Luan
Fernando Frazão/Agência Brasil (Wikimedia Commons)

Luan – der nächste brasilianische Superstar auf dem Sprung nach Europa?

Jahr für Jahr wechseln brasilianische Topspieler nach Europa. Nach dem Transfer von Gabriel Jesus zu Manchester City könnte Luan der nächste brasilianische Star sein, der seine Karriere in einer der Topligen Europas fortsetzt.

Der 24-jahrige stürmt seit 2013 für Gremio und steht dort bis zum Ende des Jahres 2018 unter Vertrag. Aktuell bemühen sich die Verantwortlichen um Vizeprasident Odorico Roman darum, den Kontrakt bis 2019 auszudehnen: “Die Verhandlungen verlaufen gut. Wir diskutieren Punkt für Punkt. In einigen sind wir uns bereits einig, andere müssen noch definiert werden”, bemerkt Roman. Allerdings scheint Luan nicht unverkäuflich und Gremio bei einem entsprechend guten Angebot gesprächsbereit. Bereits beim Transfer von Walace zum Hamburger SV sagte der Sportdirektor Valdir Espinosa: “Es gibt Situationen, die außerhalb unserer Wünsche und Träume sind. Es ist der Wunsch aller, die besten Spieler in unseren Reihen zu behalten, manchmal ist das aufgrund ökonomischer Aspekte jedoch nicht möglich.” Zudem merkten die Verantwortlichen bereits an, dass zur Finanzierung des Kaders ein weiterer Verkauf nötig sein wird.

Copa Libertadores als nächstes Titelziel

Die Nummer 7 Gremios beschäftigt dies aktuell weniger. Luan hat den Traum mit Gremio die Copa Libertadores zu gewinnen. Nachdem der Stürmer zu Beginn der Saison nach schwankenden Leistungen in der Kritik stand, scheint er langsam Fahrt aufzunehmen. Im letzten Gruppenspiel gegen Deporte Iquique führte er sein Team mit zwei Toren zum wichtigen 3:2-Erfolg. Zudem erzielte er insgesamt drei Tore in der Staatsmeisterschaft “Gaucho” und steht mit Gremio im Halbfinale. Laut dem Internetportal transfermarkt.de ist Luan aktuell der wertvollste Spieler der Copa Libertadores und kann auf 20 Torbeteiligungen in 47 Spielen im Jahr 2016 zurückblicken. Insgesamt war die Saison 2016 eine sehr erfolgreiche für den 24-jahrigen Stürmer. Neben dem Erfolg in der Copa do Brasil konnte er den Gewinn der olympischen Goldmedaille im eigenen Land feiern.

Von der Favela in die grossen Stadien dieser Welt?

Der Weg zu diesen großartigen Erfolgen ist allerdings nicht mit den sogenannten “Karriereplänen” europäischer Spieler zu vergleichen. Die Karriere Luans verlief alles andere als geradlinig. Sein Vater verstarb als er 5 Jahre alt war. So wuchs er gemeinsam mit seiner Mutter und Oma in ärmlichen Verhältnissen in einer Favela auf. Erst sehr spät entschied er sich für eine Karriere als Fussballprofi, angetrieben von dem Wunsch seiner Mutter ein besseres Leben zu ermöglichen. So kam es, dass er im Alter von 18 Jahren erstmals auf einem Rasenplatz kickte und dem Strassenfußball den Rücken kehrte.

Seine Wurzeln sind allerdings unverkennbar, da sich sein Spiel insbesondere durch starke Dribblings und eine perfekte Ballbehandlung auszeichnet. Letztendlich wechselte er im Jahr 2013 zu Gremio Porto Alegre und schaffte innerhalb kürzester Zeit den Sprung vom B-Team zu einer festen Größe der Gremista. Seine Herkunft vergisst er allerdings nicht. Eines seiner vielen Tattoos beinhaltet die Phrase: “você sai da favela, mas a favela não sai de você”. Ins deutsche übersetzt bedeutet es, dass die Favela immer ein Teil von ihm bleiben wird, egal wohin sein Weg führt. Noch heute hält er engen Kontakt zu seinen Freunden und besucht seine alte Heimat wann immer es der Spielplan zulässt. Möglicherweise muss er demnächst einen etwas weiteren Weg für Heimfahrten einplanen, wenn er den Sprung in eine der großen Ligen Europas wagt.