Defensa y Justicia

Meisterschaftskampf in Argentinien: Bleibt es beim Zweikampf zwischen Racing und Defensa y Justicia?

In der argentinischen Superliga zeichnet sich momentan an der Tabellenspitze ein ungewöhnliches Bild ab. Weder die Boca Juniors, die mit 33 Meistertiteln die zweitmeisten des Landes haben, noch River Plate, die mit 36 gewonnen Meisterschaften die Statistik anführen, scheinen dieses Jahr im Meisterschaftskampf eine große Rolle zu spielen. Nachdem Boca zuletzt im eigenen Stadion von Atlético Tucuman mit 2:1 geschlagen wurde, haben sie nun fünf Spieltage vor Schluss zehn Punkte Rückstand auf den ersten Racing, das die Liga mit 48 Punkten anführt. River wird mit 15 Punkten Rückstand wohl keine Chancen mehr auf die Meisterschaft haben. 

Defensa y Justicia mit starker Saison

Das Überraschungsteam der Saison heißt jedoch Defensa y Justicia. Nachdem man sich letztes Jahr schon etwas überraschend für die Copa Sudamericana qualifizieren konnte, steht man dieses Jahr, aufgrund der 0:1 Heimniederlage gegen Boca letzte Nacht, mit drei Zählern Rückstand auf Racing Club auf Platz zwei. Für den Verein wäre es der erste Titel in der Vereinsgeschichte. Vor allem Dank der starken Defensive, man kassierte bisher nur dreizehn Gegentore und stellt somit die beste Abwehr der Liga, konnte man bisher 13 Mal gewinnen und sechs Mal unentschieden spielen. Die einzige Niederlage kassierte das Team von Trainer Juan Pablo Vojvoda gestern gegen den direkten Verfolger Boca, die nun nur noch sieben Punkte von Defensa y Justicia entfernt sind.

Trotz einer starken Leistung konnte man sich nicht gegen den amtierenden Meister durchsetzen und muss nun auf einen Patzer von Racing hoffen und darf selbst keine Punkte mehr liegen lassen, bevor es am letzten Spieltag der Saison zum alles entscheidenden Duell um die Meisterschaft zwischen den beiden Teams kommt. Mit einem Blick auf das Restprogramm der beiden Mannschaften sieht es jedoch nach einem Vorteil für Racing aus, die nach einem Sieg im Classico Avellanada gegen Independiente am Wochenende noch gegen Estudiantes, Colon de Santa Fe, CA Belgrano und CA Tigre spielen müssen. Alle Teams stehen in der unteren Hälfte der Tabelle. Defensa y Justicia dagegen tritt noch gegen CA Aldosivi, CA Banfield, CA Patronato Parana und Union Santa Fe an, die alle, mit Ausnahme von Parana, um einen Platz in der Copa Sudamericana kämpfen. 

Vorteil für Racing

Es sieht also nach einem klaren Vorteil für Racing aus, die alles in der eigenen Hand haben und sich fast nur noch selbst schlagen können. Der entscheidende Faktor für die starke Saison ist der ehemalige Topstürmer Lisandro Lopez, der in Europa unter anderem für Olympique Lyon und den FC Porto spielte. Der mittlerweile 35-jährige traf diese Saison schon 16 Mal und konnte die Lücke, die durch den Abgang von Lautaro Martinez zu Inter Mailand entstanden ist, perfekt schleißen. Das Team von Eduardo Coudet überzeugt die ganze Saison schon mit einem sehr ansehnlichem Offensivfußball und steht deshalb nicht zu Unrecht ganz oben in der Tabelle. Die Sehnsucht nach einem Titel ist auf jeden Fall sehr groß. Der letzte große Triumph war die Meisterschaft im Jahr 2014. Der letzte Meistertitel ist sogar schon etwas mehr als ein halbes Jahrhundert her. Für die passionierten Fans des einst so erfolgreichen Clubs wäre die sechzehnte Meisterschaft der Vereinsgeschichte wohl auch ein unvergessliches Erlebnis.

Obwohl Boca mit dem gestrigen 1:0 gegen Defensa y Justicia den Rückstand auf Platz zwei auf sieben Punkte verkürzte, werden sie im Kampf um die Meisterschaft keine Rolle mehr spielen. Selbiges gilt für River Plate und Atletico Tucuman (5. und 4. Platz), die um den letzten Qualifikationsplatz für die Copa Libertadores kämpfen. Sollte Racing bis zum letzten Spieltag keine Punkte mehr liegen lassen, wird es aufgrund des deutlich schlechteren Torverhältnisses sehr schwer für Defensa y Justicia den ersten Titel der Vereinsgeschichte zu gewinnen. Außerdem bleibt abzuwarten, wie die noch unerfahrene Mannschaft auf die Niederlage gegen die Boca Juniors reagiert. Um ein einknicken zu verhindern und den Druck auf Racing aufrecht zu erhalten, muss gegen Aldosivi ein Sieg her. Sollte am letzten Spieltag allerdings wirklich um die Meisterschaft gehen, ist alles möglich. Klar ist, dass der Titel für beide Lager eine große Bedeutung hätte.