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Saisonvorschau Kolumbien – Liga Aguila: Wer holt den Titel 2017?

America, Medellin und Junior

America de Cali

Nach einem „1806 Tage langen Alptraum“ ist America de Cali endlich wieder in zurück in der höchsten Spielklasse Kolumbiens. Die „roten Teufel“ zählen in der Historie des kolumbianischen Fußballs zu den erfolgreichsten Teams und konnten auch schon internationale Titel gewinnen. Darüber hinaus gehört America de Cali zu den beliebtesten Teams in Kolumbien, wodurch man auch in den Playoff-Spielen um den Aufstieg zwischen 30.000 und 40.000 Zuschauer begrüßen konnte. Nach dem entscheidenden 2:1-Sieg gegen Quindio begann die Party in ganz Cali. Beim entscheidenden Match kamen nicht alle Fans ins Stadion, weshalb 8.000 (!) Anhänger vor dem Stadion mitfieberten. Knapp zwei Monate später wird America nun also endlich wieder ein Spiel in der ersten kolumbianischen Liga bestreiten.

Zu- & Abgänge

Um in der Liga Aguila zu bestehen, war man natürlich dazu gezwungen die Qualität des Kaders zu erhöhen, weshalb man mehrere vielversprechende Spieler verpflichtete. So wechselte der 32-jährige Anderson Zapata in dieser Transferperiode von Patriotas nach Cali. Mit ihm wurde ein gestandener Innenverteidiger verpflichtet, der schon bei zahlreichen Vereinen in der Liga Aguila unter Vertrag stand. Einen weiteren Coup konnte man bei Yorleys Mena landen, denn der Rechtsaußen kann mit seinen 25 Jahren bereits viel Erfahrung aufweisen. Zuletzt spielte er für Atletico Junior, war dort aber nur ausgeliehen von Monarcas aus Mexiko. In der neuen Saison wird er – auch zunächst wieder nur auf Leihbasis – für Cali spielen.

Mit Luis Martinez hat man bereits einen Nachfolger für den abgewanderten Torwart Sebastian Fuentes gefunden. Martinez kommt von Libertadores-Sieger Atletico Nacional. Weitere Erfahrung soll auch Außenverteidiger Ivan Velez bringen, der von Atletico Junior verpflichtet wurde. Der 32-jährige bestritt bereits drei Spiele für die kolumbianische Nationalmannschaft und stand schon bei drei verschiedenen Mannschaften aus der Liga Aguila unter Vertrag, darunter auch drei Jahre lang bei America Cali.

Der wohl interessanteste Transfer von America ist aber offensichtlich der Wechsel vom wohl begehrtesten Spieler Kolumbiens: Juan Camilo Hernandez. Nachdem er zuletzt bei Pereira unter Vertrag stand, wird der erst 17-jährige Stürmer in dieser Saison sein Debüt in der 1.Liga bei Cali feiern. Im letzten Jahr gelangen ihm 20 Tore in der zweiten kolumbianischen Liga und er war trotz seines jungen Alters bereits Kapitän von Pereira. Letzten Endes scheiterte der Aufstieg, weshalb „El Cucho Hernandez“ nun den nächsten Schritt wagte und nach Cali wechselte. America de Cali soll aber nur eine Zwischenstation seiner Laufbahn darstellen, denn der FC Granada aus Spanien hat sich bereits die Transferrechte an ihm gesichert.

Da man den Großteil des Kaders halten wollte, wurden bis auf Sebastian Fuentes nur Spieler abgegeben, die in der letzten Saison keine wichtige Rolle mehr in der Mannschaft inne hatten.

Schlüsselspieler / Stärken & Schwächen

Wie schon zuvor erwähnt, gelang es die Stammbesetzung der letzten Saison zu halten und zudem noch durch einige Spieler zu verbessern. Mit Ernesto Farias und Christian Martinez bleiben die vermutlich zwei wichtigsten Spieler dem Verein erhalten und haben nun auch die Aufgabe den 17-jährigen Rohdiamanten Hernandez zu führen.

