Copa Libertadores
Flickr / Clube Atlético Mineiro

Die große Copa Libertadores Vorschau für die Gruppen 5 – 8

Gruppe 5

Peñarol (Uruguay) – der Altmeister sucht seine Form

Der Verein: Peñarol ist mit 48 nationalen Titeln und fünf Copa-Libertadores-Siegen einer der erfolgreichsten Klubs weltweit und erhielt von der IFFHS eine Auszeichnung als bester Klub Südamerikas im 20. Jahrhundert. In Anlehnung daran nannte man das neue Stadion, in dem die Manyas seit 2016 spielen, Campeón del Siglo. Allerdings liegt der letzte internationale Titel der Gelb-Schwarzen nun auch schon 30 Jahre zurück, und in den letzten Jahren schwankten die internationalen Auftritte meist zwischen schwach und blamabel, so etwa beim Aus in der Gruppenphase 2016.

Die Mannschaft: Nach einer desaströsen zweiten Halbserie 2016 hat man Mannschaft und Trainerteam umgekrempelt. Das neue Projekt von Leonardo Ramos hat in den ersten vier Spielen je zwei 0:0 und 4:0 zu Buche stehen, ist also solide gestartet. Individuell fehlt es an großen Einzelkönnern, lediglich Torhüter Gastón Guruceaga und der erfahrene Cristian Rodríguez können auf höherem Niveau den Unterschied machen. Generell liegt die Stärke der Mannschaft, aber auch traditionell des Vereins, eher in der Kampfkraft als in der spielerischen Klasse.

Transfers: Neben dem angesprochenen Cristian Rodríguez haben die Manyas vor allem in der Abwehr nachgelegt und dort Ramón Arias, Ronaldo Conceicao, Iván Villalba und Lucas Hernández verpflichtet. Auch der linke Mittelfeldspieler Matías Mier und Stürmer Lucas Cavallini sind neu im Kader und dürften nah an der Startelf sein. Unter den Abgängen sticht der langjährige Kapitän Carlos Valdéz hervor. Auch Hernán Novick und die Leihspieler Bressan, Maxi Rodríguez und Miguel Murillo kamen in der Vorsaison oft zum Einsatz.

Schlüsselspieler: Wie erwähnt ist, Cristian Rodríguez der größte Name im Kader. Der Linksfuß hat bereits 95 Länderspiele für Uruguay absolviert und soll das Team aus dem linken oder zentralen Mittelfeld heraus lenken. Er kam von Independiente, wo man mit seinen häufigen Verletzungen unzufriedener war als mit seinen Leistungen. Er muss beweisen, dass sein Körper noch gut in Schuss ist. Zwei weitere wichtige Figuren sind zehn Jahre jünger als Rodríguez: Der Kapitän und unermüdliche Läufer Nahitán Nandez im zentralen Mittelfeld und der starke Rückhalt Gastón Guruceaga im Tor sind trotz ihrer jungen Jahre schon recht erfahren. Beide könnten sich mit einer starken Libertadores für Europa empfehlen.

Trainer: Leonardo Ramos übernahm im Januar ein chaotisches Team und versucht seitdem, Ruhe und Ordnung ins Spiel der Manyas zu bekommen. Der 47-jährige, der mit Danubio auf nationalem Parkett schon für einige Überraschungen sorgen konnte, international aber kaum Erfahrung vorweisen kann, setzt dabei vor allem auf Disziplin und Kampfkraft. Der Start ist ihm nicht schlecht gelungen.

Chefutbol Prognose: Die stolzen Peñarol-Fans haben an ihren Klub immer den Anspruch, in der Copa Libertadores sehr weit zu kommen. Tatsächlich ist gelegentlich die Rede vom sechsten Titelgewinn. Ein solches Anspruchsdenken wird zum Problem, wenn nicht alles nach Plan läuft: Dann wird man auf den Rängen nervös und steckt  damit die Spieler an. So ist auch das neue Stadion bislang nicht zu einer Bastion geworden. Faktisch ist man individuell nicht besonders stark besetzt und seit der Finalteilnahme 2011 nicht mehr über die Gruppenphase der Copa Libertadores hinausgekommen. Für Leo Ramos und sein Team wäre das Erreichen des Achtelfinals also keine so schlechte Leistung. In der verhältnismäßig machbaren Gruppe könnte das möglich sein.

