Xabi

Xabi Alonso – Der Strippenzieher hat Geburtstag

Xabi Alonso kann auf eine äußerst erfolgreiche Karriere zurückblicken. Mit Verein und Nationalmannschaft hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Alonso wird nun 36 Jahre alt. Grund genug, seine Karriere Revue passieren zu lassen und ihm auf unsere Art zu gratulieren.

In seiner langen und bewegten Karriere hatte Alonso nie seine Bodenhaftung verloren. Er ist auf dem Feld ein Führungsspieler gewesen, wirkte Abseits des Platzes eher in sich gekehrt, manche attestierten ihm das Verhalten eines Einzelgängers. Er ist eben nicht so gewesen, wie viele seiner Berufsgenossen. Keine riesigen Kopfhörer bedeckten die Ohren des Basken, statt auffallender farbenprächtiger Fußballschuhe, wählte er lieber ein schlichtes Modell. Er hatte stets seine Leistungen für sich sprechen lassen.

Xabi Alonso: Vom Baskenland zu den europäischen Großmächten

Xabi ist die Abkürzung für Xabier. Ein typisch baskischer Name, jener Region im Norden Spaniens, aus der Alonso stammt. Beim baskischen Traditionsclub, Real Sociedad, machte Alonso auch seine ersten Gehversuche als Fußballprofi. Damit stieg er in die Fußstapfen seines Vaters, welcher mit Sociedad zweimal spanischer Meister wurde und zudem für den FC Barcelona gespielt hatte. Xabi wurde kein Meister mit Sociedad, scheiterte 2003 allerdings nur sehr knapp und wurde am Ende Zweiter. Für die Mannschaft aus dem Baskenland ein enormer Erfolg, ähnlich wie der Einzug ins Achtelfinale der Championsleague ein Jahr später. Sein Beitrag dazu wurde schnell bemerkt und es folgte der Lockruf aus England.

Alonsos neuer Arbeitgeber wurde der FC Liverpool. Es entwickelte sich eine Erfolgsstory. Im ersten Jahr war Alonso Teil eines der größten Comebacks der Championsleague-Historie. Nach einem 3:0 Rückstand gegen den AC Mailand, rettet sich der FC Liverpool noch in das Elfmeterschießen und konnte am Ende den Henkelpott in den Himmel strecken. Alonso hatte den Treffer zum zwischenzeitlichen 3:3 beigesteuert. Der Gewinn des FA-Cups, ein Jahr später, war Alonsos letzter großer Titel mit dem Team von der Anfield Road. Es begann für den FCL eine Epoche ohne Triumpfe, welcher sich Alonso mit seinem Wechsel zu Real entzog.

Karriereleiter nimmt kein Ende

Zurück in Spanien, fand er sich zu einer Zeit in Madrid ein, in welcher der FC Barcelona die Liga dominierte. Erst mit dem Triumph im Pokal über jenen Rivalen im Jahr 2011, konnte Alonso seine Titelsammlung entscheidend erweitern. Im Jahr darauf folgte die spanische Meisterschaft und 2014 nochmal der Pokal. Im gleichen Jahr hatte Real ebenfalls die Champions-League und damit die langersehnte „La Decima“ gewinnen können. Anschließend verließ er auf eigenem Wunsch wieder die Königlichen. Es sei die schwierigste Entscheidung seines Lebens gewesen, gab er später bekannt.

Der Schlussstrich, welchen er harten Herzens bei Real Madrid gezogen hatte, passt zu seiner Denkweise. Er hört auf seine Gefühle und wenn er sich bei etwas sicher ist, verfolgt er geradlinig seinen Weg. Diese Zielstrebigkeit hatte ihn davor beschützt, seinen Karriereherbst auf der Bank der Königlichen zu verbringen. Beim FC Bayern war er bereits als Routinier und Strippenzieher bekannt. Für die Gelegenheit im Alter von 32 Jahren nochmal bei einem derart großen Club zu spielen, drückt er heute noch seine Dankbarkeit aus. Er bezeichnete die Etappe an der Säbener Straße als „das letzte große Highlight seiner Karriere“.

