Chile
Flickr / Eduardo Llanquileo

Saisonvorschau Chile: Wer macht das Rennen in der Clausura?

Die großen Drei

Ganz Südamerika ist wieder einmal vom Fußballfieber gepackt, auf dem gesamten Kontinent beginnen erneut die Ligen bzw. haben schon begonnen! Volle Stadien, beeindruckende Kulissen, frenetische Fans und fesselnde Begegnungen stehen nun endlich wieder an der Tagesordnung! Auch die chilenische Liga steht in den Startlöchern für die neue Saison. Wer wird in dieser „Temporada“ das Rennen machen? Spielen die drei großen Clubs aus der Hauptstadt Santiago de Chile den Titel untereinander aus oder gibt es doch einen Überraschungsmeister? 

Bevor es jedoch zu einer detaillierten Vorschau und Prognose der diesjährigen Spielzeit und der Analyse der Teams geht, kurz einige allgemeine Informationen zum Ablauf des Ligaalltags im Südwesten Südamerikas.

Wie in Südamerika üblich, gliedert sich auch die Primera División in zwei Halbserien: die Apertura und die jetzt bevorstehende Clausura. Nach Abschluss der jeweiligen Halbserien kommt es zu den Playoffs mit Hin- und Rückspiel zwischen den insgesamt acht besten Teams der Liga, aus denen dann der Meister hervorgeht. Nachdem die Liga ursprünglich aus 18 Teams bestand, wurde sie in der Saison 2015/16 auf 16 Teams reduziert. Sind sowohl Apertura als auch Clausura gespielt, werden die Punkte aus beiden addiert, sodass aus der Gesamtpunktzahl die finalen Tabellenplätze ermittelt werden können. Die beiden Teams auf den Plätzen 15 und 16 steigen in die Primera B ab.

Für die Copa Libertadores qualifizieren sich insgesamt drei Teams. Automatisch dabei sind die Gewinner der beiden Halbserien. Entscheidet der gleiche Club sowohl Apertura als auch Clausura für sich, qualifiziert sich stattdessen das Team mit den meisten Punkten aus den Gruppenspielen der Clausura. Das letzte Startrecht geht an den Gesamtsieger aus Apertura und Clausura nach Blick auf die Gesamtpunktzahl, solange dieses noch nicht auf andere Weise für die Copa qualifiziert ist.

Stellt man sich die Frage, wer als diesjähriger Meister der Primera División in Betracht kommt, muss man auf jeden Fall einen Blick auf die Topfavoriten der Liga werfen: Universidad de Chile, Universidad Católica und den Rekordmeister CSD Colo Colo.

Universidad de Chile

Universidad de Chile

von TegazUl , via Wikimedia Commons

Der Verein

Beim CF Universidad de Chile handelt es sich um einen der bekanntesten und beliebtesten Clubs des ganzen Landes. Ursprünglich gegründet von Studenten der gleichnamigen Universität der Hauptstadt Santiago im Oktober 1928, löste man 1980 die Bindung zur Bildungseinrichtung und war fortan ein unabhängiger Club, der sich obendrein ausgesprochen erfolgreich entwickelte. Mit 17 Meisterschaften, vier Pokalsiegen und dem Gewinn der Copa Sudamericana im Jahre 2011 als erstes chilenisches Team liest sich die Bilanz von „La U“ mehr als positiv. Eine besondere Rivalität besteht, schon allein aufgrund der geographischen Nähe, zum Rekordmeister CSD Colo Colo. Für einen „Aficionado“ von Universidad gibt es nichts Größeres als einen Besuch des sogenannten „Clásicos“ im heimischen Estadio Nacional. Dann geht es sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen hoch her in Chiles Hauptstadt!

