CONMEBOL

Die große Copa Libertadores Vorschau für die Gruppen 1 – 4

Einleitung & Gruppe 1

Der wichtigste Cup-Wettbewerb Südamerikas steht in den Startlöchern. In diesem Jahr wird die Copa Libertadores von Februar (Start der Qualifikation) bis November ausgetragen, was den Spielplan für die teilnehmenden Mannschaften entzerren soll. Der Sieger qualifiziert sich für die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft und für die kommende Copa Libertadores. Insgesamt nehmen 32 Mannschaften aufgeteilt in acht Gruppen an der Hauptrunde teil. Chefutbol möchte die teilnehmenden Teams etwas genauer unter die Lupe nehmen und deren aktuelle Situation sowie ihre Chancen im Wettbewerb vorstellen.

Atlético Nacional (Kolumbien) – Kann Nacional den Titel verteidigen?

Der Verein: Der amtierende Copa Libertadores Sieger gilt derzeit als bester Verein in Kolumbien und auch als einer der heißen Titelanwärter der neuen Libertadores-Saison. „El Verdolaga“ aus Medellin hat neben 15 Meistertiteln in Kolumbien auch zwei Titel in der höchsten internationalen Spielklasse in Südamerika vorzuweisen, bei dem der letzte nach nur einer Niederlage im gesamten Turnierverlauf höchstverdient war.

 Wir dürfen vorstellen: Der Titelverteidiger

Die Mannschaft: Die bisherige Saison lief für die „Paisas“ so, wie man es sich auch erhofft hatte: Mit zehn Punkten nach vier Spielen steht man ziemlich gut da, obwohl man bisher noch keinen wirklichen Härtetest bestreiten musste und hauptsächlich gegen kolumbianische Teams aus dem Mittelfeld antrat. Man merkte der Mannschaft in den bisherigen Partien trotz der guten Ergebnisse an, dass sie mit den zahlreichen Neuzugängen noch eine gewisse Zeit braucht, um die Spielstärke der letzten Saison wieder zu erlangen. Das Team, das von Kapitän Alexis Henriquez angeführt wird, hat die Titelverteidigung als Ziel ausgegeben. Des Weiteren wird es noch eine Weile dauern, bis Trainer Reinaldo Rueda wieder an der Seitenlinie stehen kann, da er nach seiner Wirbelsäulen-Op aus dem Januar noch in der Reha arbeitet und seine Rückkehr weiter offen steht. Während dieser Zeit wird er von Bernardo Redin vertreten.

Transfers: Nachdem mit Miguel Borja und Alejandro Guerra die beiden wichtigsten Spieler des letztjährigen Titelgewinns den Verein in Richtung Palmeiras verließen, stand der Verein vor einer großen Aufgabe auf dem Transfermarkt. Mit Marlos Moreno (Sommer), Orlando Berrio, Sebastian Perez (Sommer) und Davinson Sanchez hatten noch weitere wichtige Leistungsträger den Verein verlassen. Mit Dayro Moreno konnte einer der besten Stürmer der letzten Saison in Mexiko wieder nach Kolumbien geholt werden, da er zuvor schon für Once Caldas und Atletico Junior auf Torejagd ging. In den bisherigen vier Pflichtspielen traf er schon drei Mal ins Netz. Des Weiteren wechselten mit Aldo Ramirez und Edwin Valencia noch die ehemaligen zentralen Mittelfeldstrategen der kolumbianischen Nationalauswahl zum Libertadores-Sieger. Während Valencia (30) noch keine einzige Minute gespielt hat kann Aldo Ramirez (35) mit 39 Minuten Spielzeit auch nicht viel mehr Wettbewerbspraxis vorweisen. Da bisher einzig Dayro Moreno richtig eingeschlagen hat, wird es interessant werden, ob es den anderen Neuzugängen noch gelingt sich richtig in das Team zu integrieren, um der Mannschaft auch gegen starke internationale Gegner weiterzuhelfen.

Schlüsselspieler: Wie auch schon in der letzten Spielzeit zeigte sich Spielmacher Macnelly Torres in den bisherigen Begegnungen wieder als Dreh-und Angelpunkt der Mannschaft, über den alle Torchancen laufen. Dayro Moreno tritt, anders als Miguel Borja, nicht als Stoßstürmer auf, sondern als ein mitspielender Angreifer, der auch in der Lage ist Möglichkeiten für seine Mitspieler zu kreieren. Mateus Uribe, der in der letzten Saison meist auf der rechten Abwehseite zum Einsatz kam und auch nicht unumstrittener Stammspieler war, konnte sich in der bisherigen Saison durch gute Spiele auszeichnen, bei denen er meist im zentralen Mittelfeld auflief.

In der Abwehr von „El Verdolaga“ rückte mit Felipe Aguilar ein guter Ersatz für den zu Ajax Amsterdam gewechselten Sanchez nach. Aguilar wurde gegen Ende des letzten Jahres immer stärker und machte vor allem durch gute Spiele in der Copa Sudamericana auf sich aufmerksam. Auf der Position des Torhüters konnte man zudem mit Franco Armani einen der wichtigsten Spieler des letzten Jahres halten. Obwohl man trotz der zahlreichen Abgänge immer noch stark besetzt ist, wird es noch eine Weile dauern bis Nacional seine Neuzugänge richtig ins Team integrieren kann.

