Flamengo
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Spotlight: CR Flamengo Rio de Janeiro

Flamengo ist eine Institution im brasilianischen Fußball und ein Aushängeschild für Rio de Janeiro. Trotz der großen Bekanntheit, ist die Titelsammlung des Clubs schon lange nicht mehr entscheidend erweitert worden. Am Mittwoch haben die Rot-Schwarzen die Gelegenheit im Rückspiel der Copa Sudamericana wieder einen bedeutenden Wettbewerb zu gewinnen. Nach der Hinspielniederlage in Avellaneda wird es allerdings nicht einfach, gegen Independiente zu bestehen. Zur Einstimmung auf das Spiel werfen wir einen Blick auf den Traditionsverein von der Copacabana.

Rio de Janeiro, die Metropole am Zuckerhut ist, wie soll es auch anders sein, ein Tummelplatz von Fußballvereinen. Viele davon spielen in der höchsten brasilianischen Liga. Der Club mit der größten Strahlkraft ist jedoch Flamengo, auch wenn dessen letzter großer Erfolg schon einige Jahre vergangen ist. Diesen Sachverhalt kann die Mannschaft von Reinaldo Rueda im Rückspiel des Finals der Copa Sudamericano ändern und sich einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern. Verzichten muss Flamengo dabei allerdings auf seinen Goalgetter: Paolo Guerrero wurden Abbauprodukte von Kokain bei einer Dopingkontrolle nachgewiesen. Der Peruaner wird demnach weder für Flamengo im Finale spielen können noch bei der WM in Russland zu sehen sein.

Flamengo hat aber auch ohne den Peruaner interessantes Spielermaterial mit hoher Qualität zu bieten. Im Fokus der Medien ist nicht der Routinier und Ex-Bundesligaakteur Diego, sondern ein Youngstar. Vinicius Junior ist so ziemlich das Heißeste, was der brasilianische Transfermarkt zu bieten hat. Real Madrid hat den 17-jährigen verpflichtet und um ihm Spielpraxis zu gewähren an Flamengo verliehen. Er wird zumeist als Joker eingesetzt und sorgt für frischen Wind im Angriff. Nicht so viel Spielzeit aber genauso interessant ist der ebenfalls im Jahr 2000 geborene Lincoln. Auch der Stürmer hat bereits so manche Begehrlichkeit in Europa geweckt. Bei ihm wird allerdings fraglich sein, ob er im Finale zum Einsatz kommt – Lincoln wartet derzeit noch auf seinen absoluten Durchbruch. Wer nach seinem Schlüsselbeinbruch ebenfalls nicht zur Verfügung stehen wird, ist die nominelle Nummer 1. Diego Alves kennen wir vom FC Valencia aus der Primera Division und wird wohl durch Cesar ersetzt werden.

Flamengo und der Weg ins Finale

Alves hatte sich im Halbfinale der Sudamericana das Schlüsselbein gebrochen. Zum Trost besiegten seine Kollegen Atletico Junior aus Kolumbien, womit sich die Mannschaft für das Finale qualifizierte. Erst über den Umweg Copa Libertadores kam Flamengo in die Copa Sudamericana. Als dritter in der Gruppenphase des Libertadores-Pokals rutschte man in die 2. Runde der Sudamericana ab. Dort eliminierte man zunächst den chilenischen Vertreter CD Palestino deutlich mit 10:2 (kumuliert). Im Achtelfinale kam es zum innerbrasilianischen Duell mit dem Titelverteidiger von Chapecoense. Es kam zum Duell gegen jenen Club, der vor etwa einem Jahr auf dem Weg zum Finale dieses Wettbewerbs bei einem Flugzeugabsturz verunglückte und daraufhin der Titel zugesprochen wurde. Flamengo setzte sich nach einem torlosen Hinspiel im Rückspiel klar mit 4:0 durch.

Für das Viertelfinale sollte dann die Losfee einen ganz besonderen Leckerbissen bereithalten. Es kam zum prestigeträchtigen Fla-Flu (chefutbol.com berichtete bereits ausführlich über das brisante Derby und dessen Tradition). Die beiden Spiele im Maracana hielten auch, was sie versprachen. Nach einem 1:0 “Auswärtssieg” war Flamengo im Rückspiel mit 3:1 hinten. Das Aus wurde durch Tore in der 68. und in der 84. Minute noch auf der Zielgerade abgewendet. Den umjubelten Treffer in der Schlussphase steuerte Willian Arao bei.

