Libertadores

Copa Libertadores Achtelfinale: Santos siegt auswärts

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gewannen in den Hinspielen der Copa Libertadores Santos, Jorge Wilstermann und Barcelona SC. Während Santos auswärts siegte und beste Karten auf das Viertelfinale hat, bleiben die anderen Duelle noch vollkommen offen.

Atletico Paranaense – FC Santos 2:3 (1:1) – Kayke schießt Santos zum Sieg

Das innerbrasilianische Duell zwischen Paranaense und Santos hatte schon vor Anpfiff eine spannende Geschichte parat: Paranaenses Stadion Arena de Baixada stand nicht zur Verfügung, weil dort gerade die Volleyball-Weltliga ausgetragen wird, und die Suche nach einem Alternativspielort wurde zu einer sehr kribbligen Angelegenheit. Curitiba, Paranenses Erzrivale, hätte sein Stadion nach dem Willen der Gastgeber zur Verfügung stellen sollen, war aber unwillig. Letztlich landete die Sache vor Gericht, wo Curitiba Recht bekam. Paranaense musste also nach langem Hin und Her ins kleine Estadio Dorival de Britto ausweichen, um das leicht favorisierte Santos zu empfangen.

Leicht hätte die kuriose Geschichte das Spiel überschatten können, doch tatsächlich kam es zum bisher wohl besten Match des Achtelfinals. Nach nur sieben Minuten gingen die Gastgeber nach einer Hereingabe von Sidcley durch Nikao in Front, doch Santos’ starke Offensive schlug zurück. Meisterhaft orchestriert wurde sie von Lucas Lima, der momentan vom FC Barcelona beobachtet wird und bei jedem Angriff seine Füße im Spiel hatte. So auch nach 25 Minuten, als er Kayke mit einem exzellenten Pass einsetzte und der Stürmer überlegt zum Ausgleich abschloss. In einem temporeichen Spiel ging es immer wieder hin und her, wobei vor der Pause Santos’ Keeper Vanderlei öfter eingreifen musste als sein Gegenüber Weverton – so auch, als er Lucho González’ Fernschuss mit den Fingern an den Pfosten lenkte (45.).

Weverton dagegen war nach der Pause gleich gefordert, als er gegen Kayke stark den Rückstand verhinderte (47.). Keine zehn Minuten später musste er jedoch hinter sich greifen, nachdem er einen Schuss von Ferraz etwas tölpelhaft abwehrt und der Ex-Wolfsburger Bruno Henrique zum 1:2 abstaubte (56.). Wieder geschlagen war er nach einer großartigen Kombination zum 1:3: Nach einem langen Pass von Lima pflückte Bruno Henrique den Ball perfekt aus der Luft, ließ seinen Gegenspieler stehen und flankte in die Mitte, wo Kayke den Ball mit der Hacke ins Tor leitete (68.). Es war das kollektiv vielleicht beste Tor der bisherigen Copa-Saison. Wenig später schlugen aber schon wieder die Gastgeber zurück, als nach einer Kombination über sieben Stationen letztlich Rossetto für Ederson auflegte, der den Ball in die Maschen drosch (71.). Paranense verstärkte die Offensivbemüngen dann mit der Einwechslung des zweiten Ex-Wolfsburgers, Grafite, und ein Tor hätte das rassige Spiel durchaus noch verdient gehabt. Doch es sollte nicht mehr fallen, und so hat Santos mit dem Auswärtssieg nicht nur beste Karten aufs Weiterkommen, sondern hat mit einer starken Leistung auch ein großes Ausrufezeichen gesetzt.

Jorge Wilstermann – Atlético Mineiro 1:0 (1:0) – Alvarez sichert verdienten Sieg

Jorge Wilstermann aus Bolivien zählt fraglos zu den größten Außenseitern der Ko-Phase der Copa Libertadores, doch am Mittwoch setzte das Team von Roberto Mosquera ein großes Ausrufezeichen. Schon in der Gruppenphase hatten die Aviadores alle Heimspiele gewonnen, und in der gestrigen Nacht düpierten sie mit Atlético Mineiro einen der Titelfavoriten.

