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Die große Copa Libertadores Vorschau für die Gruppen 1 – 4

Gruppe 3

Peñarol (Uruguay) – Altmeister mit neuem Schwung

Der Verein: Drei Copa-Siege in den Sechzigern, zwei weitere in den Achtzigern, unzählige nationale Titel – Peñarol ist einer der größten Vereine Südamerikas. Doch die fetten Jahre sind vorbei, die Bilanz der letzten Jahre ist mehr als trist: Die letzten fünf Auftritte endeten ruhmlos in der Gruppenphase. Für die Fans, die immer noch La Copa Libertadoreses mi obsesión singen, viel zu wenig, doch angesichts des schwachen Niveaus des uruguayischen Fußballs kommen diese Ergebnisse nicht ganz unerwartet. Für 2018 hofft man mal wieder auf positive Überraschungen.

Die Mannschaft: Hoffnung gibt ihnen die aktuelle Verfassung der Manyas: Peñarol ist Uruguays amtierender Meister und hat im zweiten Halbjahr 2017 streckenweise überragenden Fußball gespielt. Auch der Saisonstart 2018 verlief durchaus überzeugend. Peñarol verfügt über eine sehr erfahrene und ausgeglichen besetzte Mannschaft, in der die vielfachen Nationalspieler Walter Gargano, Cristian Rodriguez und Maxi Rodriguez das Rückgrat bilden. Das Trio besetzt in der Regel die Mittelfeldzentrale. Ebenfalls wichtig sind die offensivstarken Außenverteidiger Lucas Hernández und Guillermo Varela. Der Ex-Frankfurter Varela schaffte es bei seinem Heimatklub gar bis in die Nationalmannschaft. Hernández allerdings wurde nach den Tumulten beim letztjährigen Ausscheiden gegen Palmeiras für die ersten Spiele gesperrt. Eine Schwäche könnte das Fehlen eines echten Mittelstürmers darstellen, da sich der wuchtige Angreifer Lucas Viatri schwer am Auge verletzte. Der dribbelstarke Fidel Martinez und der Konterstürmer Cristian Palacios sind andere Spielertypen, während Neuzugang Gabriel Fernández keine internationale Erfahrung hat.

Transfers: Die Meistermannschaft konnte im Wesentlichen zusammengehalten werden. Nur der junge Rechtsaußen Diego Rossi (zu Los Angeles) gehörte zur Stammelf, alle anderen Abgänge sind verschmerzbar. Der größte Name unter den Neuzugängen ist der wuslige ecuatorianische Nationalspieler Fidel Martínez, der auf allen Offensivpositionen agieren kann und gemeinsam mit Gabriel Fernández den verletzten Viatri ersetzen soll. Talente wie die Außenbahnspieler Giovanni González und Agustin Canobbio dürften ebenfalls auf ihre Minuten kommen, während die erfahreneren Defensivspieler Rodrigo Rojo und Luis Maldonado eher als Back-ups eingeplant sind.

Schlüsselspieler: Cristian Rodriguez war der wichtigste Spieler beim Titelgewinn. Der frühere Atlético-Spieler kann als linker Mittelfeldspieler oder als Achter agieren und zeigt dabei nicht nur Leader-Qualitäten, sondern auch große Torgefahr, Wucht und ein gutes Passspiel. Von seiner Fitness wird viel im Spiel von Peñarol abhängen, einen echten Ersatz haben die Carboneros nicht. Von ähnlicher Bedeutsamkeit ist Walter Gargano, der in langen Jahren Serie A ein großes taktisches Verständnis erreicht hat und nun von der Sechs aus sowohl die Defensive der Manyas ordnet als auch das Angriffsspiel einleitet.

Der Trainer: Leo Ramos war schon so gut wie gefeuert, ehe er in einer überragenden Rückrunde das Ruder noch herumreißen und die Meisterschaft feiern konnte. Es war sein zweiter nationaler Titel, schon Danubio hatte er 2014 aus schwieriger Lage zum Sieg geführt. Das Energiebündel Ramos steht für aggressiven Fußball mit viel mentaler Stabilität, konnte international aber noch keine Meriten einfahren: Seine beiden Copa-Libertadores-Auftritte endeten jeweils in der Gruppenphase.

Die Chefutbol-Prognose: In einer ausgeglichenen Gruppe ist für Peñarol alles denkbar. Beim Ausscheiden 2017 brach den Uruguayern ihre Auswärtsschwäche das Genick, diese muss diesmal überwunden werden. Dann ist das Achtelfinale drin – und mit weniger wird sich auch niemand bei den Aurinegros zufrieden geben. Und mit einem guten Tag im Heimspiel kann Peñarol auch mal einen Großen eliminieren.

Libertad (Paraguay) – Was haben Bobadillas Oldies noch im Tank?

