Kolumbien
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Kolumbiens Weg zur sechsten WM-Teilnahme

Nachdem Kolumbien 2014 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien für Furore sorgen konnte und man erst im Viertelfinale am Gastgeber scheiterte, hatte man in dieser WM-Qualifikation große Probleme, und konnte sich erst am letzten Spieltag direkt für die Weltmeisterschaft in Russland qualifizieren. Vor allem für Goalgetter Falcao ist die gesicherte Teilnahme in Russland etwas Besonderes, denn der Stürmer schoss die „Cafeteros“ 2014 quasi im Alleingang nach Brasilien, aber konnte dort aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht mitspielen, weshalb es „El Tigre“  in den letzten Spielen anzumerken war, dass er nächstes Jahr unbedingt dabei sein will.

Da viele Leistungsträger der Mannschaft von Jose Pekerman nach der Weltmeisterschaft nicht mehr zur alten Form fanden (z.B. Pablo Armero oder Camilo Zuniga) oder zu alt waren (z.B. Ex-Kapitän Mario Yepes), fand kurz danach ein Umbruch statt, bei dem der Argentinier viele neue Spieler testete, aber auch alte Gesichter wieder zurückholte. Letzten Endes erwiesen sich in der Offensive wieder James Rodriguez, Juan Cuadrado und gegen Ende der Qualifikation auch Falcao, als die wichtigsten Säulen im Offensivspiel der Kolumbianer, wobei man trotz der großen Offensivqualität gerade einmal 21 Tore erzielen konnte. Der wirklich große Umbruch aber fand in der Defensive statt, da sich nach 2014 nur noch Christian Zapata in der Abwehr wiederfand, und dadurch viele junge Talente, wie z.B. Yerry Mina oder Davinson Sanchez ihre Chance bekamen, die sie auch nutzten.

Obwohl man sich letztlich qualifizieren konnte, ist der Posten von Pekerman in Kolumbien nicht ganz unumstritten, denn viele Experten bemängeln seine andauernden taktischen Wechsel, weshalb Kolumbien nur selten in zwei aufeinanderfolgenden Partien mit derselben Mannschaft auflief. Ein weiterer Kritikpunkt am Argentinier war das Festlegen von Barranquilla als dauerhaften Spielort für die Heimspiele. Während man in der letzten WM-Qualifikation dort nahezu alles gewonnen hatte, tat man sich in dieser Spielzeit etwas schwerer, wodurch viele einen Wechsel des Spielortes forderten, jedoch der kolumbianische Verband wegen Pekerman darauf beharrte weiterhin im „Estadio Metropolitano“ die Begegnungen auszutragen.

Mäßiger Start

Aufgrund einer Verletzung von Superstar James Rodriguez musste man die ersten beiden Spiele gegen Peru und in Uruguay ohne den Spielmacher absolvieren. Gegen ein schwaches Peru gewann man in Barranquilla verdient mit 2:0 und holte somit direkt die ersten drei Punkte, wohingegen das darauffolgende Auswärtsspiel in Uruguay klar mit 3:0 verloren ging. In diesem Spiel merkte man „Los Cafeteros“ an, dass sie ohne James kaum in der Lage sind Ideen zu kreieren. Am 3. Spieltag folgte die nächste schwere Aufgabe, als man nach Chile reisen musste, um gegen den zweifachen Copa America-Sieger zu spielen. Die Mannschaften trennten sich mit einem 1:1, wobei Kolumbien durch James deutlich verstärkt wirkte und am Ende sogar noch hätte gewinnen können.