Palmeiras (Brasilien) – der heiße Titelanwärter

Der Verein: Der amtierende brasilianische Meister zählt zu den größten und traditionsreichsten Vereinen des brasilianischen Fußballs. Der Klub aus der Millionenmetropole São Paulo kann neben 9 brasilianischen Meistertiteln, 3 Pokalsiegen sowie 24 Staatsmeisterschaften auch auf den Gewinn der Copa Libertadores im Jahr 1999 stolz sein. Bei bislang 13 Teilnahmen erreichte Palmeiras 4-mal das Finale.

Die Mannschaft: Den ersten Härtetest dieser Saison gegen den Erzrivalen Corinthians verlor das Team. Dennoch liegt Palmeiras in der Staatsmeisterschaft „Paulista“ nach 3 Siegen und 2 Niederlagen als Gruppenerster im Soll. Der verletzungsbedingte Ausfall (halbes Jahr Pause) von Mittelfeldstratege Moises schmerzt jedoch. Speziell in der Schaltzentrale ist Trainer Eduardo Baptista noch auf der Suche nach der richtigen Formation und Zusammensetzung. Der Fokus liegt, nach dem frühen Scheitern im letzten Jahr, in dieser Saison auf der Copa Libertadores und dem bestehen der Gruppenphase.

Transfers: Der Abgang von Superstar Gabriel Jesus schmerzt. Der neue Shootingstar von ManCity wird dem Spiel desVerdão fehlen. Auch der in der letzten Saison ins zweite Glied gerutschte Lucas Barrios hat den Verein verlassen und sich Grêmio Porto Alegre angeschlossen. Diese beiden sollen durch Südamerikas Fußballer des Jahres Miguel Borja (Atlético Nacional) sowie Keno (Santa Cruz) ersetzt werden. Insbesondere der Kolumbianer Miguel Borja weckt nicht nur durch seine knapp 10 Millionen Euro Ablöse große Erwartungen. Der Torjäger konnte bereits im letzten Jahr die Copa Libertadores gewinnen und mit seiner Treffsicherheit überzeugen. Die ehemaligen Nationalspieler und Europa-Legionäre Felipe Melo (u.a. Galatasaray, Inter Mailand, Juventus) sowie Michel Bastos (u.a. AS Rom, Olympique Lyon, Schalke 04) erzeugen weitere Hoffnungen der Fans auf eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Palmeiras. Zudem wurde der Kader mit Raphael Veiga (Coritiba), Alejandra Guerra (Atlético Nacional) sowie Hyoran (Chapecoense) in der Breite qualitativ besser aufgestellt.

 Vom Titelverteidiger zu Palmeiras: Miguel Borja

Schlüsselspieler: Es wird spannend, wie Palmeiras den Verlust von Gabriel Jesus kompensiert. Große Hoffnungen ruhen in Südamerikas Fußballer des Jahres Miguel Borja. Aber insbesondere Kapitän Dudu, der sich durch eine hervorragende Saison wieder in den Dunstkreis der Seleção spielen konnte sowie die Führungspersönlichkeiten wie Zé Roberto, Felipe Melo oder Torwartlegende Fernando Prass sind für den Erfolg entscheidend.

Trainer: Eduardo Baptista, der gelernte Physiotherapeut, tritt das schwere Erbe von Meistertrainer Cuca an. Nach Stationen bei Recife, Fluminense und Ponte Preta muss er nun den hohen Anforderungen des Spitzenvereins Palmeiras gerecht werden. Nach nur wenigen Partien und schwachen Leistungen seines Teams war er bereits heftiger Kritik von Teilen der Fans ausgesetzt, die sich Cuca zurückwünschen. Doch das Team steht hinter ihm und speziell Kapitän Dudu stärkte ihm den Rücken: „Wir hoffen, dass wir von Tag zu Tag stärker werden. Er hilft uns und wir helfen ihm.“

Chefutbol Prognose: Ein bereits erfahrener Kader wurde nochmals mit international gestandenen Profis wie Felipe Melo oder Michel Bastos verstärkt. Zudem konnte der Abgang von Gabriel Jesus mit der Verpflichtung von Miguel Borja kompensiert werden. Nach dem Pokalsieg 2015 und der Meisterschaft 2016 ist ein Gewinn der Copa Libertadores 2017 durchaus im Bereich des Möglichen. Die Mannschaft von Trainer Eduardo Baptista ist in jedem Fall ein ganz heißer Anwärter auf den Titelgewinn. Es bleibt aber abzuwarten, wie viel Geduld die Verantwortlichen mit dem Trainer bei einer länger anhaltenden Durststrecke aufbringen werden.

