Führt Osorio Nacional zu altem Glanz zurück?

Der Fall oder besser der Zerfall von Atletico Nacional ist heftig. Noch 2016 waren die Grün-Weissen aus Medellin das dominierende Team in Südamerika. Gewinn der Copa Libertadores, Final in der Sudamericana, Rekorde in der heimischen Liga. Nacional spielte spektakulär. Borja, Torres, Mejía, Quintero, Berrío, Bocanegra, Moreno und Guerra wirbelten und trafen, hinten stand mit Franco Armani ein Torhüter, der mit jeder Saison besser wurde. Alle diese Spieler (mit Ausnahme von Bocanegra) sind weg, spielen in Brasilien, Argentinien oder Europa. Den Grundstein für diese Erfolge legte Juan Carlos Osorio, der Nacional zwischen 2012 und 2015 in 9 Endspiele und zu 6 Titeln führte. Dann zog der Trainer weiter, zuerst zu São Paulo, danach zur mexikanischen Nationalmannschaft. Danach folgte ein mysteriöses kurzes Gastspiel in Paraguay. Er sollte die Guaranis an der Copa America und in der WM-Quali für Katar zu alten Erfolgen zurückführen. Nach 6 Monaten war Schluss – offiziell wegen familiären Problemen.

Derweil feierte Nacional zuerst unter Reinaldo Rueda die nationalen und internationalen Erfolge. Dann stürzte das Gefüge der Verdolagos wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Dominanz der letzten Jahre war wie weggeblasen. Tiefpunkte waren die Nichtqualifikation für die Playoffs in der Clausura 2018 und die Elimination in der Qualifikationsrunde der diesjährigen Copa Libertadores gegen Libertad. In der heimischen Liga war auch diese Saison nichts zu holen. Nicht nur die Resultate enttäuschten, sondern auch das Auftreten der Mannschaft inklusive der Trainer, allen voran des Spaniers Juan Manuel Lillo. Auf ihn folgten der Argentinier Jorge Almiron und zuletzt der Brasilianer Paulo Autuori.

Gestern zogen die Verantwortlichen die Reissleine und verkündeten die Rückkehr von Juan Carlos Osorio nach Medellin. Die Emotionen der Fans gingen gestern hoch. Die Vorzeichen stehen jedoch umgekehrt: aktuell hat die Mannschaft weder die Qualität noch das Selbstvertrauen von „damals“.