Copa Libertadores Viertelfinale: River und Gremio weiter – Polemik um Pinola

River Plate und Titelverteidiger Gremio Porto Alegre haben das Halbfinale der Copa Libertadores erreicht. River besiegte Independiente mit 3:1, Gremio bezwang Tucuman 4:0. In beiden Spielen griff der VAR entscheidend ein.

River Plate – Independiente 3:1 (0:0)

Millonarios gegen Rojos: Einen Klassiker des argentinischen Fußballs erlebten die Fans im Estadio Monumental. Nach dem intensiven 0:0 im Hinspiel gingen beide Teams guten Mutes in das Match und lieferten sich erneut ein rassiges Duell. Einen spielentscheidenden Moment gab es nach 27 Minuten: Der Ex-Nürnberger Pinola wehrte im Strafraum einen Ball ab, traf aber nur Sekundenbruchteile später Martín Benítez mit voller Wucht am Oberschenkel. Pinola hatte Glück: Auch nach Betrachtung der Videobilder blieben Referee Daronco und sein Team bei ihrem Urteil – Ball gespielt. Eine durchaus schmeichelhafte Einschätzung, denn obwohl die Klärung unstrittig war, erfüllte das Einsteigen alle Kriterien rohen Spiels und hätte wohl eher Elfmeter und Rot nach sich ziehen müssen.

Praktisch mit Beginn der zweiten Hälfte gelang River Plate die Führung: Ein schneller Konter fand Rafael Santos Borré, der mit Überblick zu Scocco durchsteckte – der Abschluss war dann kein Problem für Rivers Goalgetter (47.). Doch in einem rasanten Spiel hielt die Führung nicht lange: Knapp zehn Minuten später klatschte ausgerechnet Rivers sonst überragender Torwart Armani einen mäßigen Abschluss von Gigliotti vor die Füße von dessen Sturmpartner Silvio Romero, der das Leder via Latte ins Tor drosch (55.). River Plate brauchte nun unbedingt einen zweiten Treffer zum Weiterkommen und konnte dabei auf die Klasse von Juan Quintero zählen. Der nutzte einen unsortierten Moment in Independientes Defensive, führte den Ball ins letzte Drittel und brachte ihn dann abgezockt im Tor unter (69.). El Rojo warf nun alles nach vorne und wurde stattdessen ausgekontert: Im Zwei-gegen-Zwei-Konter setzte Nicolás de la Cruz den guten Santos Borré ein, der seinen Gegenspieler aussteigen ließ und ins lange Eck schlenzte (85.) – der Schlusspunkt. Damit steht River Plate zum dritten Mal in vier Jahren im Libertadores-Halbfinale, während Independiente nach dem Triumph in der Copa Sudamericana 2017 keinen weiteren internationalen Pokal holen wird.

 Gremio – Atletico Tucuman 4:0 (2:0)

Titelverteidiger Gremio ist auch dieses Jahr einer der Topfavoriten und ließ im Viertelfinale gegen Tucuman nicht den Hauch eines Zweifels daran. Schon im Hinspiel in Tucuman siegten die Tricolores mit 2:0, im Rückspiel gab es dann keine Sensation – ganz im Gegenteil. Nach 36 Minuten ging das Team von Renato Gaúcho in Front: Leo Mouras Flanke fand den nachrückenden Thaciano, dessen Kopfball Luan aus Nahdistanz über die Linie drückte. Nur ein paar Minuten später war die Serie endgültig entschieden, nachdem Alisson – nach Traumpass von Luan – frei auf Torwart Lucchetti zulief und von diesem zu Fall gebracht wurde (39.). Über den Elfmeter gab es keine Diskussionen, wohl aber über die Farbe der Karte gegen Lucchetti. Nach Ansicht der Videobilder entschied der Referee, dass der argentinische Torhüter bei seinem Foul keine ernsthaften Absichten hegte, den Ball zu spielen – Rot! Eine strittige, aber vertretbare Auslegung. Cícero war das egal, er verlud den eingewechselten Alejandro Sanchez und traf zum 2:0 (45.).

Die zweite Hälfte war im Wesentlichen ein Schaulaufen der Gastgeber in der beeindruckenden Atmosphäre der Arena do Gremio. Tucuman half dabei nach Kräften mit – eine Klärungsaktion von Lamas (nach dem Versuch des erneut sehr auffälligen Alisson) traf Torwart Sánchez, von dem der Ball Richtung eigenes Tor prallte, wo dann auch noch Mercier über das Leder schlug – ein äußerst unglückliches Eigentor zum 3:0 (53.). Den Schlusspunkt durfte Gremios Joker Jael setzen, der einen etwas schmeichelhaften Elfmeter in der Nachspielzeit zum 4:0-Endstand verwandelte. Trotz der glücklichen Umstände war es eine starke Ansage an die Konkurrenz: Mit Gremio ist zu rechnen.