Sport Club do Recife: Erster brasilianischer Meister aus dem Nordosten – Portrait

Die Stadt Recife im Nordosten von Brasilien ist weniger wegen eines Fußballklubs, sondern eher wegen des tropischen Wetters und den vielen Stränden bekannt. Und doch sorgt gerade ein Underdog von dort, Sport Club do Recife, für Furore im Campeonato Brasileiro. Höchste Zeit also, diesen Verein etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Klub gehört, obwohl er schon vor über 100 Jahren gegründet wurde, nicht zu den bekanntesten oder ruhmreichsten Vereinen in Brasilien. Seine Geschichte ist lang, jedoch von keiner großen Titelsammlung geprägt. Ausgenommen mal die Titel des Campeonato Pernambuco. Hier ist Sport Recife unantastbarer Rekordsieger mit insgesamt 41 Titeln. Es fehlen richtige Konkurrenten im kleinen, immerhin etwa „portugalgroßen“ Bundesstaat.
Die lange „erfolglose“ Zeit auf landesweiter Ebene lässt die Fans aus der 1,5 Millionen Einwohnerstadt ihren Verein jedoch nicht weniger lieben. Die Vereinshymne von Sport Recife wird von ihnen im traditionellen pernambucanischen Stil „frevo“ gespielt, vergöttert und im Stadion gesungen. Mit lauten Blechblasinstrumenten und voller Stolz wird das Gründungsdatum der 13. Mai 1905 mitsamt Gründer Guilherme de Aquino besungen. Ein reicher Ingenieursstudent der Stadt, der bei einem Studienaufenthalt in Cambridge das erste Mal mit Fußball in Kontakt trat und von der Sportart so fasziniert war, dass er nach seiner Rückkehr nach Brasilien den Sport Club do Recife gründete. Auch die Schwarz-Roten Farben des Klubs und das Wappen mit einem gelben Löwen, werden in der Vereinshymne gehuldigt: „(…) listras pretas e vermelhas, com o Leão (…)“. Schon seit über 50 Jahren ziert der König der Tiere das Wappen des Klubs und ist steht zugleich Pate für einige Kosenamen des Vereins wie beispielsweise Leão da Ilha oder Leão do Norte.

Sport Recife/Facebook

https://scontent-frt3-2.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/14642343_1308797259153359_6097816865217279407_n.png?_nc_cat=0&oh=1999f93ca563ba50eaaf9d5b27deb3c2&oe=5BA897AE

Nach einem der ersten Auftritte als neu gegründeter Verein, gewann Sport Recife 1919 in Belém eine erste Trophäe. Als sich die Delegation per Schiff auf dem Heimweg Richtung Recife befand, trafen sie auf einen unglücklichen Fan des Verliererteams, der frustriert den Schwanz des Löwen, welcher ebenso wie ein griechischer Bogenschütze auf dem Gewinnerpokal abgezeichnet war, zerstörte. Der Verein beschloss daraufhin, den Kelch nicht nur zu reparieren, sondern darüber hinaus auch den König der Tiere in das Vereinswappen aufzunehmen. Auch das Maskottchen im heimischen Stadion, ab 1937 das Estádio Ilha do Retiro, war in der Folge – und ist es bis heute – ein Löwe.

