Garrincha
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Pelé und Garrincha – Brasiliens ungleiches Traumpaar

Pelé und Garrincha waren das erste unschlagbare Sturmduo in einer langen Historie von kongenialen Angriffspartnern in der Seleçao. So erfolgreich wie die beiden in ihrer gemeinsamen Schaffenszeit, war kein weiteres Duo mehr. Chefutbol.com wirft einen Blick auf das ungleiche Pärchen, welches sich so gut ergänzte.

Pelé und Garrincha waren die besten Fußballer ihrer Zeit, sie dominierten ihre Gegner. Jeder für sich war überragend, gemeinsam waren sie unaufhaltbar. Als sich Pelé bei der WM 1962 verletzte, wuchs Garrincha über sich hinaus und wurde zum Helden seines Landes. Er wurde Torschützenkönig und schaffte es, den besten Fußballer des abgelaufenen Jahrhunderts zu ersetzen. Gewöhnlich steuerte Pelé stets die Tore bei und Garrincha war auf dem Flügel beheimatet. Dort wusste er vor allem durch schnelle Dribblings und blitzartige Richtungswechsel aufzufallen. In seinen 60 Länderspielen für die Selecao, erzielte er 17 Treffer. Pelé traf in 92 Spielen 77 mal ins Netz.

Die Harmonie der Gegensätze

Während Garrinchas Stern nach seiner Karriere schnell wieder verglühte, ist Pelé hingegen noch heute ein gefeierter Volksheld und stets in den Medien präsent. Pelé krönte sich nach der gemeinsamen Zeit in der Selecao bei der WM 1970 noch ein drittes Mal zum Weltmeister. Zu diesem Zeitpunkt war Garrincha nur noch ein Schatten seiner selbst und körperlich am Ende. Zudem verstand es Pelé, im Gegensatz zu seinem kongenialen Partner, sich selbst zu vermarkten und für eine Karriere nach der aktiven Zeit zu sorgen. Garrincha hatte nichts, außer dem Fußball. Er war nach seiner Laufbahn pleite, vereinsamte und lebte zurückgezogen. Was die beiden auf dem Rasen unterschieden hatte, spiegelte sich auch nach den aktiven Karrieren wieder.

Ausgenommen von der Parallele, dass beide ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen entstammen, hatten die zwei Ausnahmekönner wenig gemein. Während der Alkoholkonsum und sexuelle Abenteuer quasi die einzige Kontinuität in der Karriere von Garrincha gewesen sind, war Pelé stets professionell eingestellt und auf dem Rasen sehr ernst. Pelé war es immer wichtig zu gewinnen, er liebte den Wettkampf und suchte die Perfektion. Seinem Angriffspartner hingegen, ging es um den Spaß am Spiel. Garrincha interpretierte den Fußball als Quelle der Freude. Ein Modellathlet war er nie. Sein unbekümmertes auftreten machte ihn dafür zum Publikumsliebling.

Die verhängnisvolle Lebenseinstellung von Garrincha

Garrincha vertrat die Auffassung, dass er keine Anweisung des Trainers braucht. Er kenne seine Aufgabe: Die Gegner zu umkurven und in die gefährliche Zone zu dribbeln. Dabei stellte er nur zu oft seine Kabinettstückchen zur Schau, hielt seine Gegenspieler zum Narren. Die Zuschauer lachten über seine Art Fußball zu spielen – sie lachten darüber, was er mit Ball und Gegenspieler anstellte. Nur wegen ihm strömten die Zuschauer in die Stadien, als erwartete sie ein Zirkusauftritt. Pelé hingegen liebte es, einfach nur Tore zu erzielen und zu gewinnen. Diese Zielstrebigkeit blieb Garrincha stets verwehrt. Nicht nur auf dem Rasen.

So lange beide Ausnahmekönner gemeinsam auf dem Spielfeld standen, verloren sie keine einzige Partie. In 40 Begegnungen gewannen sie Seite an Seite 36 Spiele, während lediglich vier Aufeinandertreffen ausgeglichen endeten. Das Sturmduo steuerte dazu 55 Tore bei. Pelé ist bewusst, dass er ohne seinen Partner kein dreifacher Weltmeister geworden wäre. Zum 35. Todestag erinnerte sich Pelé am 20. Januar 2018 an seinen Kollegen: „Garrincha und ich haben 40-mal zusammen für Brasilien gespielt und niemals verloren. Es ist der Jahrestag seines Todes. Es ist ein Moment in dem wir uns an ihn erinnern sollen.“

Legendenstatus und mythische Aura

Der frühe Tod Garrinchas und seine tragische Geschichte lassen den Spieler von einer mythischen Aura umgeben, die ein brasilianischer Journalist gekonnt umschreibt: „Die Brasilianer setzen Pelé auf ein Podest, sie lieben ihn aber nicht so wie Garrincha. Pelé symbolisiert den Sieger und der andere das Spiel. Brasilien ist kein Land der Gewinner, es ist ein Land der Menschen, die es mögen sich zu amüsieren.“ Die traurige Ironie in der Geschichte: Garrincha war zwar bereits zu Lebzeiten „A Alegria do Povo – Die Freude des Volkes“, selbst hatte er aber ein bedauerliches Leben. Seine Gesundheit setzte ihm ein frühes Karriere- und Lebensende. Er starb einsam und pleite.

Pelé wurde noch später zum größten Fußballer des Jahrhunderts gewählt und ist bis heute der einzige Spieler, welcher dreimal Weltmeister wurde. Nach der Karriere war er in seiner Position als UN-Sonderbotschafter als „Staatsmann des Fußballs“ aktiv. Weiterhin betreibt Pelé seine eigene Sportmarketing-Agentur und begleitet als außerordentlicher Sportminister ein politisches Amt. Garrincha und Pelé, sie werden immer eines der erfolgreichsten Sturmduos der Welt bleiben. So unterschiedlich wie die beiden Charaktere auch waren, harmonierten die beiden auf dem Spielfeld.