Wilstermann (Bolivien) – die Höhe als größter Vorteil

Der Verein: Der amtierende Clausura-Sieger Jorge Wilstermann kommt aus Cochabamba in Bolivien. Die Stadt liegt auf knapp 2.570 Metern über dem Meeresspiegel. Zehnmal konnten sie die Bolivianische Meisterschaft holen. Ihre Heimspiele trägt Jorge Wilstermann im Estadio Félix Capriles in Cochabamba aus. Am 24 November 1949 wurde der Club gegründet, Nach vier Jahren benannte man sich zu Ehren des ersten Berufspiloten Boliviens in Club Jorge Wilstermann um, die Vereinsfarben wurden in Rot-Blau geändert.

Die Mannschaft: In Bolivien befindet man sich aktuell in der ganz normalen Saison und die Apertura wurde bereits abgeschlossen. Dort reichte es für Jorge Wilstermann nur für den sechsten Platz, mit dem die Verantwortlichen ziemlich unzufrieden waren. In der Clausura läuft es bisher auch nicht so wirklich rund, doch hat diese erst vor kurzem begonnen. Ein großer  Heimvorteil für Jorge Wilstermann ist sicher die Höhe in Cochabamba.

Transfers: Nach der schwachen Apertura Saison reagierte der Verein und es wurde mit Jose Gabriel Rios ein neuer Stürmer verpflichtet, den einige Teams im Visier hatten. Er war der Kapitän und Torjäger bei San Jose Oruro und gilt als einer der gefährlichsten Angreifer in Bolivien. Ein weiterer nennenswerter Neuzugang ist Rudy Cardozo, der aus La Paz von Club Bolivar kam. Er soll für die Impulse aus dem Mittelfeld sorgen und natürlich auch eine gewisse Torgefahr mitbringen. Seit kurzem wurden auch noch Cristian Chavez (Asteras Tripolis) und Luis Cabezas (Hunan Billows) als Neueinkäufe vorgestellt. Nach dem Clausura Sieg musste Jorge Wilstermann natürlich auch einige Abgänge verzeichnen. Der prominenteste Abgang war Stürmer Marcos Pirchio, den es nach Peru zum Ayacucho FC zog. Auch Abwehrspieler Mendez wird ihnen in der Defensive abgehen, denn er wechselte nach Santa Cruz de la Sierra zu Oriente Petrolero.

Schlüsselspieler: In der Verteidigung ist ganz klar Kapitän, Abwehrchef und Nationalspieler Edward Zenteno aus Bolivien der wichtigste Spieler. Er hat nicht nur seine Kollegen in der Hintermannschaft fest im Griff, sondern trifft vorne nach Standards auch noch regelmäßig. Im Mittelfeld muss man sich auf die Kreativität von Thomaz aus Brasilien verlassen. Hat der Zehner einen schlechten Tag, sieht es für Jorge Wilstermann meistens düster aus. Auf Torejagd geht der oben angesprochene Neuzugang Jose Gabriel Rios. Seine Stärke ist der präzise Abschluss.

Trainer: Roberto Mosquera aus Peru ist nicht nur ein bekannter Trainer in Südamerika, sondern spielte selbst als Stürmer schon mit Peru bei der WM 1978 mit. Er ist also durchaus ein Mann der mit Drucksituationen umgehen kann und sie auch kennt. Er war als Trainer hauptsächlich in seiner Heimat tätig und Jorge Wilstermann ist sein erster Club aus Bolivien. In Peru trainierte er von Alianza Lima, Sporting Cristal, FBC Melgar bis zum Skandal-Club Deportivo Wanka fast alle bekannte Clubs. Bei den Fans in Cochabamba hat er aber noch keinen Legendenstatus erreicht, denn zuletzt ging die Formkurve eher nach unten.