Campeonato Brasileiro in Chaos-Saison 1987

Sportlich machte der Verein erst einige Dekaden später über die Grenzen von Pernambuco hinaus auf sich aufmerksam. 1987 wurde Sport Recife erstmals und bis heute zum einzigen Mal brasilianischer Campeão. Es war ein Meistertitel in einer skandalösen, chaotischen Austragungsrunde. Aufgrund einer Teilnehmerkürzung vor der Saison, organisierten sich 13 zum Teil namhafte nicht an der Liga teilnehmenden Klubs, um eine parallel stattfindende Meisterschaft zu absolvieren. Am Ende der Saison waren Guarani FC und Sport Recife in der Liga des Verbandes auf den ersten beiden Plätzen. In der selbst organisierten Gruppe hatten sich Flamengo Rio de Janeiro und SC Internacional durchgesetzt. Der Verband wollte, um die Glätten wieder etwas zu wogen, die zwei Erstplatzierten der beiden Gruppen in einem Halbfinalmodus die Meisterschaft unter sich austragen lassen – was Flamengo und Internacional jedoch ablehnten. Folgerichtig lautete das Finale Sport-Guarani, welches Recife in der Folge knapp für sich entscheiden konnte. Bis heute pochen vor allem noch Flamengo-Fans auf „ihre“ Meisterschaft. Leões do Norte -Anhängern wird es egal sein, offizieller Meister des Campeonato Brasileiro 1987 ist Sport Recife.
Es folgten viele erfolglose Jahre an der Atlantikküste im Bundesstaat Pernambuco. Erst das Spieljahr 2008 ging nach einer Berg- und Talfahrt, die von mehreren Auf- und Abstiegen in den 1990er Jahren gekennzeichnet war, wieder in die Annalen der Klubgeschichte ein. Os Leões do Norte gewannen als erste Mannschaft aus Nordost-Brasilien überhaupt, die Copa do Brasil. Und das auf spektakuläre Weise, denn auf dem Weg ins Finale schaltete Sport Recife unter anderem Großkaliber wie SE Palmeiras und Vasco de Gama aus. Im Finale wurde dank der Auswärtstorregelung Corinthians São Paulo knapp bezwungen (2:0, 1:3).
“O Sport será um autêntico campeão, pois nasceu sob o signo da valentia e dele jamais se apartará” („Sport Recife wird ein wahrer Champion sein, denn er wurde im Zeichen des Mutes geboren und dieser wird ihn nie verlieren“), heißt es in der Vereinshymne pathetisch. Und selbst wenn der Verein durch seine geringen sportlichen Erfolge wenige nationale Legendentitel erreicht hat, so entstammen dem Klub durchaus Legenden, die später auf landesweiter und sogar weltweiter Ebene für große Erfolge standen.

Ademir de Menezes und Vavá erlangen Weltruhm – nachdem sie Recife verlassen

Die größte Legende des Vereins spielte nur wenige Jahre für den Verein seiner Heimatstadt. Ademir de Menezes, kurz Ademir. Der Sohn des ehemaligen Sport Recife Präsidenten Antonio Rodrigues Menezes, blickte am Ende seiner Karriere auf stolze 497 Spiele und unglaubliche 396 Tore zurück. Bei der Heim-WM 1950 traf er vor 160`000 Zuschauern vier Mal beim 7:1 gegen Schweden im Maracanã.

Ademir/Brasilien

http://www.solofutbol.cl/Imagenes/Albunes%20de%20futbol/brasil/brasil%201950/Ademir.jpg

Auch Vává (Edvaldo Izídio Neto) später an der Seite von unter anderem Garrincha und Pelé 1958 und 1962 Weltmeister, startete seine Profikarriere bei Sport Recife. Mit den zwei erstgenannten, spielte er in der wohl besten brasilianischen Auswahl aller Zeiten.
Jüngeren Generationen sind eher Namen wie Juninho Pernambucano (u.a. Olympique Lyon) oder Marcelinho (u.a. Hertha BSC Berlin) ein Begriff. Auch sie hinterließen an der Atlantikküste ihre Fußspuren.
Aufgrund eines bemerkenswerten Vorfalls, schaffte es der Verein übrigens vor zwei Jahren in die internationalen Medien. Nach dem es bei Spielen von Sport Recife immer wieder zu Ausschreitungen und Verletzungen kam, sorgte der Verein für ein Novum. Die Mütter einiger „Problemfans“ wurden kontaktiert und gebeten, während dem Spiel bei Stadtrivale Náutico Capibaribe in der WM-Arena Pernambuco als Ordner („seguranças mães“) für Sicherheit, Ordnung und Respekt in den Fanblöcken zu sorgen. Und oh Wunder, das Duell blieb ausnahmsweise gewaltfrei.