Die Mannschaft

In der spielfreien Phase zwischen Apertura und Clausura war auf dem Transfermarkt von Universidad de Chile wenig zu sehen. Die Verantwortlichen haben bereits im Sommer 2016 ihre Hausaufgaben gemacht, indem sie einen schlagkräftigen Kader zusammenstellten. Königstransfer war hierbei Jean Beausejour, der für umgerechnet 2,3 Mio. € vom Erzrivalen Colo Colo losgeeist wurde und für defensive Stabilität sorgen soll. Aus der türkischen Süper Lig stößt zur neuen Temporada der junge Argentinier Lucas Ontivero zum Team, der gemeinsam mit dem Sommertransfer Mario Briceno vor allem durch Geschwindigkeit Unruhe im gegnerischen Strafraum stiften soll.

 Jean Beausejour, Königstransfer des Sommers

Auch in der Breite hat der Kader zugelegt: mit den Verpflichtungen von Jonathan Zacaría (Linkes Mittelfeld), Lorenzo Reyes (Defensives Mittelfeld), Franz Schultz (Rechtes Mittelfeld), Christián Vilches (Innenverteidigung) und Juan Leiva (Zentrales Mittelfeld) hat man auf fast allen Positionen mehrere Optionen, was dem Kader mehr Flexibilität verleiht. Lediglich der Abgang von Mathías Coruja, der für 1,6 Mio € zu San Lorenzo nach Argentinien wechselte, hinterließ ein Loch auf der rechten Verteidigerposition. Ziel muss es sein, die teils hanebüchenen Fehler in der Defensive in der Apertura abzustellen. Trotz der teilweise bockstarken Offensive, die es immerhin auf 23 eigene Treffer brachte, sind für ein Team mit dem Format von „La U“ 22 Gegentore in 15 Spielen definitiv zu viel, um oben mitzuspielen. Insgesamt weist der Kader eine gute Breite auf, sodass etwaige Verletzungen im Saisonverlauf gut kompensiert werden können.

„One to watch“

Lucas Ontivero, Felipe Mora, Mario Briceno.

Der Trainer

Coach des Teams ist seit dem 1.1.2017 der 53 Jahre alte Argentinier Ángel Guillermo Hoyos, zuvor Nationaltrainer Boliviens. „La U“ ist bereits die 13. Station von Hoyos, der seine Karriere einst als Trainer der zweiten Mannschaft vom FC Barcelona begann. Bislang ist es ihm bei keiner seiner Stationen gelungen, etwas Blechernes am Ende der Saison in die Höhe zu strecken. Das soll sich bei Universidad diesmal ändern; das Potenzial hierfür hat das Team allemal.

Chefutbol Prognose

Platz 7 aus der vergangenen Apertura entspricht definitiv nicht dem eigentlichen Leistungsvermögen von Universidad. Der Anspruch des Clubs, der mit 15,6 Mio. € den teuersten Kader der Liga hat, muss definitiv die Qualifikation für die Copa Libertadores sein. Das Potenzial ist auf alle Fälle vorhanden. Wenn man die Defensivleistung im Vergleich zur Apertura verbessern kann, und den Offensivdrang beibehält, kann Universidad um den Titel mitspielen und die letzte Halbserie in Vergessenheit geraten lassen.

Universidad Católica

Universidad Catolica

Von King Cruzado UC – via Wikimedia Commons

Der Verein

Aus dem Barrio San Carlos de Apoquindo im Osten von Santiago kommt der zweite Universitätsclub der Hauptstadt, der Club Deportivo (kurz CD) Universidad Católica. Mit insgesamt zehn Meistertiteln und fünf Pokalerfolgen, sowie einem Gewinn der Copa Interamericana im Jahre 1994 unter der Ägide des heutigen Startraines Manuel Pellegrini, gehört auch „UC“ zu den besten und beliebtesten Clubs des Landes. Die Heimspiele der „Cruzados“ werden im Estadio San Carlos de Apoquindo im gleichnamigen Stadtteil ausgetragen. Das Fassungsvermögen der kleinen, jedoch äußerst atmosphärischen Arena beträgt 20.000 Plätze.