„Standard-Niederlage“ gegen Argentinien und mühsamer Sieg in der Höhe Boliviens

Zum 4.Spieltag kam Angstgegner Argentinien nach Kolumbien, um wie üblich dem Team von Jose Pekerman die Punkte abzuknöpfen. Ein knapper 1:0 Sieg war es am Ende für die „Albiceste“, aber wie auch in den Jahren zuvor merkte man den Kolumbianern die Nervosität an, die sie immer haben, wenn es gegen den Erzfeind geht. Die nächste Aufgabe sollte keineswegs leichter werden, denn nach der Niederlage sollte es direkt in die Höhe Boliviens gehen, wo schon viele vermeintlich gute Mannschaften an den Luftverhältnissen scheiterten.
Nachdem man zur Hälfte verdient mit 2:0 führte, ging den Gästen im Laufe der zweiten Hälfte die Luft aus, wodurch Bolivien nach 63 Minuten zum Ausgleich kam und sogar auf das dritte Tor spielte. Kurz vor Ende der Partie bewies Pekerman jedoch ein glückliches Händchen, als er Youngster Marlos Moreno in die Partie brachte, der nach einem guten Sololauf aus der eigenen Hälfte Edwin Cardona bediente (ebenfalls zuvor eingewechselt), welcher dann in der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte.

Klarer Sieg gegen Tabellenführer Ecuador und leichte Punkte gegen Venezuela

Nach den ersten vier Spieltagen stand Ecuador noch ohne Punktverlust da, weshalb man in Kolumbien ein schweres Spiel erwartete, allerdings sollte es ganz anders kommen. Mit einem verdienten 3:1 Erfolg bezwang man den Tabellenersten und zeigte das ganze Spiel über in Person von Bacca, James und Cuadrado schöne Spielzüge und die große Qualität im Offensivspiel, die leider zu selten gezeigt wird. Auch die folgende Begegnung gegen Nachbarland Venezuela konnte mit 2:0 gewonnen werden, wobei man es nicht gerade leicht hatte gegen die tiefstehenden Gäste.

Erneuter Retter Edwin Cardona

Mit einer breiten Brust gingen die Kolumbianer in das Auswärtsspiel gegen die „Seleção“, aber nach einem guten Spiel flog man am Ende dennoch mit Null Punkten zurück, da Brasilien durch Neymar kurz vor Schluss den 2:1 Siegtreffer erzielte. In Paraguay sollte es keineswegs einfacher werden, denn die Gastgeber machten ein gutes Spiel und kamen zu einigen Chancen, die alle von Publikumsliebling David Ospina vereitelt werden konnten. Wie gegen Bolivien sollte wieder Edwin Cardona der Held Kolumbiens werden, denn er erzielte erneut nach seiner Einwechslung in der Nachspielzeit den wichtigen Siegtreffer für sein Land. Aufgrund seines leichten Übergewichts wurde er zuvor des Öfteren von Experten oder anderen Kolumbianern kritisiert, aber er ließ sich erneut nicht aus der Fassung bringen.

Kolumbien tut sich schwer gegen direkte Konkurrenten

Die nächsten drei Gegner hatten es in sich: Uruguay, Chile und Argentinien. Aus den drei Partien holte man nur zwei Punkte, wodurch erneut die Schwäche in Duellen gegen direkte Konkurrenten aufgezeigt wurde. Zunächst spielte man gegen Uruguay 2:2, obwohl man klar besser war. In diesem Spiel ging der Stern von Yerry Mina auf, der als Innenverteidiger gegen Suarez und Cavani nichts anbrennen ließ, und mit einem schönen Kopfball den höchstverdienten Ausgleichstreffer erzielte. Ebenfalls nur ein Punkt sprang im nächsten Spiel raus, als man es nicht schaffte, gegen die tiefstehenden Chilenen zu Abschlüssen zu kommen. Nach drei Spielen ohne Niederlage, war die Enttäuschung groß, nachdem man klar mit 0:3 in Argentinien verloren hatte, und damit sogar noch gut bedient war, denn an diesem Tag lief absolut gar nichts für die Kolumbianer zusammen. Jose Pekerman bekam danach viel Kritik ab, denn in diesem wichtigen Spiel verhalf er dem zu diesem Zeitpunkt noch unerfahrene Davinson Sanchez zu seinem Debüt, und dieser zeigte sich relativ nervös.

