América de Cali
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Narcofutbol – América de Cali und das Cali-Kartell (1/3)

América de Cali dominierte in den 1990er Jahren den kolumbianischen Fußball fast nach Belieben und holte zwischen 1982 und 1986 fünf Meistertitel in Folge und stand dreimal hintereinander im Finale der Copa Libertadores. All dies wäre jedoch nicht ohne die finanzielle Unterstützung des Cali-Kartells mit den Gebrüdern Orejuela an der Spitze möglich gewesen.

Im damaligen Kolumbien befanden sich zahlreiche Fußballvereine in den Händen von mächtigen Drogenbossen, die deren Geschicke mal mehr, mal weniger aus dem Hintergrund steuerten. Dabei vermischten sich oft die durchaus vorhandene Fußballleidenschaft der Kartellbosse mit finanziellen Interessen, denn der Fußball war ein gutes Instrument um illegal verdientes Drogengeld reinzuwaschen. Aus selbigen Motiven übernahmen auch die berühmten Orejuela-Brüder Gilberto und Miguel die Geschicke bei América de Cali, das bis dato noch keine einzige Meisterschaft in seiner Vereinsgeschichte hatte gewinnen können. Ursprünglich war der Arbeiterverein nur die zweite Wahl gewesen, denn das eigentliche Ziel der beiden war es Hauptanteilseigener beim erfolgreicheren Stadtrivalen Deportivo Cali zu werden, in dessen Umfeld sich zudem ein Großteil der Oberschicht der Stadt bewegte, und zu der sie gerne gehören wollten. Allerdings verboten die Vereinsstatuten solch eine Übernahme, und auch die Mitglieder wollten nichts mit den Neureichen zu tun haben, denen man zwar nicht beweisen konnte, woher ihr Vermögen stammte, aber es jeder ahnte. Diese Tatsache motivierte den jüngeren Miguel Orejuela zusätzlich es der alteingesessenen reichen Elite zu zeigen.

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Mit den neuen Besitzern drehten sich die sportlichen Vorzeichen schnell um, und América sollte im anschließenden Jahrzehnt den kolumbianischen Fußball dominieren. Während dieser Zeit holte der Arbeiterverein, der auch La Pasión de un Pueblo (Die Leidenschaft einer Stadt) genannt wird, acht Meisterschaften, davon fünf in Folge, und stand dreimal im Finale der Copa Libertadores, wovon man jedoch keines gewinnen konnte. Der Grundstein für den ersten Titel im Profifußball wurde aber noch größtenteils ohne den Einfluss des Kartells gelegt, das erst ab Januar 1980 komplett die Kontrolle übernahm.

Diego Maradona

Allerdings hätte Miguel Orejuela Ende 1979 fast das 19-jährige Talent namens Diego Maradona nach Cali gelotst. Die Gespräche mit dem jungen Maradona, damals noch in Diensten von Argentina Juniors, fanden im Vorfeld eines Auswärtsspiels mit seinem Verein gegen die Roten Teufel aus Cali statt. Da die Teams damals noch mit regulären Linienflügen reisten und es keine täglichen Verbindungen gab, waren die Argentinier schon drei Tage vor dem Spiel in der Stadt. Diese Chance wollte sich der fußballbegeisterte Miguel nicht entgehen lassen und lud Maradona zu einem luxuriösen Abendessen ein, während dem er dem damals 19-jährigen die Offerte unterbreitete: 3 Millionen US-Dollar (davon eine halbe Million sofort) für 6 Monate Vertrag. Der junge Argentinier soll so beeindruckt und überrascht gewesen sein, dass er sofort unterschrieb, doch sein Berater, Guillermo Cóppola, der wohl fürchtete leer auszugehen, erklärte diesen Vertrag nachher für ungültig, da Maradona zuvor angeblich schon in Barcelona unterschrieben haben soll. Trotzdem hegte der mächtige Chef keinen Groll und Miguel Rodríguez und Maradona behielten sogar noch ein freundschaftliches transatlantisches Verhältnis und telefonierten ab und zu. Außerdem soll Maradona handsignierte Trikots aus Neapel und Barcelona nach Kolumbien geschickt haben, und Miguel im Gegenzug einige Rolex-Uhren nach Europa. Doch auch ohne den jungen Maradona sollten dem Verein goldene Jahre bevorstehen.

