Diego Maradona
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Diego Maradonas Zeit in Neapel – Das Genie, das die Massen entzückte

Von 1984 bis 1991 spielte Diego Maradona für den SSC Napoli. Wir beleuchten diese sieben Jahre, in denen das Genie die Massen entzückte.

Manchmal genügen schon pure Zahlen, um die Bedeutung eines Spielers für einen Klub auszudrücken. 188 Spiele machte Maradona für den SSC Napoli in der Serie A, davon 184 von Beginn an. In diesen Spielen erzielte er stolze 81 Tore. Eine unfassbare Quote für einen Mittelfeldspieler, wobei es generell schwierig ist, den Diego Maradona dieser Zeit auf eine Position festzulegen. Wo er spielte, schlug das Herz der neapolitanischen Offensive – und das konnte überall sein.

Sommer 1984 – Ankunft des Messias

Und dennoch wäre es falsch, Maradonas Bedeutung für diesen Verein und die ganze Stadt nur anhand von Statistiken zu bemessen. Als er im Sommer 1984 aus Barcelona nach Süditalien wechselte, trauten die Menschen ihren Augen kaum. Einer der begabtesten Kicker des Planeten sollte ausgerechnet nach Neapel kommen? Einer Stadt, die von Chaos und Armut gezeichnet war und in der erfolgreicher Fußball unmöglich schien? Empfangen wurde Maradona von einer unglaublichen Anzahl an Fans (einige Quellen berichten von über 100.000) im legendären „San Paolo“ Stadion. Die Ablösesumme betrug übrigens rund 13 Millionen Euro. Verglichen mit den heutigen Zahlen eine nahezu winzige Summe, damals jedoch unvorstellbar viel Geld im Fußballbusiness. Eine Bank aus Neapel soll den Transfer vorfinanziert haben.

Große Erfolge Ende der 1980er-Jahre

 Diego Maradona gegen den heutigen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti

Die Saison 1984/85, Maradonas erste im Dress von Napoli, beendete der Klub als achter von 16 Teams und somit im Niemandsland der Tabelle. Maradona machte dennoch mit 17 Toren von sich reden, was zu Platz zwei der Torschützenliste reichte. Die Spielzeit 1985/86 verlief besser, Napoli erreichte nach 30 Spieltagen den dritten Rang und qualifizierte sich für den UEFA-Pokal. 1986/87 gelang schließlich das Unglaubliche: Napoli holte das Double aus italienischer Meisterschaft und Pokal – und Maradona avancierte endgültig zum Held aller Neapolitaner. Diego wurde zum Goldjungen – „El Pibe d‘Oro“. Dass im großen Fußballzirkus rund um den kleinen Ballzauberer auch immer die Mafia ihre Hand aufhielt und fleißig Geschäfte machte, interessierte zunächst keinen. Hauptsache, die Resultate stimmten. Maradona stand sinnbildlich für den wahr gewordenen Traum, dass es auch die vermeintlichen Verlierer zu etwas bringen können und in der Lage sind, das Establishment aufzumischen. Durch sein Spiel gab er einer Stadt wie Neapel neuen Mut und Selbstwertgefühl. Menschen errichteten in den Straßen Maradona-Schreine, jedes Kind trug sein Trikot.

UEFA-Pokal-Triumph 1989

Die Erfolge beschränkten sich bald nicht mehr auf Italien, sondern weiteten sich auf Europa aus. 1988/89 gewann Napoli den UEFA-Pokal im Finale gegen den VfB Stuttgart. Damals wurde das Finale noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Das erste Spiel gewann Napoli vor über 80.000 Zuschauern im Hexenkessel San Paolo mit 2:1 – Diego Maradona schoss den Ausgleich per Handelfmeter. Im Rückspiel reichte den Süditalienern also schon ein Remis zum Titelgewinn. Napoli ging die Sache betont gelassen an. Legendär ist Maradonas individuelles Warmup vor dem Spiel, als er zu den Klängen von „Live is life“ alleine mit dem Ball jonglierte. Die unkonventionelle Vorbereitung glückte, Napoli erreichte ein 3:3 und sicherte sich den Titel.

Diego Maradona: Das Lebens eines Königs

Zu behaupten, Maradona lebte in Neapel wie ein König, wäre vielleicht sogar untertrieben. Das erste von acht Kindern aus den Armenvierteln von Buenos Aires genoss die Verehrung des Vereins und der Tifosi in vollen Zügen. Bis heute bekannt ist das Lied „Mamma, ho visto Maradona“ („Mama, ich habe Maradona gesehen“).

Seine Gefolgschaft bestand aus einer Vielzahl an Beratern, Verwandten und sonstigen Vertrauten, mit denen er sich praktisch nonstop umgab. Schon seit seiner Ankunft hielten sich zudem Gerüchte, Maradona pflege gerne Umgang mit Mafiosi und anderen zwielichtigen Gestalten. Das störte erst niemanden, doch nach und nach drangen immer mehr Fotos an die Öffentlichkeit.

Eskapaden abseits des Platzes

Maradona selbst verlagerte seinen Schwerpunkt immer mehr außerhalb des Trainingsplatzes, ließ einzelne Tage sogar ganz sausen, und fröhnte stattdessen lieber dem Nachtleben. Er umgab sich mit windigen Mafiosi und Prostituierten, legte an Gewicht zu. Schnell wurde klar, dass der geniale Fußballer Maradona wohl auch ein ernstes Drogenproblem mit sich herum schleppte. Nach dem letzten Meistertitel 1990 und der WM in Italien, bei der Maradonas Argentinier das Finale gegen Deutschland verloren, setzte sein Niedergang endgültig ein. 1991 verließ Maradona fluchtartig das Land, spielte ein Jahr keinen Fußball und heuerte im Sommer 1992 beim FC Sevilla an.

Es war das unrühmliche Ende einer spektakulären Zeit in Neapel. Diejenigen, die dabei waren, erzählen noch heute davon. Und die Tifosi in Neapel werden ihn niemals vergessen. Die aktuell durchaus erfolgreiche Phase des SSC mit Vizemeisterschaft und Champions League-Teilnahme erinnert viele an die goldenen Zeiten mit Maradaona.