Seleção

So hat die Seleção bei der WM abgeschnitten

Am kommenden Sonntag findet das WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien statt. Die brasilianische Nationalmannschaft musste hingegen im Viertelfinale die Segel streichen. Die hochgehandelte Seleção spielte ein, für ihre Verhältnisse, enttäuschendes Turnier. Chefutbol nimmt die einzelnen Spieler unter die Lupe. 

Torhüter

Alisson (1): Der Stammtorhüter hatte während des ganzen Turniers kaum Möglichkeiten sich auszuzeichnen. Machte seinen Job aber relativ souverän. Sah bei den Kopfballgegentoren gegen Schweiz und Belgien nicht ganz so gut aus, hatte aber im Endeffekt keine Chance. An ihm lag es nicht, dass die Brasilianer schon im Viertelfinale die Segel streichen mussten.

Ederson (23): Ging als Nummer Zwei ins Turnier. Spielte keine Minute, fieberte aber von außen mit seiner Mannschaft mit. Fun Fact am Rande: Brachte seinen Coach Tité beim Torjubel zum Stürzen.

Cássio (16): Blieb ebenso wie sein Torwart-Kollege Ederson ohne Einsatz während der Weltmeisterschaft. Zeigte sich, wie Ederson, als Motivator von der Bank.

 

Verteidigung

Danilo (14): Zeigte im Auftaktspiel gegen Schweiz eine akzeptable Leistung. Der rechte Außenverteidiger von Manchester City rückte vor Turnierbeginn für den verletzten Dani Alves in die Startelf. Verletzte sich aber gleich im ersten Spiel am Knöchel und konnte keine weitere Partie mehr bestreiten.

Fagner (22): Für viele Fans kam seine Nominierung überraschend. Rückte für den verletzten Danilo ab dem zweiten Gruppenspiel in die Startelf Brasiliens. Der Ex-Wolfsburger war keineswegs ein adäquater Ersatz auf der rechten Außenbahn. Zeigte sich bemüht, war aber stets überfordert.

Miranda (3): Bildete mit Thiago Silva die Oldie-Innenverteidigung der Seleção. Zeigte das Turnier über, trotz seiner 33 Jahre, eine akzeptable Leistung, war aber nicht der erhoffte Stabilisator in der Defensive. Gilt als einer der „Lieblingsspieler“ von Nationaltrainer Tité – Miranda spielte die komplette WM durch und stand in (fast) allen WM-Qualifikationsspielen in der Startelf.

Thiago Silva (2): Der Routinier war einer der Lichtblicke im Team von Coach Tité. Im Gegensatz zu seinem Partner Miranda, wusste Thiago Silva durchwegs zu überzeugen. Auch als Torschütze konnte der Verteidiger von PSG glänzen: Im Spiel gegen Serbien köpfte er einen Eckball mustergültig zur 2:0-Führung. Im Großen und Ganzen war es für ihn persönlich ein starkes, und vermutlich, sein letztes Turnier.

Marquinhos (13): Der junge Innenverteidiger war, für viele überraschend, nur dritte Wahl im System von Tité. Lediglich im Achtelfinale gegen Mexiko kam Marquinhos zu einem Kurzeinsatz.

Pedro Geromel (4): Spielte eine starke Saison bei Grêmio und wurde dementsprechend auch mit einer Nominierung belohnt. Er war der einzige Innenverteidiger ohne Einsatz. Von seiner WM-Nominierung wird er wohl in Jahren noch seinen Enkeln erzählen.

Marcelo (12): Der Linksverteidiger von Real Madrid ging als Kapitän in das Turnier. Spielte gewohnt sehr offensiv und erledigte seine Sache im Auftaktspiel gegen die Schweiz souverän. Zog sich im letzten Gruppenspiel gegen Serbien einen Hexenschuss zu und wurde früh ausgewechselt. Ging leicht gehandicapt ins Viertelfinale und konnte dementsprechend nicht an seine vorherigen Leistungen anknüpfen. Trotzdem ist er unverzichtbar für die brasilianische Nationalmannschaft.

Filipe Luís (6): Vertrat den verletzten Marcelo in den Spielen gegen Serbien und Mexiko, konnte ihn aber nicht ersetzen. Für den mittlerweile 32-Jährigen war die WM wohl sein letztes großes Turnier im Dress der Seleção.

 

Mittelfeld

Casemiro (5): Erledigte seinen Job als Staubsauger vor der Abwehr gewohnt zuverlässig. Im Viertelfinale gegen Belgien fehlte er aufgrund einer Gelbsperre. Seinen Ausfall konnte nicht kompensiert werden, seine Stärken gegnerische Angriffe zu erahnen und auch mal rigoros zu unterbinden, wäre gegen das schnelle Umschaltspiel der Belgier von immensen Wert gewesen. Kann mit seiner persönlichen Leistung zufrieden sein und trug wesentlich zur Stabilisierung der Defensive bei.

Fernandinho (17): Die tragische Figur im brasilianischen Team bei dieser WM. In den ersten vier Auftritten immer als Joker ins Spiel gekommen, durfte er im Viertelfinale gegen Belgien für den gelbgesperrten Casemiro von Beginn ran und konnte ihn nicht ansatzweise ersetzen. Er kam nicht in die Zweikämpfe und lief den schnellen Offensivspielern der Belgier hinterher. Obendrein brachte er sein Team durch sein Eigentor auf die Verliererstraße. Nach der 1:7-Pleite gegen Deutschland vor vier Jahren, erneut ein Gesicht des Ausscheidens.