Aquel 19 – Erster Meistertitel der Vereinsgeschichte

Über 52 Jahre musste der 1927 gegründete Verein auf die erste Meisterschaft warten, bis an jenem 19. Dezember 1979 (sp. Aquel 19), nur fünf Tage vor Weihnachten, die erste Meisterschaft feststand. Als Vater dieses und der noch kommenden Erfolge gilt Trainer Gabriel Ochoa Uribe, den noch der alte Präsident José Sangiovanni zum Verein lotste. Uribe legte zu dieser Zeit gerade eine Pause vom Fußball ein und arbeitete als Arzt, woher auch sein Spitzname „El Médico“ stammt. Doch nach langem Drängen und Bemühen seitens des Präsidenten willigte der Ex-Spieler von América und Meistertrainer von Millonarios und Santa Fe schließlich ein und übernahm das Traineramt bei den Diablos Rojos (Roten Teufeln). Gründe für den ersten Titel gab nach Aussage des Trainers nur einen einzigen: Arbeit, viel Arbeit. Von sich selbst sagte er, dass er 20 Stunden am Tag arbeitete und die restlichen 4 von der Meisterschaft träumte.

Der Weg zum ersten Titel war sehr lang, und am Ende hatte man 61 Spiele absolviert, in denen man 81 Punkte holte (2 Punkte-Regel). Zu dieser Zeit gab es in Kolumbien pro Kalenderahr nur einen Meister, und es galt nach Addierung der Punkte aus dem Torneo Apertura (eine Art Hinrunde, 26 Spiele) und dem Torneo Finalización (Rückrunde, 21 Spiele, aber anderer Modus) unter den besten acht Vereinen zu liegen, um in das Halbfinale (Cuadrangulares semifinales) der Liga einzuziehen, das aus 2 Gruppen à 4 Vereinen bestand und in Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Anschließend qualifizierten sich die beiden Gruppenersten für das Finale (Cuadrangulares finales), das nach dem selben Modus ausgespielt wurde.

An besagtem 19. Dezember stand der letzte Spieltag der Finalgruppe an und die Roten Teufel mussten zu Hause gegen Unión Magdalena gewinnen, denen ein Unentschieden zum Titel gereicht hätte. Aber durch Tore von Alfonso Cañón (11.) und Víctor Lugo (56.) holte man vor 42.000 Zuschauern im Estadio Pascual Guerrero den benötigten Sieg und konnte endlich die erste Meisterschaft der Vereinsggeschichte feiern. Die wichtigsten Persönlichkeiten der Meisterelf waren das Innenverteidigerduo das aus dem argentinischen Kapitän Aurelio José Pascuttini und Luis Eduardo Reyes „El Hombre de Hierro“ (der Eisenmann) bestand, die beiden neuverpflichteten paraguayischen Mittelfeldspieler Juan Manuel Battaglia und Gerardo González Aquino, die beide über 300 Spiele für América absolvieren sollten, sowie die Stürmer: der teaminterne Torschützenkönig Jorge Ramón Cáceres mit 19 Treffern und Finaltorschütze Alfonso Cañón.

Jener 19. wurde außerdem in einem Bolero des dominikanischen Sängers Alberto Beltrán verewigt, der zu einer Art Vereinshymne geworden ist

OYE, LO QUE QUIERO DECIRTE, (Bis)

FECHAS HAY EN LA VIDA

QUE NUNCA PODEMOS,

JAMÁS OLVIDAR

 

ESA, LO SABES ALMA MÍIA

LA LLEVARÉ PRENDIIDA

EN MI SER COMO AYER

 

AQUEL, 19 SERÁ,

EL RECUERDO QUE EN MIII VIVIRÁS

ESE DÍA QUE FELIZ, TAN FELIZ

 

ESA, LO SABES ALMA MÍA

LA LLEVARÉ PRENDIDA

EN MI SER, COMO AYEEER..

Hey, was ich dir sagen will,

es gibt Tage im Leben,

die wir niemals,

wirklich niemals vergessen können

 

Das weißt du, meine Seele

die (Tage) ich für immer mit mir trage

in meinem Wesen als wäre es gestern (gewesen)

 

Jener 19. wird das Erlebnis sein,

das immer in mir leben wird

dieser frohe, ach so frohe Tag

 

Diesen Tag, das weißt du meine Seele

werde ich für immer mit mir tragen

in meinem Wesen als wäre es gestern (gewesen)