Chefutbol Prognose: Ein Team welches man nicht unterschätzen sollte. Zuhause wird Jorge Wilstermann auch dank des Höhenvorteils wohl immer zu ihren Chancen kommen. – zumal keiner ihrer drei Gruppengegner die Höhe gewohnt ist. Auswärts hingegen wird es sehr schwierig werden, Punkte zu holen. Gegen Palmeiras, Atl. Tucuman und Peñarol sind zuhause sicherlich 6 Punkte als Ziel vorgegeben, und die müssen sie auch holen wenn sie eine Chance auf den Einzug in die Endrunde haben möchten. Auswärts erwarten wir nur wenige Zähler von Jorge Wilstermann und vor allem gegen Palmeiras und Atl. Tucuman wäre schon ein Punkt eine ziemliche Überraschung.

Atlético Tucumán (Argentinien) – Stolz einer ganzen Region

Der Verein: Für den erst 2009 in die erste Liga aufgestiegene Verein aus der kleinsten argentinischen Provinz Tucumán ist die erste Qualifikation für die Copa Libertadores der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Der letztjährige fünfte der argentinischen Liga qualifizierte sich in zwei Runden gegen El Nacional (Ecuador) und Junior de Barranquilla (Kolumbien) für die diesjährige Endrunde.

Die Mannschaft: In der Liga belegt man im Mittelfeld der Tabelle den 13. Platz. Mit starken Spielen gegen die Boca Juniors und auch in der Qualifikation für die Copa Libertadores konnte Atlético aber zeigen, dass sie durchaus das Potenzial besitzt auch gegen vermeintlich stärkere Mannschaften zu bestehen. Doch speziell in der Defensive, die häufiger mal wackelte, gibt es Probleme. Über Wettkampfpraxis verfügt man im Gegensatz zu den anderen argentinischen Teams dank den vier Qualifikationsspielen. Das Aussetzen der Liga kam Atlético sogar gelegen, konnte man sich so komplett auf die Libertadores konzentrieren.

Transfers: Man konnte alle Leistungsträger der letzten Saison halten und hat somit vor allem im Angriff sehr viel Qualität. In der Abwehr fehlt jedoch nach den Abgängen von  Pablo Cáceres, Franco Sbuttoni und Lucas Villalba die Breite, was in einer Saison mit Doppelbelastung (Liga und Copa Libertadores) auf jeden Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Hier gibt es in jedem Falle noch Handlungsbedarf.

Schlüsselspieler: Besonders die beiden Stürmer Fernando Zampedri und Cristian Menéndez waren in der Qualifikation die entscheidenden Leute. Sollten die physisch starken Spieler fit bleiben,werden sie auf jeden Fall eine entscheidende Rolle einnehmen. Auch Torwartlegende Christian Luchetti, der gegen Junior mit einer starken Parade in den Schlusssekunden die Copa Libertadores-Teilnahme überhaupt möglich machte, ist für den Erfolg ein wichtiger Faktor.

Trainer: Pablo Lavallén ist ein ehemaliger argentinischer Fußballer und erst seit Dezember 2016 bei Atlético Tucuman an der Seitenlinie. Zuvor war er ein Jahr bei San Martín de San Juan tätig, wo er nach starkem Beginn schließlich im November 2016 nach nur zwei Siegen in elf Ligaspielen seinen Hut nehmen musste. Der Start ist ihm bei Atlético Tucuman auf jeden Fall auch gelungen.

Chefutbol Prognose: Auf dem Papier ist Tucuman tendenziell in der Außenseiterrolle. Palmeiras und Peñarol gehen als Favoriten auf die ersten beiden Plätze ins Rennen. Auch das Auswärtsspiel in der Höhe Boliviens bei Wilstermann wird beileibe kein Zuckerschlecken. Der große Vorteil der Nordargentinier liegt wohl in ihrer Unbeschwertheit: Mit der Qualifikation haben sie bereits einen großen Erfolg erreicht und können nun befreit aufspielen. Sollten die Stürmer Zampedri und Menéndez ihre starke Frühform halten und ihre Qualität auch gegen stärkere Gegner zeigen können, ist Atlético auf keinen Fall zu unterschätzen.