Kolumbien
Alvaro Melendez

Interview mit Alvaro Melendez – Das Leben eines Profis in Kolumbien

Vor wenigen Wochen hatte Chefutbol die Möglichkeit ein Interview mit Alvaro Melendez zu führen. Der 21-Jährige Offensivspieler steht derzeit bei Deportivo Pereira unter Vertrag. Mit dem kolumbianischen Zweitligisten kämpft der Offensivspieler um den Aufstieg in die Liga Aguila. Gegenüber Chefutbol äußerte er sich über die Bedingungen eines Profifußballers in Kolumbien, aber auch über seine persönlichen Ziele.

“Das ist der Unterschied zwischen den armen und den reichen. Der Arme hat immer Hunger, sich zu verbessern.”

Hallo Alvaro, wie geht’s dir?

Mir geht’s gut danke dir!

Erst einmal vielen Dank für das Interview. Es ist etwas ganz Besonderes für Chefutbol.

Kein Problem. Es ist mir eine Freude, das mit euch zu machen.

Als aller erstes wollte ich dich fragen, wie du den Fußball in Kolumbien im Vergleich zum Fußball der anderen Länder in Südamerika siehst?

Der Fußball in Kolumbien ist relativ vielfältig. Der brasilianische und argentinische Fußball sind uns derzeit noch etwas überlegen. Ich denke die Spieler aus diesen Ländern verhalten sich einfach noch ambitionierter im Vergleich zu uns Kolumbianern. Hier haben wir Talent, Qualität und die entsprechenden Spieler, aber wir sind nicht so zielgerichtet wie die Argentinier oder Brasilianer. Das ist einfach der Unterschied. Das merkt man auch, wenn kolumbianische Vereine gegen Klubs aus diesen Ländern spielen.

Alles in allem siehst du den kolumbianischen Fußball als drittstärkste Kraft in Südamerika?

Ja, das denke ich! Kolumbien hat viele starke Spieler. Hier gibt es jeden Tag bessere Spieler. Viele schöpfen ihr Potenzial leider nicht aus. Im Großen und Ganzen denke ich, dass wir was den Klubfußball betrifft, vor vielen Ländern stehen.

Alvaro grüßt Chefutbol – Gracias Crack!!

Was denkst du bezüglich der jungen Spieler in Kolumbien – Braucht ein junger Kolumbianer auch die finanzielle Unterstützung, um sich eine Profikarriere zu ermöglichen?

Das Geld hilft natürlich in vielen Fällen einen jungen Spieler möglichst weit zu bringen. Insgesamt denke ich aber trotzdem noch, dass eben die jungen talentierten Spieler oft so hungrig sind, dass sie den Weg in den Profifußball letztlich doch über das eigene Talent schaffen. Einfach die Motivation, jeden Tag besser zu werden. Das ist der Unterschied zwischen den armen und den reichen. Der Arme hat immer Hunger, sich zu verbessern.

In deinem Fall – Hast du viel Geld gebraucht um in den Profifußball zu gelangen?

Nein. Wir hatten nie viel Geld. Meine Familie war nicht arm, aber meine Lust und Motivation hat mich letzten Endes hier hingebracht, wo ich jetzt bin. Wenn man klare Ziele hat, kann man alles schaffen.

“Für mich ist Kolumbien ein ziemlich ruhiges Land”

Du bist in Cartagena aufgewachsen und hast dort gespielt – Wieso bist du dann nach Pereira gegangen?

Als ich in der Jugend für Cartagena spielte wollte ich einen Arbeitsvertrag haben. Wir kamen zu keinem Vertrag, wodurch ich mich zusammen mit meinem Berater dazu entschied den Verein zu wechseln. Daraufhin wechselte ich 2015 zu Once Caldas. Dort lief es sehr gut für mich, aber man ließ mich nie für die erste Mannschaft debütieren. Auch hier wollte man mir keinen Arbeitsvertrag anbieten, sodass ich den Weg zum Profiteam von Pereira fand. Hier gab man mir mehr Chancen. 2016 durfte ich für den Klub mein Profidebüt in der zweiten kolumbianischen Liga geben. Hier durfte ich nach und nach meine ersten Minuten im Profifußball sammeln.

Alvaro Melendez in Aktion

Was denkst du als Fußballer in Kolumbien über die Kriminalität – Kannst du dich ohne Sorgen in der Öffentlichkeit bewegen?