Der 36-jährige Farias stand bereits bei großen Vereinen in Europa unter Vertrag und war beim FC Porto über mehrere Jahre Torjäger. Es wird interessant werden, ob der Argentinier noch in der Lage ist seine Qualitäten in der Liga Aguila zu zeigen.

One to Watch

Juan Camilo Hernandez: Auf „El Cucho“ sind viele Fans in Kolumbien gespannt. Die Frage wird sein, ob er sich auch in der 1.Liga so gut wie eine Spielklasse tiefer durchsetzen kann. Bereits bei der diesjährigen U-20 Südamerikameisterschaft ließ er sein Talent aufblitzen, indem er ein Tor schoss und mehrere vorbereitete.

Chefutbol-Prognose

Auch wenn die zahlreichen Anhänger von America ziemlich euphorisch hinsichtlich der neuen Saison sind, sollte man in der neuen Saison nicht zu viel erwarten. 2017 steht der gesamten Verein trotz der wenigen Abgänge vor einem komplizierten Jahr, da man sich erst einmal wieder an die neue Liga und vor allem an die mittlerweile hohe Qualität zahlreicher Mannschaften der Liga Aguila gewöhnen muss. Besonders interessant werden die zwei Derbys gegen Deportivo Cali sein, wenn man endlich mal wieder auf Wettbewerbsbasis aufeinander trifft.
America de Cali wird nicht nur wegen der vielen Anhänger eine Bereicherung der Liga sein, sondern auch aufgrund des großen Names, in dem die Erinnerungen vergangener glohreicher Zeiten stecken. Das realistische Ziel für die „roten Teufel“ wird wohl der Klassenerhalt sein. Langfristig ist das internationale Geschäft das Ziel.

Independiente Medellin

Das Jahr 2016 gehörte hauptsächlich dem Stadtrivalen Atletico Nacional, während man selbst bereits im Viertelfinale der Liga Aguila-Playoffs ausschied, obwohl man im Frühjahr noch Sieger der kolumbianischen Meisterschaft war. 2017 wird man in drei Wettbewerben vertreten sein, da man sich durch den Titelgewinn 2016 mal wieder für die Copa Libertadores qualifizieren konnte.

Zu- & Abgänge

Am bedeudentsten ist wahrscheinlich die Verpflichtung des neuen Trainers. Als Nachfolger für Leonel Alvarez hat man nun mit Luis Zulbedia einen gerade einmal 36-jährigen Argentinier als neuen Chefcoach vorgestellt. Der neue Trainer von „El Poderoso“ stand bereits bei einigen Top-Vereinen Süd- und Mittelamerikas unter Vertrag, zuletzt coachte er Santos Laguna aus Mexiko, bei denen er im Schnitt 1,25 Punkte pro Spiel holte. Es wurde aber nicht nur für den Trainer tief in die Tasche gegriffen. So wurden für die neue Saison auch zahlreiche Spieler verpflichtet, um die hohen Ambitionen zu erfüllen.

 Juan Fernando Quintero (hier noch im Trikot von Stades Rennes) gilt als hochveranlagt

Der wohl bekannteste Neuzugang ist mit Juan Fernando Quintero ein begnadeter Fußballer, der zuletzt in Europa nicht mehr so richtig zum Zug kam und bereits seit September bei Medellin mittrainiert, allerdings erst seit Januar spielberechtigt ist. Der bereits 24-jährige Quintero galt lange Zeit als eines der größten Talente Kolumbiens, jedoch fehlte es ihm oft an der nötigen Disziplin. Auch seine hohe Verletzungsanfälligkeit machte ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Bei seinem neuen Klub möchte er nun in dem halben Jahr, in dem er vom FC Porto ausgeliehen ist, zeigen, dass er nicht als ewiges Talent enden will. Die große Bühne der Copa Libertadores soll ihm dabei helfen.

