Copa Libertadores Viertelfinale: Palmeiras und Boca weiter

Nach Gremio und River Plate stehen auch Palmeiras und die Boca Juniors im Halbfinale der Copa Libertadores. Palmeiras eliminierte Colo-Colo durch einen 2:0-Heimsieg, während Boca ein 1:1-Remis bei Cruzeiro reichte.

Palmeiras – Colo-Colo 2:0 (1:0)

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mussten die Fans von Colo-Colo auf ein „Wunder von Sao Paulo“ hoffen: Nach der 0:2-Hinspielniederlage gegen Palmeiras lagen die Chancen für die Chilenen nahe null. Tatsächlich ließen die favorisierten Gastgeber nie Zweifel daran, wer Herr im Allianz Parque war. Dem von Luiz Felipe Scolari trainierte Verdao gelang es, defensiv stets stabil zu stehen und das Match zu kontrollieren. Eine starke Einzelaktion von Dudu reichte dann zur Führung: Palmeiras‘ Linksaußen trat im Mittelfeld an, wurde nur sehr halbherzig attackiert und traf aus 20 Metern wuchtig ins linke Eck (37.).

Dudu sollte auch kurz nach der Pause im Mittelpunkt stehen, als er im Zweikampf mit Opazo zu Fall kam. Referee Wilmar Roldán verhängte einen überharten Elfmeter, doch der VAR schritt nicht ein – es handelte sich um keine klare Fehlentscheidung. Palmeiras‘ Goalgetter Miguel Borja verwandelte vom Punkt (54.) – bereits sein neunter Treffer, womit der vermeintliche Fehleinkauf nun gemeinsam mit Wilson Morelo bester Schütze des Wettbewerbs ist. Colo-Colo hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen und kassierte seine sechste(!) Pflichtspielniederlage am Stück – harte Zeiten für die Albos, trotz des ersten Viertelfinaleinzugs seit 1997.

Cruzeiro – Boca Juniors 1:1 (0:0)

Im letzten Viertelfinale in der Nacht von Donnerstag auf Freitag rannte Cruzeiro gegen Boca einem Rückstand hinterher: In einem von Polemik geprägten Hinspiel hatte das Team aus Belo Horizonte mit 2:0 in La Bombonera verloren – auch, weil Kapitän Dede eine völlig unberechtigte Rote Karte gesehen hatte (diese wurde nachträglich aufgehoben, so dass Dede auch im Rückspiel beginnen konnte). Auf der anderen Seite hatte Boca seinen Torwart Esteban Andrada verloren, der schwer am Kiefer verletzt wurde. Statt ihm stand der junge Agustin Rossi im Tor der Xeneizes. Sein Team begann abwartend und auf Sicherheit bedacht – mit der Aufstellung von Nahitán Nández und Sebastián Villa setzte Barros Schelotto klar ein Zeichen für defensive Stabilität und schnelle Konter, während Ramon Abila (gegen sein Ex-Team), Carlos Tévez und Edwin Cardona zunächst draußen blieben. Obwohl insbesondere Nandez ein sehr gutes Spiel machte, lief Boca meist nur hinterher. Auch Agustin Rossi im Tor war keine große Sicherheitsgarantie – eher im Gegenteil: Als er den Ball bei einem von mehreren unglücklichen Ausflügen nur unzureichend klärte, traf Barcos aus dem Rückraum zur vermeintlichen Führung (45.). Referee Andrés Cunha pfiff zur Erleichterung der Argentinier allerdings ein gefährliches Spiel von Cruzeiros Innenverteidiger Dede – eine vertretbare, aber nicht wirklich zwingende Entscheidung.

Nach Wiederanpfiff attackierte Cruzeiro mit noch mehr Schwung. Zunächst allerdings der falschen Sorte – bei einer Ecke sprang Dede in den gegnerischen Keeper und kam diesmal nur mit Gelb davon (51.). Dann wurde Hernán Barcos im Strafraum zu Fall gebracht, hatte allerdings zuvor im Abseits gestanden (54.), wie der Assistent korrekt erkannte. Dennoch sollte das 1:0 bald fallen: Nach einer Ecke fiel der Ball dem eingewechselten Sassa vor die Füße, der sicher traf (57.). Nun schwamm Boca, rettete sich aber irgendwie mit der Führung in die Schlussphase. Dort waren die Blaugelben dann mal wieder in der Überzahl, denn Dede flog für ein Foul nach einem Schiedsrichterball mit gelb-rot vom Platz (80.). In Unterzahl waren Palmeiras’ Angriffe fruchtlos, stattdessen assistierte Abila per Brust für den schnellen Pavón, der mit seinem Ausgleich das Weiterkommen endgültig sicherstellte (90./+3). Nun trifft Boca im Halbfinale auf Palmeiras – ein Duell, das es schon in der Gruppenphase gegeben hatte. Für den nach dem verlorenen Superclásico hart kritisierten Barros Schelotto ist das Weiterkommen eine persönliche Genugtuung. Apropos Superclásico: Der ist übrigens auch im Finale möglich…