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Die große Copa Libertadores Vorschau für die Gruppen 1 – 4

Gruppe 4

River Plate (Argentinien) – Alles auf Null gestellt?

River Plate

Der Verein: River Plate gehört mit den Boca Juniors zu den zwei größten Klubs in Argentinien und darf insgesamt 3 Copa-Titel sein Eigen nennen. Nach der sportlichen Talfahrt, die 2011 mit dem Abstieg in die Zweitklassigkeit gipfelte, konnten die Millonarios mit der Verpflichtung von Trainer Marcelo Gallardo wieder an vergangene glorreiche Zeiten anknüpfen. Allerdings durchlebt man aktuell trotz einiger nahmhaften Einkäufe die schwierigste Zeit in der Ära des Uruguayers. Eng verbunden mit der Krise ist das denkbar unglückliche Copa-Halbfinalaus gegen Lanús, das wohl weiterhin in den Köpfen der Spieler herumgeistert.

Die Mannschaft: Rein individuell muss sich River vor keinem Team auf dem Kontinent verstecken. Obwohl man auf dem Papier eigentlich viel Qualität auf das Feld bringt, blieben im Ligaalltag in den letzten Monaten zu viele Punkte auf der Strecke. Das lag unter anderem am löchrigen Abwehrverbund um den Ex-Nürnberger Javier Pinola und Jonathan Maidana. Hoffnungen ruhen hier auf Lucas Martínez, dessen Dopingsperre abgelaufen ist.

Transfers: Das Unzufriedene Halbjahr veranlasste die Vereinsführung zu investieren. Der Kolumbianer Juan Quintero soll das Offensivspiel ankurbeln und Verantwortung von den Schultern Gonzalo Martínez’ nehmen. Lucas Pratto kam gar für die Rekordsumme von 11 Millionen Euro. Ob der kantige Knipser wirklich in das System von Gallardo passt, bleibt zunächst abzuwarten. Im Tor verpflichtete man Franco Armani, um auf die unkonstanten Leistungen von Germán Lux oder Augusto Batalla zu reagieren.

Schlüsselspieler: Neben Flügelspieler Gonzalo Martínez, dessen Geniestreichen zuletzt rarer geworden sind, könnte Quintero eine echte Bereicherung werden. In seinen bisherigen Einsätzen ließ der ehemalige Nationalspieler sein Potenzial schon aufblitzen. Eine wichtige Rolle kommt auch Routinier Leonardo Ponzio zu gute, der als wichtiger Ruhepool im defensiven Mittelfeld agiert.

Der Trainer: Trotz der derzeitigen sportlichen Misere bleibt Marcelo Gallardo im River Umfeld unumstritten. Das liegt vor allem an den Erfolgen auf internationaler Bühne, und der Tatsache, dass er der Mannschaft einen offensiven, attraktiven Spieltil einimpfen konnte. Der Uruguayer besitzt einen exzelleten Ruf und weckt auch in Europa Begehrlichkeiten.

Die Chefutbol-Prognose: Gelingt es Gallardo die Defensive zu stabilisieren und findet man auch in der Offensive zu gewohnten Fluss, gehört River zu den Titelkandidaten.

Emelec (Ecuador) – Alle Augen auf Preciado

Der Verein: CS Emelec kommt aus der Hafenstadt Guayaquil. 1929 wurde der Verein unter der Führung von George Capwell gegründet. Anfangs lag das Hauptaugenmerk des Clubs an anderen Sportarten wie zum Beispiel Basketball und Baseball. Mit der Zeit bekam der Fußball aber immer mehr Aufmerksamkeit von Capwell. Deshalb beschloss er auch ein Fußballstadion zu bauen. Der größte internationale Erfolg war die Teilnahme am Copa Libertadores Halbfinale im Jahre 1995. In diesem mussten sie sich aber gegen Gremio aus Brasilien geschlagen geben. In Ecuador zählt der Club neben Barcelona SC aktuell zu den erfolgreichsten.