Der 26-jährige Christian Nazarit wechselte ebenfalls nach Medellin, nachdem er in der vergangen Saison für Pasto auf Torejagd ging. Mit seinen 1,87 Meter Körpergröße und seiner starken Physis kann er Stammangreifer Caicedo ädaquat ersetzen, sollte dieser sich verletzen. Im Doppelpack kamen zwei Spieler aus Manizales: Jonathan Lopera und Jhonier Viveros. Die beiden kommen von Once Caldas und werden Medellin auf alle Fälle in der Breite des Kaders weiterhelfen, wobei Innenverteidiger Jonathan Lopera mit seiner geballten Erfahrung vor allem in der Copa Libertadores ein wichtiger Faktor sein wird.

Zur neuen Saison gelang es, den Stammkader der vergangenen Saison zu halten, wenn auch der Abgang von Juan David Cabezas Richtung Houston schmerzen wird, da er in den letzten beiden Jahren fester Bestandteil des Teames war.

Schlüsselspieler / Stärken & Schwächen

Aufgrund dessen, dass man wieder mit dem gleichen Kader in die neue Saison geht, wird man wieder ein eingespieltes Team haben, das 2017 zudem mit guten Neuzugängen verbessert wurde. Im Mittelfeld wird Christian Marrugo wie eh und je als Dreh und Angelpunkt das Spiel von „El Poderoso“ leiten. Mit Quintero wird er zur neuen Saison einen genialen Partner haben, der von seinen Fähigkeiten her, im Alleingang ein Spiel entscheiden kann. Sollte es dem „10er“ zur neuen Spielzeit gelingen an seine Bestleistungen anzuknüpfen, dann bildet er zusammen mit Marrugo das Herz der Mannschaft.
Wie auch schon zur letzten Saison, kam im diesjährigen Supercup-Finale gegen Santa Fe die Abschlussschwäche zur Geltung, da man trotz zahlreicher Chancen kein einziges Tor in beiden Spielen erzielen konnte und Santa Fe den Titel überlassen musste.

One to Watch

Juan Fernando Quintero: Auch wenn er mit seinen 24 Jahren nicht mehr der jüngste ist, sind alle Menschen in Kolumbien gespannt, ob er wieder zu alter Stärke finden kann, um auch wieder in der Nationalmannschaft eine tragende Rolle zu spielen.

Chefutbol-Prognose

Independiente Medellin kann in der Liga Aguila eine wichtige Rolle übernehmen, wenn man es schafft die Neuzugänge richtig in das Team zu integrieren.

Es könnte eine Weile brauchen bis der neue Trainer und seine neue Mannschaft eine Einheit sind, weshalb in den ersten Spielen noch keine Wunderdinge zu erwarten sind.

Atletico Junior

Nach einer total verkorksten Saison, in der man am Ende im Niemandsland der Tabelle stand, will der Verein aus Barranquilla zur neuen Saison wieder ganz oben mitspielen und auch in der Libertadores weit kommen. Zur neuen Spielzeit wollte man einen großen Umbruch im Verein, dem Ex-Junior Spieler und Trainer Giovani Hernandez zum Opfer fiel. Er musste Platz für Alberto Gamero machen. Der ist kein Unbekannter, denn erst in der letzten Saison gelang es ihm als Trainer, das Überraschungsteam aus Tolima bis ins Finale zu führen.

Zu- & Abgänge

Für 2017 wurden zahlreiche Spieler verpflichet, da man sich aufgrund der schwachen Saison von 2016 gezwungen sah, mehr Qualität in die Mannschaft zu bringen. Mit dem 34-jährigen Jonathan Estrada wurde ein sehr erfahrener Liga-Aguila-Spieler unter Vertrag genommen, der schon bei einigen Klubs in Kolumbien, zuletzt bei Millonarios Bogota, spielte.

