Lautaro Martinez

Copa Libertadores 1. Woche – Defensor stoppt Grêmio, Martínez schießt Cruzeiro ab

Südamerikas prestigeträchtigster Wettbewerb hat begonnen: Die Copa Libertadores geht nun in die Gruppenphase. Im venezolanischen Maturin und im uruguayischen Montevideo wurde der Wettbewerb in der Nacht zum Mittwoch eröffnet, später gab es noch Spiele im argentinischen Avellaneda und in Santiago de Chile. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand Racings Toptalent Lautaro Martínez.

Beim Spiel in Montevideo war gleich der Titelverteidiger im Einsatz: Grêmio, der Sieger von 2017 und einer der Topfavoriten für 2018, maß sich mit Gastgeber Defensor. Die Uruguayer begannen tiefstehend mit einer 5-4-1/3-4-3-Mischformation, zeigten aber dennoch von Beginn an ihre enorme Kampfstärke. So konnten die Uruguayer den im gewohnten 4-2-3-1 aufgelaufenen Favoriten weitgehend vom eigenen Tor fernhalten und sogar eigene Ausrufezeichen setzen: Ayrton Cougos Schrägschuss strich nur knapp am langen Pfosten vorbei. Grêmio dagegen, bei dem Superstar Luan nach dem Abgang von Lucas Barrios die einzige echte Spitze gab, blieb weitgehend ideenlos, nur Ramiros Schuss kam überhaupt auf den Kasten von Guillermo Reyes.

Nach Wiederanpfiff kam Grêmio motivierter ins Spiel, Cíceros indirekter Freistoß forderte Reyes das erste Mal wirklich (52.), auch der offensiv orientierte Rechtsverteidiger Madson hatte eine Schusschance (53.). Im Gegenzug verlegte sich Defensor noch mehr aufs Kontern, wobei Germán Rivero einen schönen Angriff nur knapp am Kasten vorbeisetzte (57.). Es war jedoch Gremio, das nun insgesamt dem Tor näher war. Defensor verursachte einige gefährliche Freistöße und zog sich so weit zurück, dass auch viele Fernschussmöglichkeiten entstanden – die Versuche von Alisson (72.) oder Cícero (73.) hätten durchaus ein Tor verdient gehabt, doch der aufmerksame Reyes war jeweils zur Stelle. Angesichts der Überlegenheit Gremios war es keine echte Überraschung, dass in der 81. Minute der Ex-Duisburger Maicon per Abstauber das 0:1 erzielte. Doch es war nicht genug für den Favoriten: Nur vier Minuten später köpfte Defensors Verteidiger Gonzalo Maulella aufs Tor, am zweiten Pfosten konnten zwei Verteidiger nicht klären – der Ausgleich für die Violetas. In diesem Moment unerwartet, doch wegen der heroischen Kampfkraft nicht unverdient für die Urus, die für jeden Gegner in diesem Wettbewerb unangenehm sein werden. Umso mehr gilt dies, als dass Defensor seit Februar 2012 in internationalen Heimspielen unbesiegt ist. Für Grêmio ist das Remis eine Enttäuschung, aber kein Rückschlag – auf dem Weg zum Gruppensieg kann man auswärts auch Remis akzeptieren.

Im zweiten Spiel der Gruppe 1 hatte ebenfalls der Außenseiter Heimrecht: Monagas, der venezolanische Sensationsmeister, traf auf den amtierenden paraguayischen Champion Cerro Porteño. Die Gäste zeigten von Beginn an den besseren Fußball und hatten mehrere Chancen auf die Führung, während Monagas trotz fußballerischer Unterlegenheit zwei Riesengelegenheiten hatte – zweimal rettete Cerros Schlussmann Anthony Silva hervorragend gegen Vogliotti. Dennoch war das Führungstor der Gäste verdient: Nach einer schlechten Abwehr von Javier García traf der früh eingewechselte Insaurralde fast mit dem Rücken zum Tor mit links in den Winkel – Golazo! Ab da kontrollierte Cerro Porteño das Spiel noch besser und geriet nie mehr ernsthaft in Gefahr. Kurz nach Wiederanpfiff patzte Monagas‘ Keeper Alain Barojas bei einem Freistoß von Cerro Porteños Linksverteidiger Santiago Arzamendia, den Abstauber verwertete Marcos Cáceres zum verdienten 0:2-Endstand (53.). Spätestens mit dem Platzverweis gegen Juan Vogliotti (75.) war das Spiel für die Gastgeber gelaufen, die sich deutlich steigern müssen, um in der schwierigen Gruppe punkten zu können. Der Ciclón dagegen fliegt mit einem Pflichtsieg in der Tasche zurück nach Paraguay und darf mit dem eigenen Auftritt zufrieden sein.

