Etcheverry
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Marco „El Diablo“ Etcheverry – “He made things happen, all the time”

Der Mann den man aufgrund seines Nachnamens im Baskenland oder in Bulgarien verorten würde, ist tatsächlich einer der größten, wenn nicht sogar der größte Fußballspieler Boliviens. Etcheverry war Teil der einzigen bolivianischen Nationalmannschaft die sich für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte, und wurde in die MLS ALL-Time Best XI aufgenommen.

Kindheit von Etcheverry

Marco Antonio Etcheverry Vargas kam am 26. September 1970 als jüngstes von sechs Kindern in Santa Cruz auf die Welt. Das Fußballspielen lernte er in der Academia Tahuichi, die auch durch ihn Berühmtheit erlangt hat. Sie wurde 1978 als soziales Projekt gegründet, um den ärmsten Kindern die Möglichkeit zu geben Fußball zu spielen und zur Schule zu gehen. Mittlerweile wurde sie sechs Mal für den Friedensnobelpreis nominiert. Dort trainierte er insgesamt acht Jahre, immer unter der Androhung seiner Mutter, dass sie ihn abmelden würde, wenn sich seine Schulnoten verschlechtern sollten. Angeblich war er deshalb einer der besten Schüler seiner Klasse. Die Spieler aus der Akademie bildeten den Kern der Mannschaft, die mit Bolivien die U-16 Südamerikameisterschaft in Peru gewann, bei der Etcheverry Torschützenkönig wurde, und zum besten Spieler gewählt wurde. Danach gab es eine kurze Phase in der er “das Nachtleben schätzen lernte”, doch mit Hilfe von Freunden besann er sich wieder auf das täglich Brot, das Training. “El Diablo” war ein begnadeter Spielmacher der “alten Schule”, der technisch herausragend war, das Auge für den Mitspieler besaß, Tore schoss, und vor allem das Dribbling liebte. Bei seinen Dribblings scheute er es nicht sich mit einer Übermacht an Verteidigern anzulegen, und erst einzuschieben, wenn auch der Torwart am Boden lag. Ein Spieler der den Unterschied ausmachte und den jeder Fan gerne in seinem Team sehen würde.

Sein Spitzname „El Diablo“ gefällt ihm eigentlich gar nicht, und er gibt zu verstehen, dass er „mehr Engel als Teufel ist; dass er solidarisch und sensibel ist, und dass ihm Egoismus und Bösartigkeit missfallen”. Der Name wurde ihm auch nicht wegen eines schlechten Charakters verpasst, sondern nur weil er sein überragendes Talent so teuflisch gut zeigte, und die Verteidiger reihenweise schwindlig spielte.

Vereinskarriere

Die ersten drei Jahre seiner Karriere verbrachte „El Diablo“ bei Club Destroyers in seiner Heimatstadt Santa Cruz, für die er mit 16 Jahren debütierte, und für die er in 81 Spielen 100 Tore erzielte. Danach wechselte er in die Hauptstadt La Paz, zu Club Bolívar, wo er in 41 Spielen 21 Tore schoss, und 1991 den Meistertitel holte. Inzwischen war man auch in Europa auf den bolivianischen Zehner aufmerksam geworden, und Albacete Balompié sicherte sich seine Dienste. Er war damit der erste Bolivianer der in Spaniens höchster Klasse spielte. Allerdings lief es für Etcheverry in Kastilien La-Mancha nicht so gut wie erhofft. Fernab der Heimat litt er nach anfänglich verheißungsvollen Auftritten unter Angstzuständen und Stress, worunter seine Leistungen litten, sodass das Kapitel Europa nach nur einer Saison beendet war. Im Anschluss lief er zwei Saisons für Colo-Colo in Chile auf, und eine Spielzeit für América de Cali aus Kolumbien.