Trotz des prominenten Sturmduos aus Fred und Robinho kamen die Brasilianer in der Höhe von Cochabamba von Beginn an nie wirklich in die Gänge. Stattdessen waren es die Gastgeber, die in der heimischen Liga eine extrem enttäuschende Saison spielen, die mal wieder ihr starkes internationales Gesicht zeigen konnten und das Spiel von Beginn an mit ansehlichem Kurzpassspiel dominierten. Allerdings fehlte es den Bolivianern vor der Pause dennoch erkennbar an individueller Klasse, um diese Feldüberlegenheit in Tore ummünzen zu können – dachten alle, doch kurz vor dem Pausenpfiff kam Bergese nach einem Stellungsfehler der oft wackligen Gästeabwehr zum Abschluss, Silva rettete auf der Torlinie, doch Wilstermanns Mittelstürmer Gilbert Alvarez war zur Stelle und traf mit einem akrobatischen Fallrückzieher aus fünf Metern ins Netz (41.).

Nach Wiederanpfiff reagierte Roger Machado auf das schwache Spiel seines Teams und brachte Valdivia für Robinho, später auch noch Moura für Fred. Das tat dem Spiel der Brasilianer durchaus gut, doch zunächst einmal mussten sie Schiedsrichter Fedorzuck dankbar sein, dass er ein Handspiel von Alex Silva nicht mit einem durchaus möglichen Elfmeter ahndete (51.). Auch nach dieser Szene gelang es dem Galo nicht wirklich, selbst torgefährlich zu werden, Wilstermanns Raúl Olivares verlebte lange einen recht geruhsamen Abend. Erst kurz vor Schluss musste er seinem Pfosten danken, als Rafael Moura seinen Kopfball nur ans Gestänge setzte. Dann war Schluss, Wilstermann konnte einen überraschenden, aber verdienten Sieg gegen pomadige Favoriten einfahren und darf im Rückspiel auf eine Sensation hoffen. Allerdings verlor man in der Gruppenphase auswärts alle drei Partien.

Barcelona – Palmeiras 1:0 (0:0) – Alvez der Held in letzter Minute

Guillermo Almadas Barcelona hatte die Todesgruppe gut überstanden und ging vor gewohnt heißblütigem Publikum zuversichtlich in das Duell mit den leicht favorisierten Brasilianern von Palmeiras. Auf dem Platz waren es von Beginn an die Hausherren, die ihr körperbetontes Spiel durchsetzen und die Offensive der Brasilianer – um  Zé Roberto, den sonst so starken William und den mal wieder schwachen Borja meist in Schach halten konnten, auch wenn William mit einem frechen Lupfer nach drei Minuten das erste Ausrufezeichen setzte. Besonders Barcelonas uruguayischer Mittelstürmer Jonathan Alvez war gewohnt kampffreudig und kämpfte mit der soliden Gästeabwehr um jeden Ball. Allerdings fehlte es seinen Kollegen in der ersten Hälfte offensiv an Präzision.

In der zweiten Hälfte fand Barcelona dann neuen Schwung, während Palmeiras mit dem Remis zufrieden gewesen wäre und zu passiv wurde. So kamen die Gastgeber zu immer mehr Torchancen, ließen diese aber lange ungenutzt. Als Ely Esterilla in der 88. Minute den Ball nach einer Flanke freistehend nicht traf, schienen die Ecuatorianer ihre letzte Chance vergeben zu haben, doch in der Nachspielzeit war es Jonathan Alvez, der die Fans doch noch jubeln ließ. Er zog aus 20 Metern flach ab – eigentlich kein Problem für Fernando Prass, doch Thiago Santos fälschte den Ball unglücklich ab und ließ seinem Torwart so keine Chance. Das knappe Ergebnis lässt beiden Teams für das Rückspiel in rund einem Monat alle Chancen, doch so richtig zufrieden dürften beide Parteien nicht sein.