummerweise damals schon auf der Liste der leistungssteigernden Substanzen der FIFA stand. Danach gab er ein einjähriges Gastspiel bei Benfica Lissabon, bevor er nach Buenos Aires zurückkehrte. Diesmal jedoch zum großen River-Rivalen, zu Boca Juniors. Dort war er wie in der Nationalmannschaft mit Maradona vereint, und die tiefe Männerfreundschaft äußerte sich, als sich die beiden zur Feier eines Tores im Superclásico auf die Lippen küssten. Die Frau von Caniggia sagte einmal über diese innige Beziehung: „Manchmal glaube ich, dass Diego in meinen Mann verliebt ist. Das muss an den langen Haaren und den Muskeln liegen.“

Nach drei Saisons für Boca zog es den Wandervogel wieder in seine europäische Heimat, nach Bergamo, die inzwischen in der Serie B spielten. Doch nach Streitereien und nur wenigen Einsätzen folgte der Sohn des Windes dem Südwind gen Norden, und landete zur Überraschung der Fußballwelt im schottischen Dundee. Beim dortigen F.C. strafte er alle Kritiker Lügen, die behauptet hatten er wäre nur des Geldes wegen dorthin gewechselt. In seinem Karriereherbst zeigte er eine vorbildliche Einstellung, trainierte bei Schnee und Dauerregen, fand zu guter Form zurück, und machte Tore. Zudem war es bis heute die letzte Saison in der Dundee sowohl Celtic als auch die Rangers bezwingen konnte. Zu letzteren wechselte Caniggia im Anschluss, blieb dort von 2001-2003, und schaffte es dank weiterer starker Leistungen, inklusive Gewinn der Meisterschaft, noch in den WM-Kader für Japan und Südkorea. Dort spielte er keinen einzige Minute, holte sich aber auf der Bank sitzend eine rote Karte ab – Auch ein Leistung. Zu guter Letzt ließ er in Katar die Karriere ausklingen, und sich wie einige andere (Guardiola, Hierro) vor den Karren der dortigen WM-Bewerbung spannen. Im Austausch brachte er vermutlich die finanziellen Schäfchen ins Trockene.

Nationalmannschaftskarriere – Sein Lieblingsverein

Den Großteil seines Ruhmes erlangte Caniggia vor allem durch die Spiele mit der Nationalmannschaft (50 Spiele, 16 Tore), welche zu seiner Zeit unüblicher Weise eher mit “Arbeitern” gespickt war. Dagegen war er derjenige, der Maradona richtig interpretieren konnte, mit ihm harmonierte, und ihn in Szene setzte. Zudem sorgte Caniggia für die Geschwindigkeit im Spiel die Maradona allmählich fehlte. Er gewann mit der Albiceleste die Copa América 1991 in Chile, und 1992 den Vorläufer des Confederations-Cup. Bei der WM 1990 erzielte er im Achtelfinale auf Vorlage von D1OS das goldene Tor gegen den großen Rivalen Brasilien, gegen den man sich schmeichelhaft mit 1:0 durchsetzte. Im Halbfinale gegen Gastgeber Italien traf er zum wichtigen 1:1 Ausgleich, ehe man sich im Elfmeterschießen das Weiterkommen sicherte. Im Finale gegen Deutschland musste er, genauso wie drei weitere Stammspieler, gelbgesperrt zusehen.

Von der WM 1994 wird für immer sein jäh gestoppter Sololauf gegen Nigeria hängenbleiben, das erst vom dritten Gegenspieler, Benjamin Massing, rustikal beendet wurde. Unbeeindruckt davon erzielte er jedoch beide Tore beim 2:1 Sieg. In der Nationalmannschaft fühlte sich Caniggia immer wohler als bei seinen Vereinen und zeigte sich immer von seiner besten Seite, und als kongenialer Partner von Maradona.