Libertad

Der Verein: Libertad gehört zu den ältesten Vereinen Paraguays, kann aber in Sachen Popularität nicht mit den Grandes mithalten. Im neuen Jahrtausend zählt Libertad dennoch zu den erfolgreichsten Klubs des Landes, und auch international konnte man sich durch zwei Halbfinalteilnahmen in der Copa Sudamericana (2013 und 2017) zuletzt einen Namen machen. Durch den Fokus auf die Copa Sudamericana schenkte man die Clausura 2018 weitgehend her, war man zudem dank des Sieges in der Apertura schon für die Copa Libertadores qualifiziert.

Die Mannschaft: Zählt zu den erfahrensten der ganzen Copa Libertadores. In Rodrigo Muñoz, Cristian Riveros, Santiago Salcedo, Oscar Cardozo, Salustiano Candia und Antolín Alcaraz feiern nicht weniger als sechs Stammspieler im Laufe der Saison zumindest ihren 35. Geburtstag, viele von ihnen waren über Jahre Teil der paraguayischen Nationalmannschaft. Logischerweise ist die Mannschaft daher abgezockt, hat aber auch ein gravierendes Tempodefizit. Auch die jungen Alan Benítez und Angel Cardozo Lucena können dieses Problem nicht alleine beheben.

Transfers: Mit Jesús Medina verließ eines der größten Talente den Verein Richtung New York. Die anderen Abgänge werden kaum vermisst werden, doch auch von den Zugängen spielt bislang nur Cristian Riveros regelmäßig – er ist aber schon 35. Einer wirklichen Verjüngungskur hat man sich also nicht unterzogen.

Schlüsselspieler: Oscar Cardozo, der langjährige Torjäger von Benfica (112 Tore in 175 Erstligaspielen in Portugal), ist ein Leader im Team von Aldo Bobadilla. Der großgewachsene Stürmer kann mit dem Rücken zum Tor viele Bälle halten und kennt alle Tricks. Zudem sind sein linker Fuß und sein Kopfballspiel mit dem Alter nicht schlechter geworden, auch wenn sein Antritt deutlich abgebaut hat. Liegt Libertad in Rückstand, dürfte man mit Joker Santiago Salcedo den Oldiesturm komplett machen – der 36-Jährige ist ebenfalls mit allen Wassern gewaschen und war Schützenkönig der Apertura 2017.

Der Trainer: Einst war Aldo Bobadilla Ersatzkeeper der paraguayischen Nationalmannschaft, nun versucht  der 41-Jährige sein Glück als Coach. Bei den kleinen Klubs General Caballero und General Diaz konnte er auch mit Erfolgen auf sich aufmerksam machen, ehe er von Olimpia aus dem Vertrag gekauft wurde. Sein Aufenthalt dort endete ruhmlos nach zwei Monaten, vor der Saison 2018 unterschrieb er wieder bei General Diaz – nur um kurz vor Saisonbeginn zu Libertad zu wechseln, bei dem Trainer Fernando Jubero aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt geschieden war. Kein ganz feiner Zug, doch eine große Chance, auch auf internationalem Parkett auf sich aufmerksam zu machen. Bobadilla steht für pragmatischen, eher direkten Fußball.

Die Chefutbol-Prognose: Wie für jeden Klub in Gruppe 3 ist für Libertad alles und nichts möglich, zu erwarten ist eine extrem enge Gruppenphase. Mehr als das Achtelfinale dürfte aber nicht drin sein.

The Strongest (Bolivien) – Können Chumacero und Alonso ersetzt werden?

Der Verein: Die Tigres aus La Paz zählen zu den größten Klubs Boliviens. Der Verein wurde schon 1908 gegründet und hat seitdem zwölf nationale Titel eingefahren. Bei den 23 Copa-Teilnahmen sprang bisher allerdings nie besonders viel heraus, lediglich drei Mal drang man ins Achtelfinale vor. Immerhin: Das letzte Mal war 2017, als man mit gutem Fußball die Qualifikationsrunden und die Gruppenphase überstand und mehr als ein Ausrufezeichen setzen konnte. Selbst gegen den späteren Finalisten Lanús verlor The Strongest nur knapp, so dass die Bolivianer eine der positiven Überraschungen der Saison waren.

Die Mannschaft: 2017 zeigte The Strongest technisch gefälligen Fußball, bei dem das zentrale Mittelfeld zu den Stärken der Mannschaft gehörte. Auswärts verteidigte man diszipliniert, aber nicht immer glücklich, daheim wurde mehr auf Offensive gesetzt. Es ist zu erwarten, dass diese Marschroute auch unter dem neuen Coach, Carlos Ischia, bestehen bleibt. Allerdings dürfte die Mannschaft offensiv an Wucht verloren haben.

Transfers: Der Grund hierfür liegt im Abgang von Alejandro Chumacero, dem zweitbesten Torschützen der abgelaufenen Copa, und von seinem Sturmkollegen Matías Alonso. Ohne die Beiden fehlt The Strongest offensiv viel Qualität. Auch der uruguayische Verteidiger Luis Maldonado und der bolivianische Nationalspieler Diego Bejarano werden vermisst werden. Unter den Neuzugängen stechen die erfahrenen Rudy Cardozo und Jhasmani Campos hervor, die das zentrale Mittelfeld weiter verstärken dürften. Auch der kolumbianische Rechtsaußen Edis Ibarguen könnte ein ordentlicher Ersatz für Chumacero sein, tritt aber in sehr große Fußstapfen.

