Gareca

Nach 36 Jahren: Peru fährt zur WM

Das Teilnehmerfeld für die WM 2018 in Russland steht, und der letzte Teilnehmer heißt Peru. Die Blanquirroja siegte im Play-Off-Rückspiel mit 2:0 gegen Neuseeland und versetzte ein ganzes Land in Ekstase.

Schamanen verfluchten das neuseeländische Team, der Präsident versprach einen Feiertag im Falle der WM-Qualifikation, die Gäste mussten eine seltsame Serie logistischer Unregelmäßigkeiten über sich ergehen lassen: An Kuriositäten war Peru noch nie arm, aber vor dem Spiel gegen Neuseeland konnte jeder sehen, welch gigantische Bedeutung eine mögliche WM-Qualifikation für das Land haben würde. Nach dem 0:0 im Hinspiel standen die Chancen gut, dass die Blanquirroja erstmals seit 1982 einen Platz bei der Weltmeisterschaft buchen würde.

Das Team von Ricardo Gareca begann dabei nur personell offensiv: Der offensivstarke Luis Advincula ersetzte Aldo Corzo und spielte nur nominell rechts hinten, der Freigeist Edison Flores begann als Achter, Raúl Ruidiaz rückte in die Startformation. Mit entsprechendem Schwung begannen die Gastgeber, und Advinculas herrlicher Fernschuss hätte nach drei Minuten das 1:0 verdient gehabt – der Ball klatschte jedoch nur an die Latte. In der Folge flogen dem Gästekeeper Stefan Marinovic im Minutentakt Flanken von Advincula und Trauco um die Ohren, ein Handspiel des neuseeländischen Kapitäns Winston Reid blieb ungeahndet (25.). Die Belohnung für Peru folgte nach 28 Minuten: Nach Cuevas Vorlage ließ der Ex-Schalker Jefferson Farfán den Ball kurz aufkommen und drosch ihn dann über Marinovic in die Maschen – Golazo! Von den Kiwis kam dagegen offensiv nichts. Die Neuseeländer mussten sich stattdessen bei Marinovic bedanken, der vor der Pause mit einer sensationellen Parade gegen Farfán das 2:0 und damit die Vorentscheidung verhinderte (43.).

Angetrieben von einem euphorischen Estadio Nacional begann Peru auch die zweite Halbzeit als bessere Mannschaft, wenngleich Neuseeland nun zumindest ein paar ansatzweise gefährliche Angriffe einstreuen konnte. Doch nachdem Chris Wood per Kopf an Perus Schlussmann Gallese gescheitert war (50.), traf wieder Peru: Nach der Ecke von Christian Cueva, der gemeinsam mit Farfán von den Neuseeländern nie zu halten war, fiel der Ball Christian Ramos vor die Füße. Der Innenverteidiger reagierte schnell und traf unhaltbar (65.). Damit war das Duell praktisch entschieden. Ein letztes Mal rettete Gallese gegen Wood (90.), dann pfiff der französische Referee Turpin ab, und es gab kein Halten mehr. Seit 1982 waren die Incaicos nicht mehr bei einer Weltmeisterschaft vertreten gewesen, viele Peruaner haben noch nie ein WM-Spiel ihrer Mannschaft gesehen. Dementsprechend grenzenlos war der Jubel.