Saisonstart in Argentinien: Boca visiert das Triple an

In der argentinischen Superliga rollt der Ball ab Freitag wieder. Während die Boca Juniors nach einer eindrucksvollen Transferoffensive mit dem Triple liebäugeln, geht Erzrivale River Plate mit unveränderten Aufgebot in die Spielzeit.

Das Pflichtspieldebüt der Boca Junios begann gleich mit einem Paukenschlag. Während Neuzugang Mauro Zárate beim Pokal Auftakt gegen das unterklassige Alvarado als Enganche wirbeln durfte und seine Mitspieler mehrmals eindrucksvoll in Szene setzen konnte, blieb Publikumsliebling und Identifikationsfigur Carlos Tévez nur die Reservistenrolle, die er zumindest medienkonform mit guter Mine und mehrmaligen Abklatschen hinnahm. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, was Trainer Guillermo Barros Schelotto in dieser Spielzeit bevorsteht: Nicht nur wird er sich als gewiefter Taktiker versuchen müssen, sondern auch als Animateur, der den nahmaft zusammengestellten Kader über meherere Monate bei Laune hält.

Die großen 5

Boca

Denn kein Verein gab mehr Geld aus als der amtierende Meister, sodass auf allen Mannschafsteilen nachgebessert und potenzielle Schwachstellen ausgemerzt wurden. So muss sich der oft kritisierte Schlussmann Agustin Rossi der Konkurrenz von Esteban Andrada erwehren, der mit viel Vorschusslorbeeren von Lanús losgeeist wurde. Aber auch die Verpflichtungen von Carlos Izquierdoz, Mauro Zárate oder Flügelflitzer Sebastiàn Villa sollten dem, ohnehin schon guten Kader, noch mehr Qualität verleihen.

River Plate

Ganz anders verhielt es sich beim Nachbarn River Plate, der ohne neue Namen in die Saison geht, dafür aber schon im Januar mit den Transfers von Lucas Pratto, Juanfer Quintero und Franco Armani den Grundstein für eine vielversprechende Kaderzusammenstellung legte. Dementsprechend vertraut Erfolgstrainer Marcelo Gallardo dem bewährten Kader, der die abgelaufene Rückrunde in einem Hoch beendete. Zweifel bestehen ob der Tatsache, dass Gallardo in der Vergangenheit den Pokalwettbewerben deutlich mehr Relevanz schenkte als dem heimischen Ligabetrieb.

Racing

Während die Millonarios also ihren Stamm halten konnten, musste Copa Libertadores Gegner Racing Club de Avellaneda seinen besten Spieler Richtung Italien ziehen lassen: Lautaro Martínez zog es für 16 Millonen Euro zu Inter Mailand, und hinterlässt somit eine große Lücke im Sturmzentrum, die zukünftig von Rückkehrer Gustavo Bou geschlossen werden soll. Zudem wurde Schlussmann Gabriel Arias aus Chile verpflichtet, um den Abgang von Juan Musso zu Udinese Calcio aufzufangen. Neben den namhaften Abgängen, die Trainer Eduardo Coudet ersetzen muss, droht nun zudem noch Unruhe aufzukeimen, nachdem medial durchsickerte, dass das Verhältnis zwischen Coudet und Sportdirektor Diego Milito aüßerst angespannt sei. Grund dafür sollen Differenzen bezüglich der Spielerrekrutierung sein.

Independiente

Weit rosigere Voraussetzungen findet man bei Independiente vor, die mit den Leistungsträgern Maximiliano Meza, Martín Benítez und Alan Franco verlängerten und diese sogar mit hohen Ausstiegsklauseln austatteten. Zudem konnte man Ariel Holans Wunschspieler an Land ziehen. Von Pablo Hernàndez, den es aus familiären Gründen nach Argentinien zog, erhofft sich die Führungsetage als neuer Taktgeber im Mittelfeld zu fungieren. Francisco Silva wurde aus Mexiko transferiert, wo er sich als emsiger Wadenbeißer einen Namen machen konnte. Insgesamt verfügt Holan über einen breiten und ausgewogenen Kader, der bei optimalen Saisonverlauf um den Titel mitspielen kann.

Dies trifft allerdings nicht auf den Fünften im Bunde zu: Bei San Lorenzo ist die Erwartungshaltung etwas tiefer gesteckt. Claudio Biaggio gilt bei der Anhängerschaft als angezählt, nachdem es dem Team in den vergangenen Wochen sichtlich an Spielkultur fehlte. Mit Mühe und Not setzte man sich im Pokal durch, in der Copa Sudamericana blamierte man sich gar gegen den chilenischen Underdog aus Temuco. Auch auf dem Transfermarkt erlebte man zahlreiche Negativerlebnisse. Weder Bocas Sebastián Pérez noch Belgranos Matías Suárez erteilten dem Verein aus Boedo ihre Zusage, sodass man mit Ausnahme von Ariel Rojas, der ablösefrei von River Plate kam, mit leeren Händen dasteht.