„Los Cafeteros“ verpassen frühe Entscheidung in Richtung Weltmeisterschaft

Durch Siege gegen Bolivien (1-0) und Ecuador (0-2) wäre Kolumbien mit drei Punkten bei Tabellenschlusslicht Venezuela schon nach 15 Spieltagen mit einem Bein in Russland gewesen, doch Falcao & Co konnten den jungen Keeper Wuilker Farinez, der nun bei Millonarios Bogota spielt nicht bezwingen, sodass es nach 90 Minuten 0:0 stand. Trotz des enttäuschenden Remis war die Motivation und Euphorie im ganzen Lande groß, um gegen Brasilien in Barranquilla den nächsten wichtigen Schritt in Richtung Weltmeisterschaft zu gehen. In einem ausgeglichenen Spiel ging der Gast zur Halbzeit durch Willian in Führung, doch die zahlreich in gelb gekleideten Fans feuerten ihr Land weiterhin lautstark an, und Falcao belohnte sie, als er nach einem schönen Spielzug zum Ausgleich einköpfte und damit auch das 1:1 Endresultat herstellte.

Mit einer entspannten Ausgangslage konnte man in die letzten beiden Spiele gegen Paraguay und Peru gehen, doch alles sollte sich verkomplizieren. In einem sehr einseitigen Spiel führte man gegen Paraguay erneut dank Falcao mit 1:0, doch binnen drei Minuten drehten die Gäste ab der 89.Minute das Ergebnis komplett auf 1:2, sodass es in Lima zum Final-Showdown kommen sollte. Sollte Peru gewinnen, wäre ein Ausscheiden höchstwahrscheinlich, weshalb die Anspannung in dem sonst so glücklichen Land groß war. Vor allem hatte man Angst vor den „Inkas“, denn diese waren seit 35 Jahren nicht mehr bei einer WM dabei, und konnten zuvor sogar in Argentinien einen Punkt holen.

Glückliches Unentschieden durch Taktikfuchs Falcao

Das Spiel gegen Peru begann ziemlich zerfahren, denn beide Mannschaften wollten nichts riskieren und standen deshalb sehr tief, sodass kaum Torszenen zustande kamen. In der 56.Minute konnte Duvan Zapata einen langen Abschlag auf Falcao verlängern, der den Ball irgendwie zu James brachte, woraufhin der Bayernspieler den Führungstreffer markierte. Als Kolumbien immer besser wurde und es so schien, als würde man nichts mehr anbrennen lassen, beging Frank Fabra knapp vor dem Strafraum ein unnötiges Foul, woraufhin Paulo Guerrero zum Freistoß antrat. Den folgenden Schuss hätte David Ospina nicht berühren müssen, da der Freistoß eigentlich indirekt war, aber der Arsenal-Keeper berührte den Ball noch vor der Linie und so stand es kurz vor Abpfiff 1:1. Kurz danach bekam „El Tigre“ von Coach Pekerman die Nachricht, dass der derzeitige Spielstand beiden Mannschaften reichen würde, welcher dies den gegnerischen Spielern weitergab. Danach schien es, als hätten beide Länder einen Nichtangriffs-Pakt beschlossen, da sie den Ball nur noch in ihren eigenen Reihen hielten. Als dann endlich der Abpfiff kam, war die Erleichterung bei beiden Mannschaften groß.

Fazit WM-Qualifikation Kolumbiens

Obwohl am letzten Spieltag die direkte Qualifikation raussprang, macht Kolumbien immer noch den Eindruck, dass es aus der vorhandenen Qualität zu wenig macht. Vor allem gegen vermeintlich gute Gegner (Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay) sprangen aus acht Spielen nur vier Punkte heraus. Sollte man wieder das Viertelfinale als Ziel anvisieren, muss man grundlegende Dinge ändern, und vor allem auf die andauernden taktischen Wechsel verzichten.