Die Mannschaft

Das Team von UC wird in der Clausura vor eine immense Aufgabe in der Offensive gestellt. Nicolás Castillo, den man für die Apertura vom FC Brügge auslieh, erwies sich als echter Goalgetter und führte die vereinsinterne Scorerliste mit sagenhaften 13 Toren und fünf Vorlagen in nur zwölf Spielen an und machte somit Platz 1 in der vergangenen Halbserie erst möglich. Castillo kehrte Anfang 2017 kurzfristig nach Belgien zurück und spielt mittlerweile bei den Pumas in Mexiko. Nun gilt es, die offensiven Aufgaben auf mehreren Schultern zu verteilen. Die Lücke, die Castillo hinterlassen hat, könnte gemeinschaftlich von Diego Buananotte und José Pedro Fuenzalida gefüllt werden, die zusammengenommen in der Apertura auf elf Tore und vier Vorlagen kamen.

 Entscheiden wird sein, wie Católica die Lücke auffangen kann, die Nicolás Castillo hinterlassen hat

Aber auch auf dem Transfermarkt blieb Universidad nicht untätig: mit dem 36-jährigen Santiago Silva, der unter anderem auch in der Bundesliga für Energie Cottbus seine Stiefel schnürte, verpflichtete man eine erfahrene Offensivkraft, die sofort einsatzbereit ist und das Team unterstützen kann. Mit den beiden Rechtsaußen Ricardo Noir und Christian Bravo schloss man Leihverträge um in der Abteilung Attacke schlichtweg variabler und flexibler aufgestellt zu sein. Noir deutete sein Potenzial mit drei Toren und einer Vorlage in neun Spielen bereits an. Mit dem 27-jährigen Chilenen Alfonso Parot kam eine zusätzliche Kraft auf Leihbasis für die linke Verteidigerposition. Abgesehen von Castillo blieb das Grundgerüst der Mannschaft bestehen: lediglich Marco Medel (ablösefrei zu O’Higgins) und Matías Mier (ebenfalls ablösefrei zu Muaither SC nach Katar) sind als Abgänge zu verzeichnen.

„One to watch“

Jaime Carreno, Guillermo Maripán.

Der Trainer

Aktueller Trainer von UC ist seit dem 1.1.2015 der 49-jährige Chilene Mario Alfredo Salas Saieg, der zuvor unter anderem die U-20 Nationalelf von Chile coachte. Saieg bevorzugt das 4-2-3-1-System und setzt neben zusätzlicher defensiver Stabilität durch zwei zentrale Mittelfeldspieler auch auf die Unterstützung der alleinigen Spitze durch einen klassischen Zehner, der das Spiel gestalten soll. Der Chilene ist somit weder für eine besonders defensive, noch offensive Spielweise bekannt; das Spielsystem ist ausgewogen und auf jeden Gegner beliebig anpassbar.

Chefutbol Prognose

Für den Verlauf der Clausura wird es für Universidad Católica entscheidend sein, wie der Abgang von Castillo aufgefangen werden kann und, ob auch ohne ihn die Offensivmaschinerie der ersten Halbserie (37 Tore in 15 Spielen) weiterläuft. Bei einer solch immensen Torausbeute fallen die 18 Gegentore kaum ins Gewicht, jedoch ist es gerade in einer Phase der offensiven Neuorientierung von übergeordneter Bedeutung, dass die Hintermannschaft kompakt steht und wenig Chancen zulässt. Wenn das Offensivquartett um Buananotte, Kalinski, Noir und Fuenzalida es schafft weiterhin Chancen zu kreieren und sich die Defensivabteilung mit Abwehrtalent Maripán als Bollwerk präsentiert, ist für „UC“ nach oben hin alles möglich, weshalb eine erneute Spitzenplatzierung keine Überraschung darstellen würde.