Die Mannschaft: In der letzten Saison gewann Emelec den Titel, in den Finalspielen besiegte man Delfín SC mit insgesamt 6:2 Toren. Für den Titel verantwortlich war in erster Linie die sehr gute Offensive, in der Primera und Segunda Etapa der Liga kam man auf addiert auf 71 Treffer in 44 Spielen. In der Copa Libertadores schied man im Vorjahr im Achtelfinale gegen San Lorenzo bitter im Elfmeterschießen aus.

Transfers: In der Verteidigung verstärkte man sich auf der rechten Seite mit Juan Carlos Paredes vom FC Watford. Im Mittelfeld ist Fernando Luna der bedeutendste Neuzugang, der 28-jährige Argentinier kam ablösefrei von Atlético de Rafaela. Schmerzhaft ist allerdings der Abgang von Fernando Gaibor. Der zentrale Mittelfeldspieler wechselte für 3,4 Mio. € zu CA Independiente de Avellaneda.

Schlüsselspieler: Schlüsselspieler in der Offensive sind Ayrton Preciado, Brayan Angulo und Bruno Vides. Gemeinsam haben die drei Akteure 55 Tore erzielt, was mehr als 77% der Tore Emelecs ausmacht. Besonders auf Linksaußen Preciado sollte man ein Auge haben, dem erst 23-jährigen Ecuadorianer könnte eine glorreiche Zukunft beschieden sein. Preciado ist stark im Abschluss und besitzt vor Allem im Eins gegen Eins enorme Qualität und könnte schon bald für größere Vereine beispielsweise in Europa interessant werden.

Der Trainer: Trainer bei Emelec ist seit Mai 2016 Alfredo Arias, der zuvor unter Anderem die Santiago Wanderers und die Montevideo Wanderers trainierte, mit Letzteren gelang ihm sogar die Titelgewinn in der Clausura. Nach dem Aus in der Copa Libertadores sah es eine Zeit so aus, als würde sein Stuhl wackeln, durch den Titelgewinn in der heimischen Liga und der erneuten Qualifikation für die Gruppenphase der Copa Libertadores sitzt Arias jedoch fest im Sattel.

Die Chefutbol-Prognose: Emelec hat mit Flamengo und River Plate gleich in der Gruppenphase zwei Gegner der Kategorie Titelkandidat erwischt. Beide Mannschaften sind bockstark, deshalb wird es für Emelec besonders wichtig werden, zuhause gute Auftritte hinzulegen und den ein oder anderen Punkt im Estadio George Capwell zu behalten. Sollten jedoch sowohl River als auch Flamengo nach ihren Möglichkeiten performen, dürfte es für Emelec schwierig werden, das Vorjahresergebnis zu wiederholen.

Flamengo (Brasilien) – Supertalent Vinicius Junior in aller Munde

Flamengo

Der Verein: Mit ca. 40 Millionen Anhängern hat Flamengo die größte Fangemeinschaft Brasiliens. Der Verein wirbt mit dem Slogan „Maior Torcida do Mundo“ (größte Fangemeinde der Welt) und kann auf eine glorreiche Vergangenheit um Klubidol Zico zurückblicken. In der erfolgreichen Ära des brasilianischen Spielmachers gelang unter anderem der bis heute einzige Copa Libertadores Erfolg von Flamengo sowie der Gewinn des Weltpokals (1981). Zudem gewann der Verein aus Rio de Janeiro insgesamt fünfmal die brasilianische Meisterschaft sowie 33-mal die Staatsmeisterschaft.

Die Mannschaft: Im letzten Jahr belegte Flamengo den sechsten Platz in der brasilianischen Serié A. In der Copa Sudamericana zog man sogar bis in das Finale ein, musste sich dann allerdings dem argentinischen Vertreter CA Independiente knapp geschlagen geben. Die Taca Guanabara konnte Anfang des Jahres gewonnen werden. Das Turnier ist die erste Stufe der Staatsmeisterschaft (Campionato Carioca) und somit ein wichtiger Triumpf und guter Start in das neue Jahr.

