Batistuta
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Gnadenloser Vollstrecker, gefeierter Volksheld – Gabriel Batistuta

Kaum ein Stürmer in der Geschichte des Weltfußballs war mit solch einer Stärke im Abschluss gesegnet wie der Argentinier Gabriel Omar Batistuta. Egal ob mit seinem wuchtigen Rechtsschuss, mit links oder per Kopf – Batistuta traf meistens, wie er wollte. Ein Porträt eines legendären „Neuners“.

Gabriel Omar Batistuta kam mit etwa 16 Jahren zum Fußball. Dem blonden Angreifer verpassten sie bei den Newell’s Old Boys den Spitznamen „Gringo“. Unter Kulttrainer Marcelo Bielsa lernte Batistuta Ende der Achtziger in der ersten Mannschaft den Profifußball kennen. Dort hielt es ihn jedoch nur eine Saison, denn längst waren die großen Klubs des Landes auf ihn aufmerksam geworden. Nach einer Saison bei River Plate (1989/90) zog es ihn weiter zu den Boca Juniors.

Legendenstatus in Florenz

Seine erfolgreichste Zeit erlebte der Stürmer dann beim AC Florenz, zu dem er 1991 wechselte. Seine Anfangszeit in der Stadt war jedoch alles andere als einfach. Er hatte Probleme bei der Eingewöhnung und geriet mit Mitspielern wie Carlos Dunga und Massimo Orlando aneinander. Mit der Zeit fühlte sich „Batigol“ jedoch immer wohler in Florenz, was sich letztendlich auch in den Statistiken widerspiegelte: In seinen neun Saisons in der Toskana traf er immer mindestens zweistellig, insgesamt erzielte er allein in der Liga 168 Tore in 269 Spielen, bevorzugt mit seinem mächtigen Rechtsschuss. Zu jener Zeit war kein Strafraum der Serie A vor dem Argentinier mit dem wehenden Haar sicher. Mit Florenz gewann Batistuta insgesamt zwei Trophäen: den italienischen Pokal in der Saison 1995/96 sowie den Supercup im Sommer 1996. Die Verehrung der Fiorentina-Fans kannte folgerichtig keine Grenzen. Der Kult um seine Person gipfelte im November 1995, als Fans ihm zu Ehren eine Bronzestatue errichteten und sie vor dem Spiel der Fiorentina gegen Lazio präsentierten. Sie zeigt Batistuta, den Torschützenkönig der Serie A 1995, in typischer Jubelhaltung an der Eckfahne.

 Batistuta holte 1996 den italienischen Pokal mit Florenz

Torjubel als Markenzeichen

Denn mindestens genauso interessant wie seine Tore waren für viele Fans Batistutas Jubeleinlagen nach seinen Treffern. In seiner Anfangszeit in Argentinien bei den Boca Juniors suchte er nach Treffern bei Heimspielen die Fankurve auf und stieg nicht selten auf die Fangzäune, um mit den Fans zu jubeln. In Florenz etablierte er zunächst eine Jubel-Pose, bei der er nach Toren zur Eckfahne lief, die mit einer Hand umschlang und sich dort in Pose brachte. In seiner späteren Zeit in Florenz war er dann vor allem für den „Maschinengewehr-Jubel“ berüchtigt, den er bis zu seiner Zeit bei der Roma beibehielt. Im Jahr 2000 jedoch, als er im Trikot seines neuen Vereins AS Rom gegen den AC Florenz traf, jubelte Batistuta nicht – sondern weinte. Ein Zeichen der Verbundenheit zu seiner großen, alten Liebe Florenz.