Seine erfolgreichste Zeit hatte Etcheverry bei D.C. United in Washington. Bei dem Team aus der amerikanischen Hauptstadt stand er insgesamt sieben Jahre unter Vertrag, wovon er aber auch einige Saisons verliehen wurde. Trotzdem stehen für den Spielmacher in 190 Spielen für D.C. 34 Tore und unglaubliche 101 Vorlagen in der Statistik. Sein ehemaliger Teamkollege Freddy Adu – das ehemalige Jahrhunderttalent, das zum Wandervogel verkommen ist – sagte über ihn, „dass sein linker Fuß magisch war, er nicht der schnellste auf der Welt war, er aber unmögliche Dinge möglich machte (made things happen, all the time)“. Mit United wurde er dreimal MLS-Meister, gewann die CONCACAF-Champions League und 1998, als einziges US-Team, die Copa Interamericana (vergleichbar mit dem Uefa Super Cup), gegen den damaligen Copa Libertadores-Sieger Vasco da Gama. Zudem wurde er einmal Spieler des Jahres der MLS, und ist Teil der MLS All-Time Best XI. Neben Landon Donovan zählt er in den USA zu den bekanntesten Gesichtern der Liga. Seine Karriere ließ er im Jahr 2004 wieder bei Club Bolívar aus La Paz ausklingen.

Nationalmannschaftskarriere

Im Jahr 1994 qualifizierte sich Bolivien mit Etcheverry erstmals in seiner Geschichte für eine WM. Der Trainer Xabier Azkargorta, ein richtiger Baske, formte ein starkes Kollektiv, das wettbewerbsfähig war. In der Qualifikationsgruppe spielte man gegen Brasilien und Uruguay. Dabei wird der 2:0 Heimsieg in La Paz gegen Brasilien für immer in Erinnerung bleiben, bei dem Etcheverry das 1:0 erzielte, wobei der Treffer, ohne seine Leistung schmälern zu wollen, zu einem großen Teil auf die Kappe des Torwarts, Claudio Taffarel, ging. Es war die die erste Niederlage Brasiliens überhaupt in einem WM-Qualifikationsspiel, und das ausgerechnet in Bolivien. Schlussendlich beendete man die Gruppe als zweiter, und setzte sich anschließend in zwei KO-Duellen gegen Venezuela durch, und war für die WM qualifiziert.

Bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA wurde man in eine Gruppe mit Deutschland, Spanien und Südkorea gelost. Dabei hatte man, dank Titelverteidiger Deutschland, die Ehre das Eröffnungsspiel in Chicago zu bestreiten. Etcheverry begann das Spiel von der Bank aus, da er es nach einer Kreuzbandverletzung – die ihn vermeintlich einen Wechsel zu Real Madrid kostete-, noch gerade so geschafft hatte fit zu werden. Als Hoffnungssymbol schickte ihn Trainer Azkargorta, der den Spitznamen “El Bigotón” (Der Riesenschnurrbart) hatte, zehn Minuten vor Spielende auf den Platz. Doch nach nur drei Minuten ließ sich „El Diablo“, nach einem Zweikampf mit Lothar Matthäus, zu einer Tätlichkeit hinreißen und flog vom Platz. Damit war das Turnier gleichzeitig für ihn beendet, da er nach dem Spiel für zwei Partien gesperrt wurde. Bolivien schied nach einem anschließenden Unentschieden gegen Südkorea, und einer Niederlage gegen Spanien nach der Vorrunde aus.

Einen weiteren großen Erfolg mit der bolivianischen Nationalmannschaft feierte er 1997, als er mit seinem Team sensationell bis ins Finale der Copa América stürmte. Aber leider konnte man den Sieg von 1993 nicht wiederholen und verlor im Finale gegen Brasilien mit 3:1.

Zuletzt war Etcheverry Jugendkoordinator des bolivianischen Verbandes und erklärte, dass er sich selbst geschworen hat, eines Tages selber Nationaltrainer von “La Verde” zu werden, und sie selbst zur WM führen möchte. Er war bereits kurzzeitig Trainer bei Aucas in Ecuador, sowie bei Oriente Petrolero in Bolivien, jedoch ohne dabei auf sich aufmerksam zu machen. Man darf gespannt sein, ob er es wirklich einmal zum Nationaltrainer schafft.