Robinho
Facebook / Ronaldinho Gaucho

Auf den Spuren von Robinho

Über Robinho scheiden sich die Geister. Der begnadete Fußballer hat in den Augen vieler Beobachter sein Talent vergeudet – und das trotz beachtlicher 100 Länderspiele für die Seleção und nationalen Meisterschaften in Brasilien, Spanien, Italien und China. Die Kritik, nicht alles aus seinem Potential herausgeholt zu haben ist allerdings nur eine Kleinigkeit im Gegensatz zu dem, was ihm im Oktober 2018 vorgeworfen wurde: Von einem italienischen Gericht wurde er für einen Vorfall aus dem Jahr 2013 zu einer 9jährigen Haftstrafe verurteilt. Ein Resumée über die Karriere des Dribbelkünstlers mit Schattenseiten.

Selbst der Altmeister Pelé soll Gänsehaut bekommen haben, als er Robinho das erste Mal gesehen hatte: “In ihm sah ich mich selber mit 15 Jahren, ich habe fast geweint.” Der Wechsel von Robinho nach Madrid war der Transfercoup des Sommers 2005. 24 Millionen Euro hatten sich die Königlichen seine Dienste kosten lassen. Der 21 Jahre alte Brasilianer bekam die Nummer 10, welche vor ihm noch den Rücken von Luis Figo dekorierte. In Madrid wird Robinho letztlich zweimal spanischer Meister und avanciert zum Stammspieler. In seinem ersten Clásico wurde er prompt „Man of the Match“. Die Ehe des Edeltechnikers mit Real Madrid begann vielversprechend, endete allerdings in einem Missverständnis.

Sensibilität und Stolz größer als der Durchsetzungswille

Drei Jahre verzauberte der quirlige Dribbler die Fans im Benabéu, ehe er sich wenig freundschaftlich aus der spanischen Hauptstadt verabschiedete. Grund dafür soll der Umgang der Verantwortlichen in Madrid mit dem sensiblen Genie beim Wechselpoker um Cristiano Ronaldo gewesen sein. Im brasilianischen Sender SporTV erklärte Robinho, dass er Madrid verlassen hatte, weil der Klub ihn beim Versuch den Portugiesen zu verpflichten als Wechselgeld benutzen wollte. Robinho fühlte sich verachtet und nicht geschätzt. Als sich dann die Gespräche mit Ronaldo nicht entwickelten und die Verantwortlichen auf Robinho zukamen erwiderte er: „Ihr wolltet nicht, dass ich gehe? Jetzt will ich gehen!“

Der Sensible Brasilianer zog die für sich logische Konsequenz: „Ich bedauere es nicht gegangen zu sein, ich bedauere die Art und Weiß, wie ich gegangen bin“, lies er nach dem Wechsel verlauten. Später sollte er sich mit mehr Reue an die Geschehnisse erinnern: „Ich hatte kein gutes Verhalten. Heute habe ich einen anderen Kopf, eine andere Mentalität.“ Als drittbester Torschütze seiner Mannschaft hinter Raúl und Ruud van Nistelrooy zog es Robinho zu Manchester City. Weitere Stationen wurden sein Heimatklub FC Santos, der AC Mailand, Guangzhou Evergrande und zuletzt Atlético Mineiro in Brasilien. Beständigkeit fand er nirgends, weder sportlich noch privat. Nun sucht er sein Glück in der Türkei.

Das Riesentalent verliert den Fokus und den Faden in seiner Karriere

Trotz aller Erfolge in der Laufbahn von Robinho, gibt es die naheliegende Versuchung zu hinterfragen, was mit etwas mehr Ehrgeiz möglich gewesen wäre. Nicht wenige hatten ihn als künftigen Weltfußballer auf dem Zettel. Mit Eskapaden auf und neben dem Platz stand er sich in der Regel jedoch selbst im Weg. 2006 wurde er unter Trainer Capello nach einer Rauferei mit seinem Teamkollegen Gravesen vom Training suspendiert. Während seines Intermezzos bei den Citizens soll er unentschuldigt nach Brasilien verschwunden sein, um dort seinen Geburtstag zu feiern. Nicht die einzige unerlaubte Exkursion in seiner Zeit auf der Insel. Die Verurteilung von einem Mailänder Gericht für eine Tat aus dem Jahr 2013, setzt dem Ganzen nur die schändliche Krone auf. Robinho soll zusammen mit fünf Freunden eine Albanerin in der Garderobe eines Mailänder Nachtclubs vergewaltigt haben.

Der graue Schleier und die Frage nach dem, was möglich gewesen wäre?

Das Gericht befand Robinho für schuldig und verurteilte ihn zu neun Jahren Haft. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig – seine Anwälte hatten Berufung eingelegt. Bis der Fall durch alle juristischen Instanzen geht, wird noch viel Zeit verstreichen und selbst dann wird Robinho kaum hinter Gitter müssen: Brasilien liefert seine Staatsbürger nicht aus. Somit würde er mit einer Geldstrafe von 60.000 € glimpflich davonkommen. Er selbst beteuert übrigens vehement seine Unschuld. Über seine Verteidigung hatte er unmittelbar nach dem Urteil verlauten lassen, „an diesem Vorfall keinerlei Beteiligung zu haben.“ Ähnlichen Anschuldigungen sah er sich bereits 2009 nach einem Diskothekenbesuch in Leeds ausgesetzt. Damals wurde allerdings der Vorwurf als Lüge entlarvt.

Ob schuldig oder nicht, der Prozess gegen ihn liegt nun zusammen mit all den anderen Exzessen wie ein grauer Schleier über seiner Karriere, in der wahrscheinlich viel mehr erreichbar gewesen ist. Aufgrund seines Leistungseinbruchs verpasste er die WM-Teilnahme im eigenen Land. Welche Rolle dabei seine regelmäßigen Aufenthalte in Nachtclubs gespielt haben, muss jeder für sich deuten. Dafür läuft es aktuell bei Sivasspor: In der Süper Lig erzielte er in seinen ersten fünf Begegnungen bereits drei Treffer und legte ein Tor vor. Lohn dafür ist Platz 6 in der Liga. Das ist zwar nett für ihn, aber nicht der Maßstab, was ein Fußballer mit seinem Talent erreichen kann.