Transfers: Der Kader von Coach Carpegiani blieb weitestgehend unverändert. Einige Leihspieler sind zwar zurückgekehrt, aber ob sie in Rio bleiben ist noch offen. Paolo Guerrero ist zwar auch noch beim Regatterclub unter Vertrag, wird aber aufgrund seiner Dopingsperre noch lange fehlen. Die geplante Leihe von HSV-Spieler Walace ist augenscheinlich geplatzt, wodurch der Trainer auf nahezu den gleichen Kader wie im Vorjahr zurückgreifen kann. Aus der eigenen Jugend stoßen Vinicius Junior und Lincoln zu den Profis, welche langfristig definitiv eine Verstärkung sind.

Schlüsselspieler: Der Ex-Bremer und Wolfsburger Diego ist weiterhin ein ganz wichtiger Faktor im Mittelfeld von „o Rubro-Negro“. Wer allerdings schon bald eine noch größere Rolle spielen könnte, ist der Shootingstar Vinicius Junior. Der 17jährige ist bereits von Real Madrid verpflichtet worden und bekommt in Brasilien weiterhin Zeit, um sich zu entfalten. Je nachdem wie schnell das geht, kann das Talent zum Schlüsselspieler in der Copa Libertadores werden. Bei der Taca Guanabara war er bereits treffsicherster Schütze bei Flamengo.

Der Trainer: Der 68jährige Carpegiani ist schon lange im Geschäft und kennt den Verein. Bei Flamengo beendete er Anfang der 80er Jahre seine aktive Karriere und wurde prompt Trainer des Klubs. Im Laufe der Jahre folgten viele Teams innerhalb von Brasilien sowie ein Abstecher nach Kuwait, wo er für die Nationalmannschaft verantwortlich war. Nun ist er seit dem 08. Januar 2018 wieder bei Flamengo im Amt und muss nun möglichst schnell seine Aufstellung finden.

Die Chefutbol-Prognose: Der Finaleinzug bei der Copa Sudamericana weckte im gesamten Verein und dessen Umfeld die Begierde nach einem internationalen Titel, auf dem man bei Flamengo so lange wartet. Umso größer war der Schock nach der Niederlage. Sie zeigt aber auch, dass Flamengo absolut konkurrenzfähig ist. Namhafte Spieler machen vieles möglich. Der Kader von Flamengo ist einer der Wertvollsten in diesem Wettbewerb. Mit Gruppengegner River Plate wartet allerdings ein Schwergewicht gleich zu Beginn des Turniers.

Independiente Santa Fe (Kolumbien) – Eingespieltheit als großes Plus

Santa Fe

Der Verein: Santa Fe aus Bogota ist einer der erfolgreichsten Vereine aus Kolumbien und kann, neben neun Meistertiteln im Heimatland, mit der Copa Sudamericana auch auf einen internationalen Titel verweisen, der vor drei Jahren gewonnen wurde. Im Dezember des letzten Jahres verlor man im Finale knapp gegen Stadtkonkurrent Millonarios Bogota. Auch die Libertadores verlief relativ unglücklich, da man das Weiterkommen in der eigenen Hand hatte. Letzten Endes schied man in der Vorrunde aus. „El Cardinal“ gehört desweiteren zu den beliebtesten Vereinen im „Land des Kaffees“ und trägt seine Heimspiele im „Estadio El Campin“ aus, das beinahe 50.000 Zuschauer Platz bietet.

Die Mannschaft: Tabellenschlusslicht, null Punkte und nur ein geschossenes Tor entsprechen sicherlich nicht den Ansprüchen Santa Fes. Allerdings muss hierzu auch erläutert werden, dass in der Liga meist nur die zweite Garde aufgelaufen ist, um das Stammpersonal für die Qualifikation zu schonen. In der Qualifikation kann Bogota eine gute Bilanz aufweisen, sodass aus den vier Spielen drei Siege und ein Unentschieden hervorgehen. Beide Gegner konnte man ohne große Probleme ausschalten. Das Spiel der Haupstädter zeichnet sich durch eine kompakte Defensive gepaart mit einem schnellen Umschaltspiel aus. Dieses Defensivspiel ist kein besonderes Highlight für die Zuschauer, aber zeigte in den letzten Jahren immer wieder große Effektivität. In der Gruppenphase warten nun Kontrahenten höherer Kaliber. Gegen River Plate gelang in der Vorbereitung schon ein Sieg, weshalb man sich trotzdem eine Chance erhofft.