Für mich ist Kolumbien ein ziemlich ruhiges Land. Es hat aber auch seine gefährlichen Gebiete, wie jedes Land. Vor allem hier in Pereira passiert einem nichts, solange man sich nicht mit den falschen Personen abgibt. Ich habe keine Angst, wenn ich hier durch die Straßen laufe.

Die Nachrichten haben zuletzt öfter darüber berichtet, dass die Auseinandersetzungen zwischen den Fans teilweise eskalierten. Was denkst du darüber?

Es kommt immer auf den Verein darauf an. Es gibt viele große Vereine hier in Kolumbien. Den jeweiligen Fans gefällt es einfach nicht Personen mit anderen Trikotfarben zu sehen. Zum Beispiel können die Millonarios-Anhänger keine Santa Fe-Fans sehen. Es ist natürlich schade, denn jeder sollte selbst entscheiden dürfen, welche Mannschaft er unterstützt.

Wie fühlt es sich an in einem so großen Stadion zu spielen?

Für mich ist es eine Ehre in solch einem schönen Stadion zu spielen. Besonders auch für so einen großen Verein. Hier durfte ich meine ersten Erfahrungen sammeln, weshalb ich dem Klub ewig dankbar sein werde. Die Historie des Vereines ist so lang, wodurch wir den Fans endlich den Aufstieg schenken möchten. Als Fußballer möchte man den Fans auch mal etwas zurückschenken.

Was ist euer Zuschauerschnitt ?

Also während wir noch nicht in den Playoffs spielen kommen nur 1.000-2.000. In den Playoffs sind es dann schon beinahe 20.000.

Im Vergleich zu den anderen Zweitligisten ist Pereira ein ziemlich großer Klub. Das Hauptziel von euch muss nach mehreren Jahren Abstinenz der Aufstieg sein, oder siehst du das anders?

Nein, ganz klar der Aufstieg. Hier geht es nur darum. Alle Spieler die kommen, sollen dem Verein direkt weiterhelfen. Alle mit dem gleichen Ziel. Diese Stadt hat es einfach wieder verdient!

Was ist dein persönliches Ziel für die Zukunft?

Ich denke jeder Fußballer möchte irgendwann für einen möglichst großen Klub spielen. Und auch für die Nationalauswahl aufzulaufen. Auch wenn ich es vielleicht nicht nach Europa schaffen sollte, ist es mir wichtig meine Familie wenigstens hier abzusichern.

Hast du bereits mit „bekannten“ Spielern zusammen gespielt?

Ja. Ich hatte die Möglichkeit mit Jorman Campuzano zu spielen. Der erst kürzlich zu Atletico Nacional wechselte und auch für Kolumbien debütierte. Aber auch mit Juan „Cucho“ Hernandez durfte ich zusammen spielen. Durch solche Spieler verspüre ich mehr Motivation meinem Traum weiter zu folgen. Sie halfen mir bereits viel. Bei „Cucho“ sah man immer diese große Motivation irgendwann zu einem großen Verein zu gehen.

Siehst du selbst gerne den Fußball aus Europa?

Ja klar. Am liebsten sehe ich die Premier League. Aber auch den kolumbianischen Fußball verfolge ich natürlich.

Wie professionell ist das Training in Kolumbien?

Wir trainieren jeden Tag. Hin und wieder bekommen wir mal einen Tag frei. Meistens sind es drei Stunden Training pro Tag. Unser Trainerteam besteht aus zahlreichen Coaches, die für die jeweiligen Bereiche verantwortlich sind.

Lebst du allein? Und inwiefern unterstützt du deine Familienmitglieder?

Ich lebe zusammen mit meiner Frau. Meine Familie bekommt hin und wieder Unterstützung von mir, aber großteils verdienen sie mit ihren Jobs ihr eigenes Geld. Sie sind unabhängig von mir.

Welchem Verein in Kolumbien würdest du nie absagen?

Ganz klar America Cali. Sollte sich irgendwann die Möglichkeit eröffnen, würde ich nicht absagen.

Wie sieht deine persönliche Zukunft aus?

Ich möchte jetzt erst einmal mit Pereira aufsteigen. Danach werde ich den Verein wohl verlassen, wenn es nach mir geht. Es ist mein drittes Jahr hier und der Plan ist auch, dass es mein letztes Jahr hier wird.

Vielen Dank für das Interview! Wir von Chefutbol wünschen dir weiterhin viel Glück und den Aufstieg mit Pereira!

Ebenfalls Danke, dass ihr mir diese Möglichkeit gegeben habt.