Trainer: Seit 2015 betreut der 59-jährige Kolumbianer Rueda „El Verde“, nachdem er zuvor bei zahlreichen anderen kolumbianischen Vereinen beschäftigt war und auch Nationaltrainer von Kolumbien, Ecuador und Honduras war. Neben dem Libertadores-Sieg gelang ihm als wohl größter Erfolg die WM-Teilnahme mit der Nationalauswahl aus Honduras, mit denen er sich für Südafrika 2010 qualifizieren konnte. Zu Deutschland hat er eine besondere Beziehung, da er 1990-1991 ein Sportstudium an der Sporthochschule in Köln absolvierte. Sobald sich Rueda von seiner Krankheit erholt hat, wird er schnellstmöglich wieder an der Seitenlinie von Medellin stehen.

Chefutbol Prognose: Durch die enormen Verluste zahlreicher Leistungsträger wird es eine Bärenaufgabe den Titel zu verteidigen. Zur neuen Saison sollte das Ziel zunächst einmal das Bestehen der Gruppenphase sein, da man es mit guten Teams zu tun bekommt, die von der Qualität alle mit Atletico Nacional mithalten können. Ein großes Plus ist sicherlich die internationale Erfahrung der Spieler.

Estudiantes (Argentinien) – Legende Verón kehrt zurück

Der Verein: Mit vier Titelgewinnen (1968, 1969, 1970 und 2009) ist Estudiantes alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in der Copa Libertadores. Der Verein aus der argentinischen Provinz La Plata erreichte neben fünf Meistertiteln auch noch den Gewinn des Weltpokales (1968). Im Jahre 2009 scheiterte man im Finale des Weltpokales gegen Barcelona erst in der Verlängerung.

Die Mannschaft: Nach starkem Start in die Saison und zehn Spieltagen an der Tabellenspitze ließ im Endspurt der Hinrunde etwas die Kraft nach. Dennoch gehört man weiterhin zu den heißen Anwärten auf den Titeln, auch da man in der Hinserie gegen starke Teams einen guten Eindruck hinterließ. Ein großes Problem dürfte die mangelnde Matchpraxis darstellen, solange die heimische Liga noch nicht beginnt. Immerhin fallen zuletzt keine Leistungsträger aus.

Transfers: Eine „Neuverpflichtung“ überragt alles: Der 41-jährige frühere Weltklassespieler Juan Sebastián Verón, der zuletzt Klubpräsident war und die grüßte Legende des Pincha ist, schnürt seit Januar nach drei Jahren Pause wieder die Stiefel für seinen Herzensklub. Ansonsten hielt man sich auf dem Transfermarkt zurück und verpflichtete nur Linksverteidiger Dubarbier und den kolumbianischen Stürmer Juan Ferney Otero.

Schlüsselspieler: Natürlich ist Verón der herausragende Mann, auch wenn unklar ist, in welcher physischen Verfassung sich der Altmeister befindet. Wenn er die meiste Laufarbeit seinem Nebenmann überlassen muss, wird das aber für einen kein Problem sein: Der Sechser Santiago Ruso Ascacibar ist enorm lauf- und kampfstark. Er gilt als eines der größten Talente des argentinischen Fußballs und wurde schon als legitimer Nachfolger Javier Mascheranos bezeichnet. Ein weiterer Rückkehrer und wichtiger Mann ist Nationaltorwart Mariano Andújar, der im Juli von Neapel nach La Plata zurück wechselte.

 One-to-watch: Santiago Ascacibar

Der Trainer: Für Nelson Vivas, der als Spieler einst das Trikot von Arsenal trug, ist Estudiantes erst die zweite Erstligastation nach seinem Heimatverein Quilmes. Seit Dezember 2015 im Amt, hat er einen hervorragenden Punkteschnitt und pflegt einen unspektakulären, aber effizienten Fußball.

Chefutbol Prognose: Schlecht ist Estudiantes wirklich nicht besetzt, doch hat die Gruppenauslosung dem Pincha keinen großen Gefallen getan. Vivas muss hoffen, dass sich der Abwärtstrend vor der Winterpause nicht weiter fortsetzt und vor allem die heimische Liga bald beginnt, um in einen besseren Rhythmus zu kommen. Sonst könnte die Copa Libertadores für Estudiantes schon früh enden. Normalisiert sich alles schnell, sollte man auf Augenhöhe um Platz zwei kämpfen.

