Riquelme
Flickr / Jànkela

Juan Román Riquelme: Das launische Genie

Fast zwei Dekaden lang prägte Juan Román Riquelme den argentinischen und spanischen Fußball. Strategen, wie er einer war sind im modernen Sport zu einer Rarität geworden. Ein Resümee seiner Karriere.

Ein 10er der alten Schule – „Die meisten Menschen wählen die Autobahn, wenn sie von A nach B wollen. Roman nimmt immer die Bergstraße, wegen der schönen Aussicht.“ So beschreibt Jorge Valdano den Spielstil Riquelmes. Dem Weltmeister von 1986 und ehemaligen Star von Real Madrid eilt der Ruf voraus, ein Philosoph des Fußballs zu sein. In Bezug auf Riquelme scheint er eine passende Umschreibung gefunden zu haben. Riquelme ist ein Künstler am Ball, gefährlich bei Standardsituationen und besitzt ein bestechendes Passspiel. Athletisch ist er hingegen nie gewesen. Weder mit hohem Tempo, noch mit einer hohen Laufbereitschaft wusste er zu überzeugen. Sein Spielstil gilt als Auslaufmodell.

Der Kicker aus einfachen Verhältnissen

Riquelme wurde in San Fernando, einer Provinz von Buenos Aires, in ärmlichen Verhältnissen geboren. Dort wuchs er mit zehn Geschwistern auf. Seine erste Station als Jugendspieler waren die Argentinos Juniors, dem Verein, bei dem er auch 2015 seine Karriere beendete. Dazwischen hatte Riquelme eine erfolgreiche Karriere, vor allem in Argentinien, aber auch in der Primera Division in Spanien. Bei den Boca Juniors avancierte er zu einem Idol der jüngeren Vergangenheit und wird noch immer verehrt.

Riquelme erobert die iberische Halbinsel

„Romy“, wie er von seinen Fans genannt wird, begann seine Profikarriere 1996 bei Boca in Buenos Aires. Dort legte er den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere. 2002 folgte der Wechsel zum FC Barcelona. Nach einem weniger glücklichen Jahr verließ er die Katalanen in Richtung Villarreal. Obwohl er auf 30 Einsätze in der Liga kam, konnte er sich beim FC Barcelona nicht richtig durchsetzen. In der Spielzeit 2004/2005 führte er Villarreal bis auf Platz drei in der Primera Division und wurde zum besten ausländischen Spieler der Liga gekürt. Das „gelbe U-Boot“ erreichte mit dem Argentinier 2006 das Halbfinale der Champions League. Es ist bis heute der größte internationale Erfolg in der Vereinshistorie.

Als es zu Spannungen zwischen Riquelme und der Vereinsführung kam, wurde der Stratege zunächst an die Boca Juniors verliehen und im Anschluss endgültig transferiert. Auf Anhieb gewann er seinen dritten Titel in der Copa Libertadores und steuerte acht Treffer im Wettbewerb bei. Drei davon in den Finalspielen. In der Folge wurde Riquelme immer weiter zum Publikumsliebling im „la bombonera“, der Pralinenschachtel der Boca Juniors. Später wurde er vom Verein als „eines der größten Idole in der Geschichte“ deklariert.

Für die Albiceleste bleibt der große Wurf aus

Seine Zeit in der Nationalmannschaft konnte er nicht so erfolgreich gestalten, wie sein einstiges Vorbild Diego Armando Maradona. Die einzige WM-Teilnahme hatte er 2006, bei der die Albiceleste im Viertelfinale gegen Deutschland das Elfmeterschießen verlor. Zu diesem Zeitpunkt war Riquelme bereits ausgewechselt, und das obwohl er als Führungsspieler und ausgezeichneter Elfmeterschütze sicherlich hätte helfen können. Eine Kritik, welcher sich auch der damalige Trainer Pékerman ausgesetzt sah. Einen Titel im Trikot Argentiniens konnte er zumindest zwei Jahre später an der Seite Lionel Messis feiern, als er in Peking Olympiagold gewann. 2009 gab Riquelme seinen endgültigen Rücktritt aus der Albiceleste bekannt. Maradona war mittlerweile Trainer der Auswahl und teilte „nicht dieselben Grundsätze“ wie Riquelme.

Der letzte seiner Zunft

Nun erfreut sich Riquelme eines neuen Lebensabschnittes. Dem Fußball hat er den Rücken gekehrt. Er war ein 10er, wie man sich es vorstellt. Er interpretierte das Spiel auf seine eigene, altmodisch romantische Weise. Dabei hatte er immer seinen markanten traurigen Gesichtsausdruck aufgelegt. Spieler seiner Zunft wird es im schnellen und modernen Fußball kaum mehr geben. Weil er den Ball stets lange am Fuß behielt, hatte man ihm den Spitznamen „Zollhäuschen“ verpasst. Er war ein launisches Genie. Die Fußballwelt vermisst ihn.