CSD Colo Colo

Von Danielcuei – via Wikimedia Commons

Der Verein

Der Club Social y Deportivo Colo Colo ist vermutlich der erste Verein, der einem in den Sinn kommt, wenn man an Fußball im Andenstaat denkt. Mit 31 Meisterschaften, zehn Pokalsiegen und einem Copa Libertadores-Titel sind die „Los Albos“, die diese Bezeichnung ihrer traditionell schwarz-weißen Spielkluft verdanken, das erfolgreichste Team – nicht nur in Santiago, sondern in ganz Chile. Einige der berühmtesten Spieler Chiles und Südamerikas schnürten ihre Stiefel für Colo Colo, bevor sie den Sprung über den großen Teich nach Europa wagten. Dazu gehören unter anderem Lucas Barrios, Arturo Vidal, Ivan Zamorano und Alexis Sanchez, nur um einige Beispiele zu nennen. Doch auch abseits des Platzes ist Colo Colo landesweit bekannt: die Ultragruppierung „Garra Blanca“, die weiße Kralle, sorgt bei den Spielen im heimischen Estadio Monumental, das sich in Santiago im Barrio Macul befindet, für großartige Stimmung und atmosphärische Begegnungen durch eine einzigartige Geräuschkulisse.

Die Mannschaft

Der amtierende Pokalsieger ist von einem groß angelegten Aderlass verschont geblieben, nahezu alle Leistungsträger konnten gehalten werden. Abgesehen von Beausejour, den es bereits vor der Apertura zu Universidad de Chile zog, schmerzt lediglich der Abgang von Martín Rodriguez, der für fünf der 26 Tore Colo Colos verantwortlich war. Umso mehr wird es also auf Topscorer und Routinier Esteban Paredes ankommen, der trotz seiner 36 Jahre noch immer eine Gefahr im gegnerischen Strafraum darstellt; in neun Partien gelangen dem Chilenen ebenfalls fünf Treffer und drei Torbeteiligungen.

 Felipe Campos (links) gilt als Investition für die Zukunft

Hinzu kamen im Winter die ablösefreien Pedro Morales und Mark González. Der offensive Mittelfeldspieler und der gelernte Linksaußen sollen die Abteilung Attacke von Colo Colo ankurbeln und Goalgetter Paredes unterstützen. Eine Ablösesumme wurde einzig für Felipe Campos fällig. Der 23-jährige Rechtsverteidiger schloss sich den „Los Albos“ von CD Palestino für 450.000€ an und ist wohl als Investition in die Zukunft gedacht, da der junge Chilene auf der rechten Verteidigerposition aktuell noch nicht an Gonzalo Fierro vorbeikommt, der mit seinen 33 Jahren jedoch auch nicht jünger wird.

Der Trainer

Seit Beginn der Apertura 2016 sitzt bei Colo Colo der Argentinier Pablo Adrián Guede Barreiro auf der Trainerbank. In seiner ersten Halbserie führte Guede den Rekordmeister auf Platz 5 der Primera División. Dass die Anspruchshaltung bei den „Los Albos“ eine andere ist, weiß auch der Coach, der neben der argentinischen auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt. Präferiert lässt er in einer 4-1-3-2-Formation spielen, einer eher offensiven Aufstellung. Die Doppelspitze wird von einem Spielmacher im klassischen Sinne unterstützt. Hinzu kommen zwei Außenbahnspieler, die bei Bedarf zu Flügelstürmern werden, sodass Colo Colo unter Barreiro mit 5 reinen Offensivkräften spielt. Dies geht jedoch oftmals zu Lasten der Defensive.

One to watch

Iván Morales, Gabriel Suazo, Jorge Araya.

Chefutbol Prognose

Der Rekordmeister kann mit dem fünften Platz aus der Apertura nicht zufrieden sein: im Barrio Macul erwartet man die Meisterschaft, nicht mehr und nicht weniger. Die Mannen von Barreiro müssen aus mehreren Gründen offensiv deutlich variabler agieren. Zum einen muss die Last, die momentan primär auf den Schultern von Paredes liegt, auf mehrere Akteure umverteilt werden, zum anderen wird man somit für alle Gegner weniger ausrechenbar. Die Defensive ist mit 20 Gegentoren in 15 Spielen in der traditionell torreichen Primera Division im Soll. Unserer Meinung nach sollte sich Colo Colo am Ende der Clausura auf den Plätzen 1-3 wiederfinden, in den anschließenden Playoffs ist so gut wie alles drin. Man wird versuchen, alles Nötige zu tun, um den 32. Titel an die Avenida Maratón zu holen. Ausgeschlossen ist dies unter keinen Umständen!