Transfers: Mit Omar Perez verlässt eine Identifikationsfigur der letzten Jahre den Verein in Richtung Patriotas Boyacá. Dieser Abgang sorgte auch bei den zahlreichen Anhängern für Unmut. Der 36-jährige Argentinier sollte auch einem Verbleib in Bogotá nicht abgeneigt gewesen sein. Des Weiteren verließen mit Daniel Buitrago und Dairon Mosquera zwei weitere Leistungsträger den Vereinen. Einzig nennenswerter Neuzugang ist der Uruguayer Rubén Bentancourt. Das ehemalige große Talent kommt von Sud América Montevideo. Zuvor war der 23-jährige schon bei einigen Vereinen in Europa unterwegs, und möchte nun in der Hauptstadt Kolumbiens wieder ins Rampenlicht zurückkehren. Beim neuen Arbeitgeber kam er schon mehrere Male zum Einsatz, aber hat dennoch noch nicht die erhofften Akzente gesetzt. Auf jeden Fall weiter in Bogotá wird William Tesillo spielen. Das Bleiben des Kapitäns kann als Erfolg verbucht werden, denn Tesillo wurde in dieser Transferperiode von mehreren argentinischen Klubs gejagt. Als Abwehrchef spielt er eine enorm wichtige Rolle in dem Team, in dem vor allem der Abwehr glänzt.

Schlüsselspieler: Mit John Pajoy, Wilson Morelo und Anderson Plata hat man das perfekte Trio für die Spielweise Bogotas gefunden. Pajoy und Plata sorgen auf den Außenpositionen für Tempo und Spielwitz, um den zentralen Morelo mit Vorlagen zu füttern. Morelo konnte in den vier Quali-Spielen sechs Tore erzielen und sicherte somit im Alleingang den Einzug in die Gruppenphase. Im Mittelfeld ist eine ähnlich eingespielte Dreierkette aufgstellt. Baldomero Perlaza, Yeison Gordillo und Juan Roa bilden das Mittelfeld. Besonders Yeison Gordillo zeigte im defensiven Mittelfeld starke Leistungen, woraufhin viele Experten eine Nominierung Pekermans forderten.

Wie auch im Mittelfeld und Angriff hat Gregorio Perez eine klare Stammabwehr. Der wichtigste in der Viererkette ist William Tesillo. Als Kapitän hat der Nationalspieler ein großes Ansehen bei den Fans und ist unangefochtener Stammspieler in der ersten Elf. Nicht nur seine Defensivqualitäten stellt er immer unter Beweis, sondern auch seine Torgefährlichkeit bei Standardsituationen. Zwei Tore erzielte er schon in der noch jungen Libertadores-Saison.

Der Trainer: Der 54-jährige Argentinier Gustavo Costas hat schon viele verschiedene Trainerstationen vorzuweisen und dies auch schon in verschiedenen Ländern. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Meisterschaften in Ecuador, Paraguay, Peru und auch Kolumbien. Der wohl größte Erfolg mit Bogota war der Sieg der Sudamericana 2015, wodurch er nach elf Jahren wieder einmal einen internationalen Titel nach Kolumbien brachte.Viele vergleichen ihn in Südamerika mit Jose Mourinho. Sollte es Gustavo Costas in dieser Saison gelingen einen Coup im Pokal zu landen wird er wohl als erfolgreichster Trainer in der Historie Santa Fes eingehen.

Die Chefutbol-Prognose: Santa Fe ist in dieser Gruppenkonstellation kein Favorit aufs Weiterkommen. River Plate und Flamengo stehen klar über dem Klub aus Bogota. Emelec aus Ecuador ist ebenfalls kein Leichtgewicht, weshalb es eine Überraschung wäre, wenn sich das Team für die nächste Runde qualifizieren kann. Ein Hoffnungsschimmer ist auf jeden Fall das eingespielte Team, das mit der Spielweise schon einige hochkarätige Teams zum Verzweifeln brachte.

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