Wer zum Geier

Der Club gilt als der Verein mit der größten Anhängerschaft Brasiliens. Zudem gibt es Forschungen die belegen wollen, dass Flamengo gar die meisten Fans der Welt besitzt. Über 40 Mio. Anhänger soll Flamengo alleine in Brasilien haben. Der Club erfreut sich vor allem auch in den Favelas von Rio großer Beliebtheit. Überall sieht man das rot-schwarze Emblem an den Häuserfassaden hängen. Das Fan-Kollektiv wird „a Naçao“ genannt und bedeutet „die Nation“. Der Begriff wird abgeleitet von der weiten Verbreitung der Anhänger Flamengos und der damit einhergehenden Vielfalt an Menschen, die Flamengo unterstützen.

Das Maskottchen ist Samuca und soll einen Urubu darstellen. Dabei handelt es sich um einen Neuweltgeier, welcher auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet ist und eine ganz eigene Geschichte auf seinem Weg zum Maskottchen zu erzählen hat. In den 60er Jahren bezeichneten gegnerische Fans die Anhänger von Flamengo oft als Urubu. Dabei handelte es sich um eine rassistische Anspielung auf die häufig dunkle Hautfarbe der Fans von „o Rubro-Negro“. Ein Anhänger hat deshalb vor einem Stadtderby gegen Botafogo einen solchen Vogel mit Fahne am Fuß mitgebracht. Bevor die Spieler den Rasen betreten hatten, flog der Geier kurzerhand auf das Spielfeld und die Fans im Stadion feierten den Vogel. Weil das anschließende Derby noch dazu gewonnen wurde, entwickelte sich der Urubu zum Maskottchen und löste seinen unbeliebten Vorgänger  Popeye ab.

Der weiße Pelé

Enormen Einfluss auf das Image des Clubs hatte Zico, welcher noch heute als Vereinsikone verehrt wird. In seiner Zeit bei den Rot-Schwarzen erzielte die Nummer 10 insgesamt 568 Tore. Damit ist er der erfolgreichste Torschütze in der Vereinsgeschichte. Vier der insgesamt fünf Meisterschaften von Flamengo fallen in die Zeit, in der Zico für Flamengo aufgelaufen ist. Unsterblich machte sich der in Rio geborene Ausnahmekönner, als er 1981 seine Mannschaft erst zum Sieg in der Copa Libertadores führte und im Anschluss auch noch den Weltpokal durch ein klares 3:0 über den FC Liverpool gewinnen konnte.

Für den Club, welcher seinen Beinamen Flamengo vom gleichnamigen Stadtteil erhalten hat, ist dieser Sieg im Weltpokal der größte Erfolg der langen Geschichte. Wie so viele Vereine in Brasilien, ist auch Flamengo als Regatterclub gegründet worden. Das war 1895, sodass kürzlich erste der 122. Jahrestag der Gründung gefiert werden durfte. Seit der Gründung des Clubs sind zu Rudern und Fußball auch andere Abteilungen, wie Basketball, Volleyball, Schwimmen, Judo und noch viele mehr hinzugewachsen. Damit ist Flamengo unbestritten eine der größten Sportinstitutionen des Landes. Das Vereinsgelände findet sich heute im Stadtteil Leblon und beherbergt auch das im Eigentum befindliche Stadion.

Rot-Schwarze Stadionnomaden

Das offensichtlich in die Jahre gekommene Bauwerk als Herzstück der Sportanlage inklusive eines Schwimmbads wird mit seiner Kapazität von 4.000 Zuschauerplätzen den Ansprüchen Flamengos allerdings längst nicht mehr gerecht. Das nach José Bastos Padilha benannte Stadion wird lediglich von Nachwuchsteams oder als Trainingsort genutzt. Das berühmt berüchtigte Maracana ist seit dieser Saison auch nicht mehr die erste Wahl für den Regatterclub. Es ist für den Ligaalltag zu groß und die Miete entsprechend zu kostspielig. Deshalb hatte man sich entschieden, im Stadion auf der Ilha do Urubu vor 22.000 Zuschauern seine Heimspiele zu bestreiten. Weil für wichtige Partien immer noch das Maracana beansprucht wird und aufgrund der großen Fangemeinde Flamengos auch immer wieder Heimspiele in fremden Städten des Landes ausgetragen wurden, ist Flamengo heute der hiesigste Akteur im Stadionkarussell von Rio.

Am Mittwoch soll das Maracana Austragungsort für einen Meilenstein in Flamengos langer Geschichte werden. Es ist die perfekte Kulisse für ein Finale welches unter dem Hashtag „VamosVirarMengo“ vermarktet wird. Damit wird dazu aufgerufen, das Finale im Rückspiel noch zu drehen. In den sozialen Medien des Clubs wird viel Hoffnung und Glaube in den Triumpf versprüht. Der Club steht wie kein anderer für das Image des brasilianischen Fußballs, er steht für “o jogo bontio”. Jetzt müssen die Akteure auf dem Spielfeld mit dem schönen Spiel gegen Independiente einen 2:1 Rückstand aufholen.