Angulo
granadacfweb

Der tiefe Fall des ecuadorianischen Rohdiamanten José Angulo

Esmeraldas, die nördlichste Provinz Ecuadors, ist seit jeher eine der Hochburgen für Spitzenfussballer des Andenlandes. Aus dieser Region stammt auch José Enrique Angulo Caicedo. Geboren 1995 in der Kleinstadt San Lorenzo, unweit der kolumbianischen Grenze, erlebte er in den letzten drei Jahren seine grössten Erfolge und einen tiefen Fall.

Mit 16 Jahren wechselte José Angulo wegweisend zum Neo-Spitzenclub Independiente del Valle (Quito) in die Jugendabteilung und vier Jahre später schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft. Dort schlug er ein wie eine Bombe: 11 Tore in 14 Spielen. Im Folgejahr unterstrich er neben 15 Toren in der ecuadorianischen Serie A mit 6 Toren in der Copa Libertadores seine Qualitäten.

Er galt bald als Sturmhoffnung der ecuadorianischen Nationalmannschaft. Kein Wunder also umwarben ihn amerikanische und europäische Clubs. Im August 2016 einigte sich Independiente del Valle mit dem spanischen Erstligisten FC Granada. Die Karriere von José Angulo nahm unaufhaltsam ihren Lauf.

Positive Dopingprobe im Libertadores Finalhinspiel bei Angulo

Doch nur knapp zwei Wochen später kam der grosse Schock: Angulo war beim Dopingtest nach dem Copa-Libertadores-Finalhinspiel positiv auf Kokain getestet worden. Der Ecuadorianer stritt zwar alles ab und erklärte, niemals Drogen konsumiert zu haben. Der FC Granada bestätigte im September 2016 indes, dass auch der Befund der B-Probe positiv gewesen sei.

Granada reagierte unverzüglich, löste den Vertrag auf und José Angulo kehrte nach Ecuador zurück. Eine Sperre von zwei Jahren schien nur Formsache. Unterstützung erhielt er nicht unerwartet von seinem Ex-Klub Independiente, der von seiner Unschuld überzeugt war.

Negative Probe im Finalrückspiel wirft Fragen auf

Nachdem er auch beim Finalrückspiel der Copa Libertadores zufällig für die Dopingprobe ausgewählt wurde und das Ergebnis überraschend negativ ausfiel, versuchte José Angulo mit allen Mitteln seine Unschuld zu beweisen. Neben Anhörungen bei der CONMEBOL in Paraguay sollten auch weitere Proben in Frankreich und Kuba für Aufklärung sorgen, denn alle diese Tests fielen negativ aus.

Der südamerikanische Verband sah als erwiesen an, dass Angulo das Kokain nicht zur Steigerung der Leistung, sondern eher zufällig eingenommen hatte. Die Disziplinarkommission sperrte den 22-jährigen dennoch rückwirkend für ein Jahr. Nach permanentem Fithalten beim Stammverein, konnte José Angulo im Juli 2017 wieder auf das Spielfeld zurückkehren. Das Thema war somit abgehakt…dachte man.

FIFA sorgt für 4-Jahres-Sperre

Natürlich hatte auch die FIFA den Dopingfall schon lange aufgegriffen und beim internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne gegen das Urteil appelliert. Kurz vor den letzten Weihnachten folgte dann die Hiobsbotschaft für den Ecuadorianer: gestützt darauf, dass Angulos Beweismittel nicht durch wissenschaftliche Stellen erstellt wurden und somit unzulässig sind, revidierte der Sportgerichtshof das Urteil und vervierfachte die Sperre. Zwar lassen Independiente del Valle und die Anwälte keine Möglichkeit aus, um das Urteil doch noch umzustossen, sollte der CAS dieses jedoch bestätigen, würde José Angulo nicht vor Mitte 2020 weitere Tore schiessen. Mit dem riesigen Problem, sich nicht bei Ernstkämpfen auf dem nötigen Niveau halten zu können, hängt nun vor allem seine internationale Zukunft an einem sehr dünnen Faden.