Lisca Doido
Twitter / @Liscadoido

Ceará SC – Lisca Doido é Ceará!

Lisca heißt Mann, der hinter dem Aufschwung beim ehemaligen Tabellenschlusslicht Ceará SC steht und der gleichzeitig der neue alte Liebling der Fans ist. Der mittlerweile zum Kulttrainer mutierte Lisca, der selbst großer Fan des Vereins ist, hat nach seiner Rückkehr die Hoffnung auf den Klassenerhalt nach Fortaleza zurückgebracht.

Der Mann, der mit vollem Namen Luiz Carlos Cirne Lima de Lorenzi heißt, hatte das damals noch sieglose, mit nur drei Punkten auf dem letzten Tabellenplatz liegende, Team, vor dem 10. Spieltag von Jorginho übernommen. Dieser hatte nach einem Intermezzo von nur drei Spielen mit drei Niederlagen um seine Ablösung gebeten. Zu Beginn der Saison saß noch Marcelo Chamusca auf der Bank, der aber ebenfalls sieglos blieb. Mit Lisca am Ruder gelang jedoch die Wende und Ceará holte mit ihm aus 9 Spielen 13 Punkte (3S, 4U, 2N), sodass man nach 18 von 38 Spielen nur noch 3 Punkte Rückstand auf EC Vitória und Vasco da Gama (gegen die man in der Nacht von Mo auf Di spielt) hat, die momentan punktgleich, nur durch die Tordifferenz getrennt, auf den letzten beiden Nichtabstiegsplätzen stehen. Hauptgrund für den Aufschwung des Teams aus dem Nordosten war vor allem die Stabilisierung der Defensive, die in den letzten 6 Partien nur 2 Gegentore zuließ. Lisca selbst rechnete vor, dass man aus den ausstehenden Spielen noch ca. 10 Siege für den Klassenerhalt benötigen würde. Der Trend spricht auf jeden Fall für seine Mannschaft und seine Motivationskünste sind in Brasilien berühmt.

Durch die Medien ging vor allem das Video vom 2. Saisonsieg Cearás am 15. Spieltag gegen Fluminense, den Lisca anschließend gemeinsam mit den Fans feierte und allein, ohne die Spieler, eine Ehrenrunde im Estádio Presidente Vargas drehte.

Lisca “Doido” – Liebling der Fans

Heldenstatus erlangte Lisca bei den alvinegros (den Schwarz-Weißen) bereits im Jahr 2015, während seiner ersten Amtszeit bei Ceará, als er den Verein nach einem unglaublichen Saisonendspurt vor dem Abstieg in die 3. Liga bewahrte. Er übernahm das Kommando neun Spieltage vor Saisonende und führte das Kellerkind zu 6 Siegen und 2 Remis, bei nur 1 Niederlage. Anbei das Video von der Nichtabstiegsfeier – natürlich mit Lisca in der Hauptrolle – nach dem letzten Spieltag an dem das Wunder mit einem 1:0 Sieg über Macaé perfekt gemacht wurde.

Vor allem seine heißblütige und mitreißende Art kommt zumindest bei den eigenen Fans sehr gut an. Seinen Spitznamen „doido“ (Verrückter) bekam er schon während seiner Zeit als Trainer von Juventude verpasst, nachdem er nach einem Sieg über Grêmio auf den Zaun kletterte und zusammen mit den Fans feierte. Außerdem führte er den Verein nach einer langen Leidenszeit zurück in die 3. Liga (Serie C). Ein anderes Mal imitierte er nach einem Sieg, nach Aufforderung der Fans, den Tortanz – „obwohl er eigentlich kein Tänzer ist“ – des gegnerischen Stürmers Neto Baiano, der an diesem Tag leer ausgegangen war.

Der Spitzname „doido“ ist mittlerweile unzertrennbar mit ihm verbunden. Obwohl Lisca zugab, dass er ihm früher nicht so recht gefallen hatte, und negative Auswirkungen auf seine Karriere befürchtete, hat er ihn inzwischen als positives Markenzeichen akzeptiert. Heute spielt er mit seinem Image und fuchtelt des öfteren wild mit seinen Händen am Kopf herum, um an seine Verrücktheit anzuspielen. Die Vovôs (dt. die Opas, Spitzname der Fans von Ceará) haben ihn in einen haka-ähnlichen Kampfschrei (siehe 1. Video) zu seinen Ehren eingebaut: „Fugiu do hospício, tem que respeitar. Lisca ‘Doido’ é Ceará” (Er floh aus dem Irrenhaus, ja das ist wahr, der „verrückte“ Lisca ist Ceará). Gefolgt von einem “eu acredito” (Ich glaube) an den Klassenerhalt.

Ein Leben lang Trainer

Der erst 46-jährige Coach der selbst nie Profi-Spieler war, arbeitet seit seinem 17. Lebensjahr als Trainer und hat in seiner 28-jährigen Trainerkarriere schon bei 22 verschiedenen Vereinen (teilweise als Jugendtrainer) in Brasilien gearbeitet. Allerdings kommt er aus einer Fußballerfamilie, sein Groß- und Urgroßvater hüteten jeweils das Tor von Internacional Porto Alegre. Auch wenn der Wandervogel bisher kein Titel gewinnen konnte und oft wegen mangelnden Erfolges entlassen wurde, gehört er zu den bekanntesten Trainern des Landes und erinnert mit seiner Emotionalität, Bodenständigkeit und Verbindung zu den Fans, ein wenig an Jürgen Klopp, nur dass er eben verrückter ist.