Barcelona (Ecuador) – Die Hoffnung Ecuadors

Der Verein: Barcelona SC kommt aus der Stadt Guayaquil und ist dort neben dem Erzrivalen Emelec der bekannteste Club. Der Verein identifiziert sich sehr stark mit der Farbe Gelb und spielt deshalb zuhause auch immer mit gelben Trikots. Am 1. Mai 1925 wurde der Club von Einwanderern aus Katalonien gegründet und nach dem FC Barcelona benannt. Barcelona SC ist mit 13 nationalen Titeln einer der erfolgreichsten ecuadorianischen Clubs. Mit über 100.000 registrierten Mitgliedern zählt Barcelona SC auch zu den Clubs mit der größten Fanbase auf dem amerikanischen Kontinent.

Die Mannschaft: Im vergangenen Jahr hätte es für Barcelona kaum besser laufen können. Sie gewannen sowohl die Apertura als auch die Clausura und waren das Maß der Dinge in Ecuador. Der Start in das Jahr 2016 war etwas holprig, denn den ersten Sieg gab es erst am vierten Spieltag. Insgesamt waren sie aber in allen vier Spielen das dominante Team, nur im Abschluss hakte es ein wenig.

Transfers: Für den Angriff verstärkten sie sich mit Walter Chala aus Cuenca und Christian Aleman aus der zweiten Liga. Einige Leihspieler kamen ebenfalls zurück, da man nun wegen der Doppelbelastung auch einen größeren Kader benötigt. Ein richtiger Kracher war bislang noch nicht dabei. Man vertraut dem Kader aus dem höchsterfolgreichen Jahr 2016.

Schlüsselspieler: Im Angriff führt kein Weg an Torjäger Alvez Sagar vorbei. Er war einer der Hauptgründe für die sehr erfolgreiche Saison 2016 und es gelang Barcelona tatsächlich ihn zu halten. Viele Experten waren fest von einem Wechsel überzeugt. Im Mittelfeld dreht sich viel um den erfahrenen Matias Oyola, aber auch Segundo Castillo wird eine wichtige Stütze im Team sein. Im Tor ist Maximo Banguera, der immer mit einer Kappe spielt, kaum mehr wegzudenken.

Trainer: Guillermo Almada aus Uruguay ist der aktuelle Erfolgstrainer in Guayaquil. Bevor er Trainer in Ecuador wurde, war er in seinem Heimatland tätig. Dor trainierte er River Plate Montevideo und Tacuarembo. Bei den Fans genießt er ein hohes Ansehen, aber so etwas kann sich in Südamerika bekanntlich schnell ändern.

Chefutbol Prognose: Barcelona SC ist wohl die größte Hoffnung für die Ecuadorianer in der Copa Libertadores. Zuhause sind sie im gut besuchten Estadio Monumental Banco Pichincha sehr schwer zu besiegen. Die Gruppe ist dafür alles andere als einfach, aber Barcelona SC kann sich auf jeden Fall eine Chance auf das Weiterkommen ausrechnen. Sollte sich einer der Leistungsträger verletzen dann wird es allerdings sehr schwer werden diesen zu ersetzen.

Botafogo (Brasilien) – die Mannschaft der Unbekannten

Der Verein: Botafogo ist einer der vier großen Fußballvereine der Stadt Rio de Janeiro und gehört zu den traditionsreichsten Vereinen Brasiliens. Die größten Erfolge des Vereins waren die beiden brasilianischen Meisterschaften 1968 und 1995. Der letzte Titel war die 20. Staatsmeisterschaft im Jahr 2010.

Die Mannschaft: In der Staatsmeisterschaft scheiterte das Team bereits in der Vorrunde. Dafür gelang jedoch mit Siegen über Olimpia (Paraguay), und Colo Colo (Chile) die Qualifikation zur Hauptrunde der Copa Libertadores. In der abgelaufenen belegte die Mannschaft aus Rio einen respektablen 5. Tabellenplatz und will sich nun auf internationalen Parkett beweisen.

Transfers: Im Vergleich zu den anderen brasilianischen Copa Teilnehmern setzt Botafogo nicht auf große Namen und versuchte sich vorwiegend mit Spielern kleinerer brasilianischer Teams zu verstärken. Namen wie Roger (Ponte Preta), João Paulo (Santa Cruz), Wálter Montillo (Shandong Luneng) Jonas (America), Gilson (America) oder Fernandez (Figueirense) sind international eher unbekannt.

Schlüsselspieler: Maßgeblichen Anteil an der Qualifikation hatte Rodrigo Pimpão, der mit zwei entscheidenden Toren den Weg zur Hauptrunde ebnete. Einer der erfahrensten und wichtigsten Spieler für Trainer Jair Ventura ist allerdings der Kapitän und Torwart Jefferson.

Trainer: Der 37-jährige Jair Ventura begann seine Trainerkarriere im Jahr 2009 bei Botafogo und arbeitet seitdem in verschiedenen Positionen für den Verein. 2016 ist er zum Cheftrainer aufgestiegen und führte das Team nun in die Hauptrunde der Copa Libertadores, was als sein bisher größter Erfolg gewertet werden kann.

Chefutbol Prognose: In einer Hammergruppe mit dem Titelverteidiger Atlético Nacional als klaren Favoriten wird es für Botafogo sehr schwer die nächste Runde zu erreichen.