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Copa Libertadores Halbfinale: Scoccos Näschen ist entscheidend

Der vierfache Libertadores-Sieger gegen den Halbfinaldebütanten: Im innerargentinischen Duell zwischen River Plate und Lanús sind die Favoritenrollen zumindest historisch verteilt. Im Hinspiel im heimischen Estadio Monumental wollte und musste River vorlegen.

River Plate begann das Spiel mit dem vollen Orchester an Mittelfeldspielern: Vor Kapitän Leo Ponzio standen die technisch starken Enzo Pérez, Ariel Rojas, Gonzalo Martínez und Nacho Fernández in der Startelf und sollten Goalgetter Scocco beliefern. Auf den Außenbahnen entschied sich River-Coach Gallardo für Marcelo Saracchi und Gonzalo Montiel, die Innenverteidigung bildeten Jonathan Maidana und der Ex-Nürnberger Pinola vor Keeper Lux. Lanús begann im erwarteten 4-3-3, bei dem der bei River Plate ausgebildete José Pepe Sand die Sturmspitze bildete. Eine Besonderheit am Rande: Es war das erste Spiel in Südamerika, bei dem ein Videoassistent Referee Sampaio unterstützte. Allerdings musste der VAR nicht eingreifen.

Die Millonarios, favorisiert und von einer überragenden Kulisse angefeuert, starteten besser ins Spiel, Ignacio Scocco hatte nach einer Flanke von Saracchi die erste Abschlussgelegenheit (13.). Schon früh wurde klar, dass River ein extrem hohes Pressing versuchte und insbesondere die nominellen Außenverteidiger Montiel und Saracchi mit dem und gegen den Ball extrem hoch schoben. Lanús versuchte dennoch in jeder Situation, sich spielerisch zu befreien, und band Keeper Andrada mehrmals gut ein. Dennoch störte River so stark, dass Lanús sich in der ersten Viertelstunde kaum aus der Defensive lösen konnte. Besonders die Außenstürmer Lautaro Acosta und Alejandro Silva waren ausschließlich damit beschäftigt, ihre Gegenspieler Montiel und Saracchi zu bändigen. Doch nach etwa zwanzig Minuten kippte das Spiel etwas, Lanús kontrollierte das Match nun besser. Lautaro Acosta stand nach einem Konter kurz vor einer Großchance, wurde aber durch ein großartiges Tackling von Montiel gestoppt (17.). Im Anschluss erarbeiteten sich die Granates zumindest mehrere Standardsituationen und überspielten Rivers Pressing öfter. Erst kurz vor der Pause kam La Banda wieder zu einem Abschluss, erneut war es Scocco, dessen Abschluss Andrada vor keine Probleme stellte (45.). Lanús dagegen schoss in der ganzen Halbzeit gar nicht gefährlich auf den Kasten von Lux.

Nach Wiederanpfiff bot sich in etwa das gleiche Bild: Lanús‘ ambitioniertes Aufbauspiel versandete meist ab der Mittellinie, River Plate fand aber auch keine Lücken im Defensivverbund der Gäste. Auffällig, dass auf beiden Seiten die technisch versiertesten Spieler – Enzo Pérez, Nacho Fernández und Gonzalo Martínez bei River, Lautaro Acosta und Román Martínez bei Lanús – gar nicht ins Spiel fanden. Die stärksten Akteure waren andere: Der intelligente und vielseitige Scocco, der sich oft tief fallen ließ und immer ein Auge für seine Mitspieler hatte, und die extrem dynamischen Außenverteidiger Saracchi und Montiel. So segelten dann auch mehrere Flanken in den Strafraum und Scocco legte ein paar Mal etwa auf Pity Martinez ab, dennoch wurde Lanús-Keeper Andrada auf keine ernsthafte Probe gestellt. Auf der anderen Seite hätte Germán Lux auch ein Nickerchen halten können, an diesem Tag hätte ihn kein Angreifer der Gäste wirklich gestört. Angesichts dieses Panoramas fasste sich dann Rivers Innenverteidiger Pinola mehrmals ein Herz und stürmte tief in die gegnerische Hälfte. Seine beste Aktion war ein Pfostenschuss aus der Distanz (56.), der gut und gerne das 1:0 hätte bedeuten können und seine Mitspieler merklich aufweckte. Insbesondere Gonzalo Martínez wurde mit der Zeit dominanter, dazu brachte Marcelo Gallardo mit Auzqui eine zweite Spitze und somit mehr Bewegung ins Sturmzentrum (73.). Auch die Einwechslung von Nicolás de la Cruz für Fernández sorgte für zusätzlichen Schwung. Lanús dagegen spielte und wechselte in den letzten 20 Minuten sehr konservativ, wollte das 0:0 mitnehmen – und wurde zehn Minuten vor Abpfiff bestraft. Eher zufällig kam Martínez aus 20 Metern zum Abschluss, Andrada konnte den wuchtigen Ball nicht festhalten. Als guter Mittelstürmer war Ignacio Scocco, der schon im Viertelfinale fünffach getroffen hatte, sofort zur Stelle und staubte ab (82.). Es blieb das Tor des Tages, dank dem River Plate nächste Woche guten Mutes ins Auswärtsspiel gehen kann. Aber auch Lanús hat im Viertelfinale gegen San Lorenzo schon gezeigt, zu was sie zu Hause mit einer mutigeren Ausrichtung fähig sein können, so dass das Halbfinale in jedem Fall noch offen ist.