1. Runde Copa Sudamericana: Fluminense zittert sich weiter, San Lorenzos Abwehr hält

Einen Monat nach den Hinspielen standen zehn Rückspiele der ersten Copa-Sudamericana-Runde an. Mit den argentinischen und brasilianischen Teams starteten auch einige der namhaftesten Vertreter des diesjährigen Wettbewerbs. Die meisten Spiele endeten mit Favoritensiegen, allerdings musste insbesondere Fluminense überraschend noch zittern.

Die Teams von Boston River und Jaguares gelten als Außenseiter. Im Hinspiel hatten die Jaguares etwas Glück, auch dank eines schmeichelhaften Elfmeters mit 2:1 zu siegen. Im Rückspiel in Uruguay war das Glück dann aber aufgebraucht: Boston River setzte sich klar und deutlich mit 3:0 durch. Der 41-jährige Kapitän Diego Scotti brachte Alejandro Apuds Team per Fernschuss in Führung, kurz nach der Pause erhöhte Innenverteidiger Joaquín Pereyra. Das vorentscheidende 3:0 war dann wieder Sache von Scotti, der eine Freistoßflanke einköpfte. Die Jaguares hätten nun zwei Tore für das Weiterkommen gebraucht, konnten aber nie reagieren und schieden verdient aus.

Mehr Drama gab’s in Bolivien: Schon im Hinspiel hatte der bolivianische Außenseiter Guabira dem Favoriten LDU Quito ordentlich Paroli geboten und mit einer knappen 1:2-Niederlage eine passable Ausgangslage fürs Rückspiel mitgebracht. Im heimischen Montero waren die Bolivianer dann noch einmal stärker und gingen durch José Castillo in Führung. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Anangono warf die Azucareros nicht zurück, und Diego Hoyos und Juan Montenegro stellten auf 3:1 – es hätte das Weiterkommen bedeutet. Doch die Gäste aus Ecuador konnten auf Hernán Barcos zählen: Erst acht Minuten stand der Argentinier auf dem Feld, da gelang ihm der 3:2-Anschlusstreffer, der auch der Endstand sein sollte. Es war Barcos‘ 17. Tor in der Copa Sudamericana, womit er Rekordschütze des Wettbewerbs ist, und es war der entscheidende Treffer, denn die Auswärtstorregel bringt La Liga weiter.

Der gleiche Endstand, aber bedeutend weniger Aufregung in Montevideo: Deportivo Calis 3:0-Hinspielsieg hatte gegen Danubio eigentlich alles schon klargemacht. La Franja startete dennoch motiviert und kam schon nach drei Minuten zum 1:0 – Leandro Sosa traf per Kopf. Doch Danubios Schwung war nicht genug, und die Kolumbianer stellten die abgezocktere Mannschaft. Kurz nach der Pause nutzte Cali die zunehmenden Räume zu einem Doppelschlag: Nur wenige Sekunden lagen zwischen Nicolás Benedettis tollem Lupfertor und Didier Delgados Direktabnahme aus spitzem Winkel. Beide Assists kamen von Calis Stürmerstand José Sand, letzte Saison Libertadores-Finalist mit Lanús. Dennoch gaben sich die Gastgeber nicht auf und kamen letztlich zu einem sehr ehrenhaften 3:2-Sieg: Pablo Ceppelini und José Luis Rodriguez nutzten die schwindende Konzentration in der Defensive der Grünen und drehten das Spiel erneut. Ein Weiterkommen war allerdings nie realistisch, drei Tore hätten noch gefehlt.

Keine Priorität hatte die Copa Sudamericana für Atletico Mineiro: Coach Larghi schonte trotz der 0:1-Hinspielniederlage gegen San Lorenzo auch im Rückspiel die meisten seiner Stammspieler, der Präsident bezeichnete den Wettbewerb als „die 2. Liga der Copa Libertadores“. Dennoch begann O Galo durchaus schwungvoll, der auffällige Erik und Yago hätten die Serie früh ausgleichen können. San Lorenzo dagegen spielte eher abwartend und hatte in Fabricio Coloccini seinen Turm in der Abwehrschlacht. Das sollte reichen, denn mit der Zeit wurden Mineiros Angriffe immer uninspirierter, so dass am Ende ein logisches 0:0 stand.

Vermeintlich entschieden war das Duell zwischen Nacional Potosí und Fluminense. Die Bolivianer hatten in Brasilien ein erst in der Schlussphase deutliches 0:3 kassiert und brauchten ein Wunder zur Aufholjagd. Doch wer das Spiel in Potosi sah, der konnte nicht sagen, wer hier eigentlich das Low-Budget-Team und wer der klare Favorit war: Von Anfang an drückten die Gastgeber Fluminense hinten rein und vergaben mehrere klare Torchancen. Dennoch dauerte es 50 Minuten, bis Harold Reina die Rot-Weißen in Führung brachte. Zehn Minuten später durfte der Kolumbianer per Elfmeter sogar einen Doppelpack schnüren, Jadson hatte Edson Perez gelegt. Die Sensation lag in der dünnen Höhenluft von Potosi, doch das erlösende dritte Tor sollte nicht fallen – Fluminense kommt mit dem Schrecken einer 0:2-Niederlage davon, wird in der nächsten Runde aber eine deutlich bessere Leistung zeigen müssen.