Eine große Karriere neigt sich dem Ende hingegen

Unter Guardiola war er einer der Dirigenten im baiovarischen Mittelfeldverbund. Mit 206 Ballkontakten stellte er einen Bundesliagrekord auf und manifestierte sein Image als Ballmagnet. In seinen drei Jahren bei den Münchnern dominierte der FCB die Liga. Die Folge waren drei Meistertitel und ein Erfolg beim DFB-Pokal 2016. Der große Coup, den sich alle in München erhofft hatten, folgte jedoch nicht. Die Dominanz in Deutschland wurde von den spanischen Fußballmächten stets im Halbfinale der Championsleague gebrochen. Allmählich wurden auch kritische Stimmen lauter, die Alonso mangelnde Geschwindigkeit nachsagten. In der Liga musste der Gegner immer dem Ball nachjagen, bei Duellen auf Augenhöhe in der Championsleague kam Alonso immer häufiger den berühmten Schritt zu spät.

“Xabi Alonso ist einer der ganz Großen des Weltfußballs. Er hat in seiner Karriere alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er ist darüber hinaus eine herausragende Persönlichkeit, ein Gentleman des Fußballs”

(Karl-Heinz Rummenigge)

All diese Erfolge auf Vereinsebene konnte er im Trikot der Nationalmannschaft noch übertreffen. Er war Baustein der erfolgreichsten Nationalmannschaft in der Fußballgeschichte, einer Epoche, welche 2008 in Wien eingeläutet wurde. Spanien krönte sich zum Europameister, besiegte im Finale die deutsche Mannschaft mit 1:0. Zwei Jahre später wurden die Spanier in Südafrika Weltmeister und bezwangen die Oranje mit 1:0. Trotz des unvergessenen Kung-Fu-Trittes von Nigel de Jong in den Brustkorb Alonsos, war es wohl der größte Tag seiner Karriere. Wieder zwei Jahre später durfte mit einem 4:0 über Italien nochmal die Europameisterschaft gefeiert werden – es war eine letzte Machtdemonstration. Nach 114 Länderspielen für die „Furia Roja“ und dem Ausscheiden bei der WM 2014 machte Alonso Schluss im Nationaldress.

Abgang mit Stil

Alonso war stets eine introvertierte Persönlichkeit, welche auch auf dem Spielfeld durch sachliche und nüchterne Spielweise seine Leistungen erbrachte. Im Rampenlicht standen während seiner Laufbahn häufig andere. Die gefeierten Helden, welche ihm in seiner Karriere begegneten hätten allerdings niemals derart in den Fokus rücken können, wenn Xabi Alonso ihnen nicht den Rücken freigehalten und die Angreifer mit seinen Pässen versorgt hätte. Zu den Fußballschuhen sagte der Spanier im Mai 2017 Adiós. Doch wir werden ihn vermutlich bald wiedersehen: Alonso lies bereits medienwirksam verlauten, dass er demnächst als Trainer aktiv werden möchte.

Bis er wieder im Profifußball Fuß fassen wird, möchte er die freie Zeit genießen. Er kauft sich ein Motorrad, weil er die Freiheit liebt, die er auf den zwei Rädern spürt. „Es wird zwar nicht das Größte sein, aber auch nicht das Kleinste,“ gibt Alonso gewohnt charmant preis. Diese Freizeit hat er sich nach einer aufregenden Karriere verdient. Nun bleibt auch mehr Zeit für seine drei Kinder: Jontxu, Ane und Emma. Er hatte sich dazu entschieden, aufzuhören wann er will. Das war ihm wichtig. Seiner eigenen Aussage nach, hat er das bei anderen Spielern stets bewundert, nun hat er sich auch so, auf seine Weise verabschieden können. Es ist sein letzter Triumpf als Spieler gewesen. Feliz Cumpleaños Señor Alonso!