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Diego El Príncipe Milito – Make Racing a Champion Again

Hauchdünn, nur dank der besseren Tordifferenz, und trotz Enfant terrible Ricardo Centurión führt Racing Club die argentinische Liga vor dem noch ungeschlagenen Überraschungszweiten Defensa y Justicia an. Doch was steckt hinter dem Aufschwung?

Der sportliche Aufschwung von La Academia, ist eng mit Vereinsidol und Bayern-Schreck Diego Milito und dessen Partner Diego Huerta verbunden, die einen Philosophiewechsel im Management des Vereins eingeleitet haben. Milito, der seit Dezember 2017 sportlicher Leiter bei Racing ist, begann seine Arbeit mit dem Ziel, die Vereinsstrukturen nach europäischem Vorbild zu professionalisieren und das Scouting sowie die Transferpolitik zu verbessern. Er weiß aus erster Hand, dass die argentinischen Vereine finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, und sich zu großem Teil nur durch Spielerverkäufe über Wasser halten können. Bestes Beispiel für die neu eingeschlagene Linie bei Racing, innovative und bewährte Elemente aus Europa kostensparend zu kopieren, ist die Footbonaut-Version von Racing. Die Hightech-Modelle, die bei Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim auf dem Vereinsgelände zu finden sind und die zwischen zwei und vier Millionen Euro kosten, kann sich Racing nicht leisten. Zurzeit arbeitet der Verein daher mit einer argentinischen Firma zusammen, um eine eigene und billigere Version zu entwickeln. Bis dieser fertig ist versucht man – wie es in Lateinamerika oft so üblich ist -, den Mangel mit einer Portion Kreativität auszugleichen. Der aktuelle Footbonaut von Racing besteht aus einem ehemaligen Fitnessraum, in dem Felder an die Wand gemalt sind und Fahrradreifen von der Decke hängen, durch die der Ball geschossen werden muss. Neben der Verbesserung der Trainingsbedingungen war die zweite große Baustelle, die Milito anging, das Scouting.

Professionalisierung des Scoutings

„In der Schweiz stellen sie gute Uhren her und hier (Argentinien) produzieren wir Spieler“, sagte der Leiter des Jugendinternats Miguel Gomis kürzlich in einem Interview mit der New York Times. Allerdings teilt man bei Racing die Überzeugung, dass dies deutlich effektiver und systematischer geschehen kann als bisher. Gomis fügte hinzu: „Wir sehen nicht die Fehler, die wir beim Scouten machen, denn egal wie schlecht wir uns anstellen, es kommen trotzdem noch Stars hervor.“ Mittlerweile hat man bei Racing die Strukturen im Scouting verändert, um dies zu verhindern. Des Weiteren wird nicht mehr primär nach 10ern und Offensivspielern gescoutet, sondern konzeptuell für jede Position. Nach eigener Aussage ist Racing ist oft der einzige argentinische Verein, der Scouts zu internationalen Jugendturnieren aussendet und der Spieler aus Kolumbien, Peru und Venezuela verpflichtet.

Denn obwohl Racing zu den sogenannten fünf großen, den Cinco Grandes (Boca Juniors, Independiente, Racing Club, River Plate und San Lorenzo de Almagro), in Argentinien gehört, kann man auf dem Transfermarkt finanziell nicht mit Boca oder River Plate mithalten. Aus diesem Grund wurde unter Milito das Scouting zur Priorität erklärt, um die Talente vor den großen finanzstarken Rivalen zu entdecken und zu verpflichten. Dafür gelang es dem Ex-Stürmer den Scout Javier Weiner zu verpflichten, der zuvor als freier Scout arbeitete, unter anderem für Bayer Leverkusen, Udinese Calcio und nordamerikanische Vereine. Weiner wird von Diego Huerta unterstützt, der gelernter Journalist ist und einige Jahre bei der großen argentinischen Tageszeitung Clarín gearbeitet hat, sowie mit dem ehemaligen spanischen Hochsprung-Olympioniken (1980 in Moskau) und heutigem Journalisten und Guardiola-Biograph Martí Perarnau. Diese Freundschaft ermöglichte es Huerta zahlreiche europäische Vereine zu besuchen, deren interne Organisation kennenzulernen und Elemente bei Racing zu übernehmen. Zudem arbeitet er als Video-Analyst für Racing und ist heute der Verbindungsmann zwischen dem Profiteam und der Jugendabteilung. Huertas großes Vorbild ist der FC Sevilla, da dieser trotz deutlich größerer Rivalen durch intelligentere Spielerkäufe und noch bessere Verkäufe viele Titel gewonnen hat. In der Scoutingabteilung arbeiten mittlerweile neben Weiner und Huerta drei weitere festangestellte Scouts, die für den südamerikanischen Markt zuständig sind und ein Auge offen halten für argentinische Spieler, die im Ausland spielen und die eventuell zurückkommen wollen. Für die Sommertransferphase letztes Jahr wurden 437 Datenblätter zu Spielern erstellt, 347 Spiele in Südamerika analysiert (vermutlich entspricht dieses Programm
im Hause Bielsa einem spielfreien Samstagnachmittag) und Scouts zur U-20 Copa Libertadores und den Südamerikaspielen geschickt.

Aktuelle Saison

Auch wenn er teilweise Probleme hatte den Vereinspräsidenten von seinen Projekten zu überzeugen, geben die bisher erzielten Erfolge Milito recht und man darf gespannt sein ob Racing bereits dieses Jahr wieder den Titel feiern darf. Trotz Punktgleichheit mit Defensa y Justicia gilt Racing bei den Buchmachern als Favorit auf den Meistertitel. Eventuell entscheidet sich die Meisterschaft erst am letzten Spieltag (7. April) im direkten Duell der beiden Mannschaften im Cilindro de Avellaneda.  

Für El Príncipe, der 2014 Bestandteil der letzten Racing-Meistermannschaft war, ist seine Arbeit eine Herzensangelegenheit, wobei er versucht auch mit ehemaligen Teamkollegen Berufliches und Privates strikt zu trennen, was in Südamerika eine Kunst ist. Er selbst sagt, dass der Verein wichtiger ist als einzelne Namen und im Rahmen seines 10-Jahresplans will er einen Arbeitsstil im Verein etablieren, den sein Nachfolger fortführen kann.