Ganz ähnlich war die Situation zwischen Newell’s und Atletico Paranense: Auch hier hatten die Brasilianer einen 3:0-Heimsieg vorgelegt, und auch im Estadio Marcelo Bielsa ließen sich die Gastgeber nicht entmutigen. Trotz sintflutartigen Regenfällen entwickelte sich ein ansehliches Spiel, in dem Nuls durch zwei Tore von Angreifer Luis Leal noch auf die Wende hoffen konnte. Es hätte sogar ein Hattrick werden können, doch ließ Leal per Kopf die große Chance auf das 3:0 ungenutzt – ein Fehlschuss, der sich rächte: Ein schöner Angriff der Brasilianer fand in der Mitte Nikao, der fünf Minuten vor Schluss auf 2:1 verkürzte und somit die Qualifikation sicherstellte. Trotz des Ausscheidens wurde das Team von La Lepra zu Recht mit Beifall verabschiedet.

Ebenfalls in der nächsten Runde steht Botafogo. O Fogao hatte im Hinspiel beim chilenischen Vertreter Audax Italiano mit 2:1 gewonnen und damit beste Karten aufs Weiterkommen. Audax, Schlusslicht der heimischen Liga und ohne den nach einem Ausraster suspendierten Stürmerstar Sebastián Abreu angetreten, begann dennoch mutig: Mittelstürmer Tarifeño wurde von seinem Gegenspieler Jefferson klar gelegt, doch Schiedsrichter Espinoza verwehrte den fälligen Elfmeter für die Itálicos. Ansonsten gaben die Gastgeber meist den Ton an, ohne die ganz großen Chancen verzeichnen zu können. Erst in der zweiten Hälfte fasste sich Matheus Fernandes ein Herz und traf aus gut 25 Metern zum 1:0. Die Vorlage war vom besten Mann, Leo Valencia, gekommen. Botafogo vergab nun Chancen auf das 2:0 und musste doch noch kurz zittern: Fünf Minuten vor Schluss schlug ein krachender Fernschuss von Luis Cabrera im Tor ein. Ein weiterer Treffer für Audax hätte nun ein Elfmeterschießen bedeutet, doch es blieb beim 1:1.

Zu den überraschenderen Hinspielergebnissen hatte das 2:0 des paraguayischen Vertreters Sol de América über Independiente Medellín gezählt. Für DIM war die Maßgabe also klar: Gewinnen und kein Gegentor kassieren. Letzteres ging keine 15 Minuten gut, denn César Villagra traf für die Paraguayer nach einem Freistoß von Zeballos. Es entwickelte sich in der Folge eine wahre Regenschlacht, in der zunächst Hernán Pertuz per Kopfball der Ausgleich gelang. Weitere Chancen waren zur Genüge vorhanden, dennoch dauerte es 70 Minuten bis zum zweiten Treffer – Germán Cano verwandelte einen Strafstoß. Kurz darauf traf der eingewechselte Juan Caicedo zum 3:1. Doch trotz der engagierten Versuche Medellíns blieb dem Poderoso de la Montaña das so wichtige vierte Tor verwehrt, so dass Außenseiter Sol de América in die nächste Runde einzieht.

Keinen guten Tag erwischten die Angreifer von Sao Paulo und Rosario: Beide Teams, die sich im Hinspiel 0:0 getrennt hatten, vergaben beste Chancen. Beispielsweise scheiterte Nene auf Seiten der Gastgeber mit zwei riesigen Möglichkeiten an Torwart Ledesma, auf der Gegenseite hätte auch Joaquin Pereyra treffen müssen. So fiel der 1:0-Siegtreffer für die leicht überlegenen Gastgeber, wie er fallen musste: Reinaldo scheiterte am Pfosten, von wo der Ball ans Schienbein des verdutzten Diego Souza prallte – und von dort ins Tor. Dass es beim Weiterkommen der Brasilianer blieb, hatten sie auch ihrem Torhüter Sidao zu verdanken, der mit einer spektakulären Abwehr den möglichen Ausgleich durch Da Campo vereitelte. Hässlich wurde es in der Nachspielzeit, als Christian Cueva für ein rücksichtsloses Einsteigen Rot sah. In der aufgeheizten Atmosphäre sahen dann auch sein Teamkollege Petros und Rosarios Herrera noch die rote Karte, eher Referee Aquino ein Einsehen hatte und das Spiel beendete.

Partystimmung in der Araukanie: Es stand das erste internationale Heimspiel in der Geschichte von Deportes Temuco an. Mit dem venezolanischen Vertreter Estudiantes Mérida bekam der Verein, dessen Präsident die Legende Marcelo Salas ist, zudem einen machbaren Gegner, im Auswärtsspiel kam man zu einem ordentlichen 1:1. Im Rückspiel wurden die Gastgeber früh beschenkt: Ein absurder Fehlpass im Aufbau der Venezolaner brachte Mathías Riquero in Schussposition, der Uruguayer zögerte nicht lange und überwand Keeper Araque. Merida hatte dem Schwung Temucos zunächst wenig entgegenzusetzen. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wurden die Gäste besser und kamen zu Ausgleichschancen. Auch in der zweiten Halbzeit hätten beide Teams mehrere Treffer erzielen können – beispielsweise scheiterte Canio aus kürzester Distanz für Temuco, bei den Venezolanern vergab Castillo freistehend vor dem Kasten. Während Castillo keine weitere Chance bekam, hatte Canio seine Revanche: In der Nachspielzeit sprach der Referee den Chilenen einen Foulelfmeter zu, und Temucos Kapitän verwandelte sicher zum 2:0.

Die erste Runde der Copa Sud wird am 24. Mai mit dem Duell zwischen Bahia und Blooming (Hinspiel 0:1) abgeschlossen. Zur zweiten Runde werden sich zu den 22 Überlebenden der ersten Runde zehn Vertreter aus der Copa Libertadores (acht Tabellendritte und zwei Verlierer der letzten Qualifikationsrunde) gesellen.