Schlüsselspieler: 46 Spiele, 23 Tore – und das als hängende Spitze, mit 38 Jahren: Das sind die Daten von Pablo Escobar im Jahr 2017. Der gebürtige Paraguayer, der in Bolivien längst heimisch und zur Legende geworden ist, lebt auch im Alter nicht nur von seinem Namen, sondern auch von seiner Klasse. Auch in diesem Jahr wird er bei The Strongest die Fäden ziehen und mit seinen gewaltigen Fernschüssen und brandgefährlichen Standards selbst torgefährlich werden. Dass seine Laufleistung dabei etwas abgenommen hat, nimmt dem Linksfuß dabei niemand krumm. Im Mittelfeldzentrum arbeiten ihm in Jhasmani Campos und Walter Veizaga weitere Leistungsträger zu.

Der Trainer: Der Argentinier Carlos Ischia hat schon so manches internationale Spiel auf dem Buckel, trainierte er doch Größen wie die Boca Juniors, das ecuatorianische Barcelona, Racing Club oder Atlas Guadalajara. Die meisten Titel erreichte er dabei noch als Co-Trainer des legendären Carlos Bianchi, doch auch als Hauptverantwortlicher kann sich seine Bilanz sehen lassen. Ischia ersetzt den Venezolaner Daniel Farias, der nach dem Verpassen der Meisterschaft geschasst wurde.

Die Chefutbol-Prognose: In der ausgeglichenen Gruppe kann der Heimvorteil der Höhe von La Paz entscheidend sein. Punktet man hier ordentlich, ist erneut das Achtelfinale drin. So stark wie 2017 wirkt der Kader allerdings nicht mehr.

Atlético Tucumán (Argentinien) – Die Mannschaft ist der Star

Der Verein: Der Klub aus der gleichnamigen Provinz feierte in der letztjährigen Ausgabe seine Premiere, als man sich mit einem dritten Platz in der Gruppenphase achtbar aus der Affäre zog. Obwohl man erst seit 2015 im Oberhaus zuhause ist, steht el Decano für eine bodenständige und akribische Herangehensweise. Im eigenen stimmungsvollen Hexenkessel tendiert man vor allen gegen Großklubs in Hochform aufzulaufen, was sich auch statistisch in Zahlen wiederspiegelt. Durch einen Finaleinzug im argentinischen Pokalwettbewerb löste man das Ticket zur Copa Libertadores.

Die Mannschaft: Grundsätzlich handelt es beim aktuellen Tabellen 12. der argentinischen Superliga um ein sehr homogenes und ausgeglichenes Kollektiv. Den alles überragenden Starakteur sucht man im Aufgebot vergeblich – am ehesten findet man diesen in Kapitän Luis Miguel Rodríguez. Der Routinier besitzt bei den frenetischen Fans Kultstatus und zieht seit Jahren die Fäden im Mittelfeld. Ansonsten baut sich der Kader aus Spielern zusammen, die bei ihren vorherigen Vereinen nicht zum Zug kamen.

Transfers: Torhüter Augusto Batalla, einst bei Real Madrid gehandelt, fand nach einem fehlergeprägten Jahr bei River Plate den Weg nach Tucumán. Der nach wie vor junge Schlussmann wechselte auf Leihbasis und soll in der beschaulichen Provinz an Selbstvertrauen gewinnen, nachdem ihm bei seinem Stammverein einige Patzer unterliefen. Im Gegenzug verließ kein Leistungsträger den Verein, mit Andrés Lamas gelang den Verantwortlichen sogar noch eine routinierte Alternative für die Innenverteidigung an Land zu ziehen.

Der Schlüsselspieler: Luis Miguel Rodríguez, auch La Pulguita genannt, repräsentiert wie kein anderer die DNA des Vereins. Dabei stand die Profikarriere einst unter keinem guten Stern. Mit 20 Jahren schuftete Rodríguez noch als Maurer, ehe man ihm ein Profiangebot unterbreitete. Der 33-jährige Spielmacher brilliert als emsiger Vorlagengeber und ist zudem mit einem satten Schuss gesegnet.

Der Trainer: Ricardo Zielinski gilt als ruhiger Vertreter seiner Zunft. Abgesehen von einem erfolgosen Intermezzo bei Racing stand er ansonsten nur bei weniger bekannten Vereinen unter Vertrag. Einen Namen machte er sich vor allem bei Belgrano, die er in der ersten Liga etablierte. Zielinski steht für effektiven und pragmatischen Fussball, der letzes Jahr beinahe zum Pokalsieg verholfen hätte.

Die Chefutbol-Prognose: In der enorm ausgeglichen Gruppe ist Tucumán sicherlich nicht chancenlos. Neben der Heimstärke sollte sich der Erfahrungswert aus dem letzten Jahr als nützlich erweisen. Mit dem fanatischen Publikum in der Hinterhand erscheint ein Weiterkommen nicht außer Reichweite, danach sollte allerdings Schluss sein.

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