Im gutgefüllten Estadio Monumental David Arellano zu Santiago traf der chilenische Meister Colo-Colo auf den kolumbianischen Rivalen Atlético Nacional. In einer voraussichtlich ausgeglichenen Gruppe 2 sind Punkte in Heimspielen unerlässlich für das Weiterkommen, dementsprechend drängten die Gastgeber zunächst mehr auf den Kasten von Fernando Monetti. Colo-Colos Oldies um Jorge Valdivia, Jaime Valdés und Esteban Paredes fehlte es dabei aber etwas an Präzision, und erst Valdés‘ Fernschuss in der 30. Minute musste von Monetti pariert werden. Atlético Nacional verteidigte kompakt und wurde vom starken Kapitän Alexis Henríquez gut organisiert, kam offensiv aber ebenso wenig ins Rollen. So war die erste Halbzeit im wesentlichen eine emotionslose Angelegenheit. Es war Nacionals Coach Jorge Almirón, der früher auf das Dargebotene reagierte und mit den Einwechslungen von Gonzalo Castellani und Jorman Campuzano den Fußball seiner Mannschaft ankurbeln wollte. Und das fruchtete: Campuzano gewann einen Ball im Mittelfeld, marschierte ohne jeden Gegenspieler auf die zurückweichende Defensive der Albos zu und steckte perfrekt auf Vladimir Hernández durch. Der Linksaußen umspielte Augustin Orión und schob zum 0:1 ein (67.) – eine perfekte Woche für Vlacho, der schon am vergangenen Donnerstag in der Liga einen Doppelpack erzielt hatte, Traumtor inklusive. Colo Colo fand auf diese kalte Dusche nie eine Antwort und beginnt die Gruppenphase wie so häufig mit einer desillusionierenden Niederlage. Der Verdolaga dagegen kann über drei Punkte jubeln und hat sich eine gute Ausgangslage verschafft.

Auch die Gruppe 5 eröffnete Dienstagnacht, und hier gab es richtig Mitreißendes: Das Aufeinandertreffen von Racing und Cruzeiro im Cilindro von Avellaneda. Trotz ihres großen Namens sind beide Teams keine Titelfavoriten, haben aber durchaus begabte Mannschaften. Das größte Talent auf dem Platz hatten fraglos die Gastgeber: Lautaro Martínez. Zu Beginn waren es die Brasilianer, die mutig und offensiv auftraten, jedoch nach nur zehn Minuten den verletzten Goalgetter Fred verloren. Wenig später lag der Ball schon im Netz: Der völlig ungedeckte Lautaro Martínez verwertete Cardozos Freistoßflanke zum 1:0 (14.). Martínez leitete eine Viertelstunde später auch den zweiten Treffer des Tages ein, diesmal aber für die Gäste: Sein Ballverlust in der eigenen Hälfte führte zu einem guten Angriff der Gäste, an dessen Ende Giorgian de Arrascaeta zum Ausgleich einköpfte (30.). Nur zwei Minuten später scheiterte der Uruguayer  am Pfosten, es hätte sein Doppelpack werden können. Den erzielte auf der anderen Seite Lautaro Martínez, erneut nach einem Freistoß und viel Chaos in Cruzeiros Defensive: Im Liegen assistierte Dominguez, und Racings Supertalent schloss trocken ins linke Eck ab (45.).

Und die Martinez-Show war noch lange nicht zu Ende: Bei einem Gegenangriff narrte El Toro Murilo, scheiterte dann aber an Torwart Rafael (62.) – nur, um die anschließende Ecke von Ricardo Centurión mit einem perfekten Kopfball zu verwerten. Zittern musste die Academia dennoch, weil Robinho einen Freistoß geanu in den Winkel setzte (70.) – aber nur kurz, denn Augusto Solari machte mit dem 4:2 den Deckel drauf: Nach Pass von Centurión traf der Joker aus spitzem Winkel ins lange Eck (77.). Dann durfte der von tosendem Beifall begleitete Hattrick-Schütze Martínez vom Feld (82.) und Cruzeiros Kapitän Henrique scheiterte noch an der Latte (88.), ehe Referee Wilmar Roldán die turbulente Begegnung beendete. Racing zeigte, dass man mit Centurion und Martínez jede Defensive in Gefahr bringen kann, während Cruzeiro offensiv ebenfalls einen guten Eindruck hinterließ, aber dafür extrem unkonzentriert verteidigte.

Wer noch ein bisschen Orientierung bezüglich der Teams und ihrer Aussichten braucht: Hier geht’s zur Vorschau der Gruppen 1-4 und hier zu den Gruppen 5-8.