Zudem wurde Robinson Aponza verpflichtet, um den schlechten Angriff der letzten Saison zu verstärken. Zuletzt bei Alianza Atletico in Peru spielend, machte er mit vielen Toren im „Land der Inkas“ auf sich aufmerksam, wodurch er letzten Endes wieder den Weg zurück in sein Heimatland fand. Nicht nur der erfahrene Estrada kam von Ligakonkurrent Millonarios , so folgten ihm noch drei weitere Spieler aus Bogota: Rechtsverteidiger Lewis Ochoa, Linksverteidiger Hector Quinones und auch „6er“ Rafael Carrascal. Alle drei eben genannten Spieler waren wichtige Spieler für Bogota in der letzten Saison. Vor allem mit der Verpflichtung von Hector Quinones kann sich Atletico Junior glücklich schätzen, da der 24-jährige mehrere Jahre in Porto spielte. Wenn auch meist nur bei der zweiten Mannschaft, konnte er dort schon viel Erfahrung sammeln.

Desweiteren hat man mit Leonardo Pico, der von Independiente Santa Fe gekommen ist, schon einen möglich neuen Sechser für die neue Saison gefunden, denn der eigentliche Außenspieler machte im Libertadores-Qualifkations-Hinspiel eine starke Partie auf der „neuen“ Position.

Nach der letzten Spielzeit verließen hauptsächlich nur Spieler den Verein, die zuvor kaum ein Rolle gespielt hatten. Mit Ausnahme von Vladimir Hernandez, eines der Aushängeschilder von Atletico Junior, der nach Brasilien zum FC Santos wechselte. Der 27-jährige war seit fast zehn Jahren im Verein und reifte dort zu einem der besten Spieler in der Liga Aguila, allerdings ohne jemals für die Nationalmannschaft nominiert geworden zu sein.

Schlüsselspieler / Stärken & Schwächen

Gamero steht nun vor der Aufgabe aus einem völlig neu zusammengewürfelten Team eine Mannschaft zu formen, die in allen drei Wettbewerben weit kommen soll. Nach dem Abgang von Hernandez könnte nun Keeper Sebastian Viera die neue Rolle als Führungsspieler einnehmen. Sobald Youngster Jarlan Barrera nach seiner langen Verletzungspause wieder gesund wird, könnte er der Nachfolger von Vladimir Hernandez werden: als entscheidender Spieler der Mannschaft, der auch Spiele im Alleingang entscheiden kann. Jonathan Estrada könnte diese Saison ebenfalls eine Schlüsselrolle ausfüllen.

Mit einem Durchschnittsalter von knapp 27 Jahren zählt das Team aus Baranquilla zu den ältesten Mannschaften in der Liga Aguila, weshalb es nach einigen Spielen zu schnelleren Erschöpfungen oder Verletzungen älterer Spieler kommen könnte. Deshalb wird es also wichtig sein, dass man weiterhin auch die Jugenspieler fördert, die in den letzten Jahren bei Junior immer weniger den Sprung in das erste Team schafften.

One to watch

Jarlan Barrera: Sobald der 21-jährige seine Verletzung auskuriert hat, kann er ein wichtiger Bestandteil des Teams werden. Der schnelle Außenspieler ist hochbegabt und hat dies auch schon bei diversen U-Mannschaften Kolumbiens gezeigt.

Chefutbol-Prognose

Die letzte Saison war total enttäuschend für die vielen Anhänger des Vereines, wo man nun auf Besserung hofft. Zur neuen Saison sollten die Fans die Hoffnungen aber nicht zu hoch stellen, wurde doch die Mannschaft beinahe komplett umgekrempelt und wird ihre Zeit brauchen.

2017 wird ein Neuanfang für Baranquilla, weshalb ein Titel in der Liga Aguila noch ziemlich unwahrscheinlich erscheint und die Playoff-Teinahme ein realistisches Ziel ist. Genauso wäre die Teilnahme in der Gruppenphase der Libertadores schon ein Erfolg, wo man sich erst einmal durch die Qualifikation kämpfen muss.