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Die Seleção mit einer bisher durchwachsenen Gruppenphase

So ganz angekommen ist die brasilianische Nationalmannschaft noch nicht bei der WM 2018 in Russland. Bisher schleppt sich die Seleção mehr durch die Gruppenphase, als das sie sie dominiert. Chefutbol blickt zurück auf die beiden Gruppenspiele gegen Schweiz und Costa Rica und gibt einen Ausblick auf das wichtige Spiel gegen die serbische Nationalmannschaft.

Mehr pfui, als hui

Die hochgehandelte Mannschaft von Coach Tité konnte bisher gegen die Schweiz und Costa Rica (noch) nicht überzeugen. Gegen die Eidgenossen musste sich die Seleção mit einem leidigen 1:1-Unentschieden zufriedengeben. Viel war nicht zu sehen von den starken Leistungen in der südamerikanischen WM-Qualifikation, als die Brasilianer furiosen Fußball zeigten. Zu durchwachsen war die Leistung gegen die Nati in der Offensive. Die Multi-Kulti-Truppe von Trainer Vladimir Petković hatte die Brasilianer das Spiel über gut im Griff. Zumindest defensiv. Offensiv kam von den Schweizern kaum was, bis auf den Kopfballtreffer von Steven Zuber. Die Südamerikaner versuchten mit aller Macht das Spiel zu gewinnen, doch am Ende fehlte der letzte Punch. Ein Traumtor von Philippe Coutinho “bescherte” den Brasilianer wenigstens noch das Remis. Der Start also verlief nicht ganz optimal. Gegen Costa Rica wollte und sollte sich die brasilianische Nationalmannschaft von ihrer besseren Seite zeigen. Auch gegen Los Ticos tat sich die Seleção schwer. Ein ums Andere Mal bewahrte Keeper Keylor Navas seine Mannschaft vor einem Rückstand. Bis zur allerletzten Minute mussten die brasilianischen Fans zittern, ehe Coutinho zum viel umjubelten 1:0 traf. Neymar erhöhte noch kurz vor Schluss auf 2:0.

Coutinho: Der Schlüsselspieler der Seleção

Das zweite Tor gegen die Costa-Ricaner war für Neymar sein bisheriges Highlight bei der WM. Vielmehr fällt er durch seine arrogante und meckernde Art auf. Zu oft sucht er den Kontakt zum Schiedsrichter, um klarzustellen, dass er nicht gerecht behandelt wird. Auch wenn er, wie gegen die Schweiz, vor allem von Valon Behrami, “ordentlich bearbeitet“ wurde, hat er es nicht nötig sich ständig zu beschweren. Dafür ist er ein viel zu guter Spieler. Sinnbildlich für sein bisheriges Auftreten bei der Weltmeisterschaft, war die Schwalbe gegen Costa Rica, als Schiedsrichter Björn Kuipers zuerst fälschlicherweise auf Elfmeter entschied und nach Absprache mit dem VAR (Video Assistant Referee) die Entscheidung zurücknahm. Die Netzreaktionen ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Nach seiner Schwalbe und seinem Auftreten auf und neben dem Platz erntete der Superstar viel Hohn und Spott im In- und Ausland.

Im Gegensatz zu Neymar aber, blüht ein Spieler regelrecht auf. Philippe Coutinho ist der bisher alles überragende Spieler der Seleção. Seine beiden Treffer gegen Schweiz und Costa Rica retteten die Brasilianer vor einer Blamage. Anders als Neymar, fällt der Mittelfeldspieler mit starken Leistungen auf und beschäftigt sich kaum mit Nebenschauplätzen.

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Facebook/ Confederação Brasileira de Futebol

Bisher ist es nicht die Weltmeisterschaft der Brasilianer. Das könnte sich aber mit einem Sieg gegen Serbien ändern. In der KO-Phase warten dann nämlich andere Kaliber auf das Team von Coach Tité – vorausgesetzt die Brasilianer gewinnen gegen die Serben. Auf dem Papier waren die Gruppengegner – eigentlich – schwächer, sodass viele dachten, dass das ein Spaziergang wird für die Kicker vom Zuckerhut. Nichtsdestotrotz gelten die Brasilianer weiterhin als heißer Kandidat auf den WM-Titel, auch wenn sie in den zwei Spielen bisher (noch) nicht überzeugen konnten.

Ausblick auf das letzte Gruppenspiel der Seleção gegen Serbien

Brasilien hat gegen Serbien ein Endspiel. Das war nach dem 1:1 im Auftaktspiel gegen die Schweiz schon erwartet worden und wird die Seleção auch nicht sonderlich nervös machen. Zumal es auch anderen Favoriten so ergeht und sich die Spieler mit Drucksituationen auskennen. Dennoch werden sie wissen, dass sie sich nun keine Nachlässigkeiten mehr erlauben dürfen.

Zwar standen sie in keinem der beiden vorherigen Spiele weder am Rande einer Niederlage, noch unter immensem Dauerdruck, doch eine unkonzentrierte Aktion hätte den Außenseitern genügt um in Führung zu gehen. Bei der individuellen Stärke Serbiens könnte im abschließenden Gruppenspiel jeder kleine Fehler, zu einer gefährlichen Aktion des Gegners führen – und bei ausbleibendem eigenen Torerfolg sogar zum Aus.

Viel wichtiger wird für die Brasilianer ihr eigenes Spiel sein. Ziel muss es sein, ihre spielerische Dominanz, die die Seleção in den ersten beiden Spielen immer wieder aufbaute, konstanter in den 90 Minuten auf das Feld zu bringen. Im Abschluss gilt es effektiver zu sein und sich nicht mit den vielen kleinen Nicklichkeiten, mit denen fußballerisch limitierte Teams versuchen der spielerischen Klasse der brasilianischen Ballkünstler entgegen zu treten, zu befassen. Vor allem Neymar wird Tité in den letzten Tagen dabei nochmal ins Gewissen geredet haben. Bei aller Klasse, muss er dem exzentrischen Star der Mannschaft deutlich machen, dass seine Mätzchen gleichzeitig auch den Spielfluss der eigenen Mannschaft stören.

Auf dem Feld wird der Nationaltrainer wohl keine Experimente eingehen. Er ist nicht bekannt dafür seine Mannschaft nach schwachen Spielen groß umzukrempeln. Daher wird es auch gegen Serbien wohl maximal zu ein zwei Veränderungen kommen. Hinten rechts in der Viererkette wird Fagner weiterhin den an Hüftbeschwerden leidenden Danilo ersetzen. Die Frage, ob eventuell Douglas Costa gegen Serbien starten wird wie in brasilianischen Medien spekuliert wurde, hat sich erübrigt. Der Flügelstürmer hat sich eine leichte Verletzung im hinteren rechten Oberschenkel zugezogen, ist im Team-Quartier in Sotchi geblieben und gar nicht erst mit der Mannschaft nach Moskau gereist. Somit dürfte Willian trotz schwachen Auftritts zuletzt, auf der rechten Offensivseite starten. Eine Überlegung wäre Coutinho vorzuziehen und Fernandinho stattdessen ins Mittelfeld zu stellen. Angesichts der starken Leistungen Coutinhos im Zentrum in den ersten beiden Begegnungen ist das allerdings eher unwahrscheinlich.