Fred (18): Der einzige Mittelfeldakteur ohne Einsatz bei dieser WM. Machte während des Turniers lediglich durch seinen millionenschweren Transfer von Schachtar Donezk zu Manchester United auf sich aufmerksam.

Paulinho (15): Als Achter im Mittelfeld gesetzt, war er im Gegensatz zu seinem Pendant Coutinho auf der linken Seite, defensiver unterwegs und war für die Stabilität im Mittelfeld verantwortlich. Gegen Serbien traf er zur wichtigen 1:0-Führung, in den K.o.-Duellen gegen Mexiko und Belgien blieb er blass. Wurde von Tité in jedem Spiel vorzeitig ausgewechselt. Verlässt nach der WM den FC Barcelona und wechselt zurück zu Guangzhou Evergrande nach China.

Renato Augusto (8): Dass der Ex-Leverkusener im WM-Kader stand überraschte nur diejenigen, die die Seleção nicht regelmäßig verfolgen. Seit seinem Amtsantritt setzt Tité auf die Erfahrung des mittlerweile in Peking spielenden Mittelfeldspieler. Wurde dreimal eingewechselt und traf gegen Belgien. War zwar nur Ergänzungsspieler aber nahm durch seine Erfahrung eine wichtige Rolle innerhalb der Mannschaft ein. Sportlich Schlagzeilen hätte er geschrieben, wenn seine Mannschaft das Spiel gegen Belgien noch gedreht hätte.

 

Angriff

Willian (19): Der Wirbelwind auf der rechten Seite drehte erst im Achtelfinale so richtig auf und sorgte mit seinen Tempo-Dribblings für Chaos in der mexikanischen Abwehr. Davor war er in drei Vorrundenspielen äußerst blass geblieben und wohl nur aufgrund der Verletzung von Douglas Costa in der Startelf geblieben. Wurde von Tité sowohl gegen Costa Rica als auch gegen Belgien in der Halbzeit ausgewechselt. Eine einzige Vorarbeit im Spiel gegen Mexiko sind zu wenig und belegen die schwachen WM-Auftritte des Außenstürmers.

Philippe Coutinho (11): Trotz des enttäuschenden Verlaufs des Turniers, der Gewinner im Kader von Tité. Machte direkt im ersten Spiel gegen die Schweiz ein Traumtor. Auch in den folgenden Partien kurbelte er die Offensive der Brasilianer mächtig an. Und im Gegensatz zu Neymar ließ er sich nicht auf Spielchen der Gegner ein und konzentrierte sich auf seinen Job, was viele Menschen in der Heimat honorierten. Zwei Tore und zwei Assists stehen bei ihm zu Buche (genauso viele wie Neymar), dennoch war er es, der dem brasilianischen Spiel seinen Stempel aufdrückte.

Douglas Costa (7): Ein wenig der Pechvogel der Brasilianer. Kam verletzungsbedingt lediglich zu zwei Einwechslungen. Überzeugte bei seinen Auftritten mit Tempo und Zielstrebigkeit. Wäre in fittem Zustand eine starke Alternative zum schwach ins Turnier startenden Willian gewesen. So spielte er nur eine Nebenrolle im Team der Brasilianer.

Gabriel Jesus (9): Für Tité ganz klar Stürmer Nummer eins. Auch seine unglücklichen Auftritte änderten daran im Verlauf des Turniers nichts. Blieb ohne Treffer und überzeugte lediglich durch Leidenschaft und Einsatzwillen. Der junge Stürmer von Manchester City zeigte bei seiner ersten WM noch erhebliches Steigerungspotenzial und war beim Saisonhighlight weit von seiner Topform entfernt.

Neymar (10): Es sollte seine WM werden und schlussendlich redete auch die ganze Welt über ihn. Nur leider nicht wegen seiner fußballerischen Auftritte. Sein divenhaftes Auftreten und seine schauspielerischen Falleinheiten nervten selbst Fans und Experten in der Heimat. Stand trotz zwei Toren und zwei Assists im Schatten von Coutinho. In Erinnerung werden neben seinen unterschiedlichen Frisuren, die mehrmaligen Umdrehungen und das schmerzverzerrte Gesicht bleiben, die er nach einem harmlosen Tritt von Mexikos Layun auf den Rasen zauberte.

Roberto Firmino (20): Zeigte bei seinen Auftritten die Tugenden die ein Trainer von einem Joker sehen will. Er brachte sofort Schwung in das Offensivspiel und benötigte keine Anlaufzeit. Traf gegen Mexiko nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung. Kam viermal von der Bank und konnte ausgerechnet bei seinem längsten Einsatz, in der zweiten Hälfte gegen Belgien, keine Akzente setzen. Dennoch bleibt die Frage, warum Tité sein Team kein einziges Mal mit Firmino in der Startelf aufgestellt hat.

Taison (21): War im Angriff nur Stürmer Nummer fünf. Der Spieler von Schachtar Donezk blieb wie sein Freund Fred ohne Einsatz.