Die Weltmeisterschaften – Batistutas Bühne

 Gabriel Batistuta 1994 bei der WM in den USA im Spiel gegen Nigeria (2:1 für Argentinien)

Besonders wohl fühlte sich Batistuta auf internationalem Parkett. Dort traf er nicht nur regelmäßig für Florenz oder die Roma in den internationalen Spielen. In Erinnerung bleibt er vielen Fußballfans weltweit vor allem wegen seiner Auftritte bei den WM-Endrunden 1994, 1998 und 2002. Seine drei Tore gegen Griechenland bei der WM 1994 in den USA machten ihn im Juni 1994 schlagartig auf dem Globus bekannt. Insgesamt erzielte „Batigol“ 10 Tore in 12 Spielen bei Weltmeisterschaften. Der ganz große Wurf blieb ihm im Nationaldress verwehrt. 1994 war im Achtelfinale Endstation, 1998 im Viertelfinale, 2002 sogar in der Vorrunde. Dafür holte er mit der „Albiceleste“ 1991 sowie 1993 den Sieg bei der Copa America und 1992 den Confed Cup.

Abgang in Florenz – Scudetto mit der Roma

 Batistuta im Trikot der Roma mit Vincenzo Montella

Der Sommer 2000 stellte einen Wendepunkt in Batistutas Karriere dar. Er verließ seine große Liebe Florenz und heuerte beim AS Rom an, dem seit langer Zeit erfolglosen Hauptstadtklub. Die Fans des AS klammerten sich wie einen Strohhalm an die Verpflichtung des Weltstars. Schließlich mussten sie gerade erst mitansehen, wie sich Stadtrivale Lazio im Mai 2000 sensationell den Meistertitel schnappte. Die anschließende Saison 2000/01 sollte jedoch zum Triumphzug werden. Der AS Rom gewann unter der Regie von „Feldmarschall“ Fabio Capello den ersten „Scudetto“ seit 1983, wie die Meisterschaft in Italien genannt wird. Mit Francesco Totti und Vincenzo Montella bildete „Batigol“ eine Offensivreihe, von der viele Romanisti noch heute schwärmen. Komplettiert wurde das Meisterteam von Stützen wie Cafú, Emerson, Aldaír, Tommasi oder Walter Samuel. Es sollte Batistutas einziger Meistertitel in Italien bleiben. Was ihm während seiner langen Zeit in Florenz verwehrt blieb, schaffte er schließlich in der Hauptstadt.

Ein Stern verblasst – die Zeit bei Inter und in Katar

Im Januar 2003 holte Inter-Präsident Massimo Moratti den alternden Weltstar, dessen Trefferquote seit dem Titel mit der Roma stetig gesunken war, in die Modemetropole Mailand. Inter tanzte zu jener Zeit noch auf drei Hochzeiten und der Sturm musste angesichts von Verletzungssorgen verstärkt werden. Batistuta war jedoch nur in der Liga spielberechtigt und stand dort in 12 Spielen auf dem Platz, wo es für ihn aber nur zu zwei Toren reichte. Eine ungewöhnlich schlechte Bilanz für „Batigol“, dessen Stern langsam zu verblassen begann. Fast schon folgerichtig war der Wechsel zu Al-Arabi nach Katar, wo er zwischen Sommer 2003 und 2005 die Kickstiefel schnürte. Dort ließ Batistuta seine große Karriere gemächlich ausklingen.

Die Zeit nach dem Fußball

 Batistuta als Fernsehexperte

Nach seiner Spielerkarriere zog sich Batistuta nach Argentinien zurück, wo er die Trainerlizenz erwarb. Im Jahr 2009 sorgte er für Schlagzeilen, als er sich beim Team Loro Piana als Polo-Spieler versuchte. 2010 wurde er Teil des Trainerteams der argentinischen Nationalmannschaft unter Coach Sergio Batista. Ab 2012 war er für kurze Zeit als Sportdirektor bei Colón Santa Fé aktiv. Zuletzt saß er im Dezember 2016 in einem FIFA-Gremium zusammen mit Zvonimir Boban, der Brasilianerin Marta und Vladimir Petkovic. Es ging um die Nominierung für den FIFA Fan-Award.