Brasilien im Viertelfinale gegen Belgien ohne Schlüsselspieler

Nach der Gruppenphase und dem Achtelfinale, trifft die Seleção in der Runde der letzten Acht auf Mitfavorit Belgien. Es ist die erste große Aufgabe für die Mannschaft von Tité, denn Belgien ist der erste Kontrahent auf Augenhöhe. Der erste Gegner, der genauso viele Stars in seinen Reihen hat und über eine hohe individuelle Qualität verfügt. Zum ersten Mal werden die Brasilianer zeigen müssen, was wirklich in ihnen steckt.

Kurze Schwächephase – souveräner Sieg

Zwischen der 61. und 65. Minute mussten die Brasilianer plötzlich ein wenig zittern, bevor schlussendlich noch ein souveräner Sieg eingefahren werden konnte. Serbien hatte Oberwasser gewonnen und war einige Male gefährlich im brasilianischen Strafraum aufgetaucht. Dennoch: Im letzten Gruppenspiel zeigte die Seleção ihre bisher beste Leistung und gewann völlig verdient gegen die Mannschaft von Mladen Krstajic. Von Anfang an zeigte die Mannschaft von Trainer Tité, zu was die Ausnahmekicker in der Lage sind. Die brasilianische Nationalmannschaft zeigte sich deutlich verbessert und zielstrebiger, als in den vorherigen Spielen gegen Costa Rica und Schweiz.
Der Eine mit Gefühl; der Andere mit Wucht. Fußball kann einfach und schön zugleich sein – das verdeutlichten die beiden Tore. Einen Zauberpass von Philippe Coutinho verwandelte Paulinho mit brasilianischer Leichtigkeit zur 1:0-Führung für die Brasilianer: Der Barca-Spieler spitzelte nach einem perfekten Pass in die Schnittstelle der serbischen Abwehr den Ball mit der Pike über den herauseilenden serbischen Torhüter Vladimir Stojkovic.
In die stärkste Phase der Serben hinein traf Thiago Silva zum 2:0. Einen Eckball von Neymar köpfte der ehemalige Kapitän der Seleção wuchtig ins Tor. Das Achtelfinalticket war gebucht. Erwähnenswert: Neymar war auffällig unauffällig. Keine Showeinlagen, dafür aber ein toller Assist.

Starke zweite Halbzeit bringt den Sieg

Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft musste die Seleção dann gegen die amerikanischen Fast-Nachbarn aus Mexiko ran. Gegen El Tri tat sich die Mannschaft von Tité deutlich schwerer, als gegen die Serben im letzten Gruppenspiel zuvor. Der Coach ließ seine Mannschaft getreu dem Motto „Never change a winning team“ (fast) unverändert. Einzig Linksverteidiger Marcelo musste wegen eines Hexenschusses weichen. Für ihn spielte Filipe Luis vom Stadtrivalen Atletico Madrid. Gegen eine aggressive und früh anlaufende mexikanische Mannschaft, tat sich die Seleção anfangs schwer. Erst ab der 25. Minute waren die Brasilianer im Spiel angekommen – doch Mexikos Torhüter Guillermo Ochoa brachte die Mannen um Neymar an diesem Tag schier zu Verzweiflung. Zur Pause blieb es beim 0:0. Die Brasilianer kamen mit ordentlich Elan aus der Halbzeitpause und direkt zu mehreren guten Chancen. Tité hatte in der Kabine wohl die richtigen Worte gefunden. In der 51. Minute erlöste Neymar die Brasilianer endlich. Eine wunderschöne Einzelleistung von Willian veredelte der PSG-Star grätschend zur 1:0-Führung. Auch beim zweiten Treffer hatte Neymar seine Beine im Spiel. Per Abstauber traf der kurz zuvor eingewechselte Roberto Firmino nach einem schönen Konter über Neymar. Nicht ganz souverän – aber effektiv. Auch das können die Brasilianer.


Facebook/Fernandinho

Defensive der Seleção erstmals richtig gefordert

Im Viertelfinale erwartet Brasilien eine erste echte Hausnummer: Belgien. Für den Sprung unter die letzten Vier wird sich die Seleção weiter steigern müssen. Auf die bislang so starke Defensive wird gegen die Mannschaft von Roberto Martinez das erste Mal Schwerstarbeit zukommen. Mit den Offensivkünstlern der Roten Teufel um Romelu Lukaku, Kevin de Bruyne und Kapitän Eden Hazard, wartet ein anderes Kaliber auf Thiago Silva und Co.
In die größte Bedrängnis brachte die brasilianische Hintermannschaft bislang das Team von Mexiko. Vor allem zu Beginn der Partie nutzten die Mexikaner die Räume auf den Flügeln zu gefährlichen Kontern. Sowohl Fagner auf der rechten, als auch Felipe Luis auf der linken Seite waren oft zu weit aufgerückt und rannten dem schnellen Umschaltspiel der Mexikaner hinterher. Auch die Belgier gehören zu den Teams, die das schnelle Umschaltspiel beherrschen. Das siegbringende Tor zum 3:2 gegen Japan dient als bester Beweis. Mit de Bruyne hat Belgien einen intelligenten Tempomacher im Zentrum, der den direkten Weg zum Tor sucht. Umso schmerzhafter für Tité, das mit Casemiro der Staubsauger vor der Abwehr gelbgesperrt fehlen wird. Seine Präsenz und die Fähigkeit gegnerische Angriffe zu erahnen, abzulaufen oder auch mal rustikal abzugrätschen, wird der brasilianischen Mannschaft fehlen.

Fernandinho ersetzt Casemiro

Seine Position wird Fernandinho einnehmen, der in jedem der vier Turnierspiele bislang als Joker zum Einsatz kam. Auf der linken Seite wird Marcelo wieder für Felipe Luis ins Team rücken. Denkbar ist zudem, dass Danilo für Fagner auf der rechten Seite beginnt. Während in der Defensive also zwangsläufig Umstellungen anstehen, wird Tité in der Offensive wohl keinen Wechsel vornehmen. Somit bliebe für Roberto Firmino erneut nur die Jokerrolle hinter Gabriel Jesus. Erfreut zeigte sich Tité über die Leistungssteigerung von Willian. Der flinke Rechtsaußen scheint endlich im Turnier angekommen zu sein und gehörte gegen Mexiko zu den offensiven Aktivposten der Seleção.
Trotz der hohen individuellen Klasse fällt Belgien nicht durch eine herausragende Defensive auf. Die nicht gerade zur Weltspitze zählenden Tunesien und Japan trafen beispielsweise je zweimal ins Gehäuse von Thibout Courtois. Gelingt es Fernandinho als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff den Casemiro-Part zu übernehmen, wird die Seleção also zwangläufig über Neymar und Co. zu Chancen kommen.