Finalrückspiel verschoben – Chaos und Ungewissheit in Buenos Aires

Eine Stunde vor Spielbeginn wurde der Mannschaftsbus von Boca Juniors wenigen Straßen vor dem Estadio Monumental von River-Plate-Fans mit Steinen und Flaschen beworfen. Scheiben gingen zu Bruch, Tränengas gelang wohl in den Innenraum.

Mehrere Spieler der Xeneizes erreichten die Kabine mit Atemproblemen und Übelkeit. Während Kapitän Pablo Pérez mit Schnittwunden am Arm sowie Irritationen und Schwellungen am Auge zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht wurde, verschob man den Anpfiff um eine Stunde.

Bei Boca Juniors reifte die Entscheidung unter diesen Umständen heute nicht anzutreten. Carlos Tévez berichtete später erbost, dass aber Conmebol-Funktionäre (und nach Informationen von Radio Rivadavia auch Fifa-Präsident Gianni Infantino) die Boca-Spieler zum Auflaufen drängten, unter der Androhung den Titel sonst River Plate zu zusprechen.

Kleinere Ausschreitungen nach dem Spiel sorgen für Stadionsperre

Seitens River Plate sickerte unterdessen durch, dass man sich der Entscheidung des Rivalen fügen würde. Nach einer weiteren Verlegung auf nun 19.45 Uhr einigte man sich schließlich hinter verschlossenen Türen auf eine Spielverlegung um 24 Stunden auf den Folgetag, Sonntag 17 Uhr (21 Uhr MEZ). Rivers Präsident D’Onofrio berichtete später, dass sein Boca-Counterpart Daniel Angelici mit besten Kontakten in die Politik der Hauptstadt eine Sicherheitsgarantie für die friedliche Austragung gegeben hatte.

Bei Verlassen des Stadions der über 60.000 Zuschauer kam es teilweise zu Ausschreitungen. D’Onofrio musste im Laufschritt ein Live-Interview abbrechen, in dem er gerade den Ticketbesitzern den Zutritt für den Folgetag zusicherte. Später kündigte ein Sicherheitsrat der Stadt Buenos Aires eine vorrübergehende Sperre des Monumental-Stadions an, so dass auch ein Spiel ohne Zuschauer oder ein anderer Austragungsort grundsätzlich möglich ist.

Grüner Tisch oder neutraler Ort? Klüngel und Chaos bei der Entscheidungsfindung

Um Mitternacht ist in Buenos Aires überhaupt nichts klar. Laut einer weiteren Untersuchung ist Pablo Pérez streng genommen nicht einsatzfähig, so dass fairerweise eine erneute Verlegung richtig wäre. Die Conmebol und TV-Rightholder wünschen grundsätzlich eine Austragung an einem Wochenende zu einer für den amerikanischen und europäischen Markt günstigen Uhrzeit. Allerdings kollidiert dies mit dem unmittelbar bevorstehenden G20-Gipfel in Buenos Aires sowie der Fifa-Klub-WM im Dezember.
Bei den Boca Juniors erwägt man auch einen juristischen Einspruch, um das Spiel und damit den Pokal notfalls am Grünen Tisch zu erringen. Dies weckt Erinnerungen an den Abbruch im Libertadores-Viertelfinale 2015, als in der Halbzeitpause die Spieler von River Plate in den Katakomben der Bombonera mit Pfeffergas angegriffen wurden und schließlich (unter großem Protest von Boca) das Duell für River gewertet wurde. Allerdings fand der Angriff heute einige Straßen vom Stadion entfernt im öffentlichen Raum statt und damals war River zum Zeitpunkt des Abbruchs auch sportlich qualifiziert.

Der südamerikanische Verband Conmebol, Veranstalter und Verantwortlicher des Wettbewerbs, setzt eine chaotische, zögerliche und teilweise unverständliche Serie von (Disziplinar-)Entscheidungen im Laufe dieser Copa fort. Eine Aussetzung des Titels 2018 wäre indes nur konsequent.

Der Konsens bei Beteiligten und Zuschauern in Buenos Aires ist derweil Trauer, Unverständnis und Schamgefühl. Das „Weltfinale“, das „Spiel des Jahrhunderts“ blamiert Argentinien und Südamerika durch organisatorische Unfähigkeit.

Danke an Argifutbol für den Artikel.