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Feuer frei für die Fiesta Grande – Teil II

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag läuft in Mexiko die Meisterrunde des Torneo Apertura an, die acht besten Teams kämpfen um die Nachfolge von Noch-Titelträger Chivas. Im Fokus steht vor allem der Hauptstadt-Klassiker zwischen Cruz Azul und América, außerdem bekommt es Superlíder Monterrey mit Atlas Guadalajara zu tun.

América – Cruz Azul: Clásico Joven als neue Hauptstadtroutine (Fr. 2.30 Uhr, Mo., 3 Uhr)

Eigentlich hatte das Estadio Azul bereits mit dem Clásico Capitalino abgeschlossen. Die altehrwürdige Heimstätte von Cruz Azul beherbergte vor einem Monat das Stadtduell zwischen Celestes und Azulcremas und es schien, als sei es das letzte Mal gewesen, ehe die Betonschüssel zum Ende der laufenden Saison abgerissen wird. Doch nach den Plätzen drei und sechs nach 17 Spieltagen kommt es gleich im Play-off-Viertelfinale zum erneuten Aufeinandertreffen von Cruz Azul und América und einem neuen letzten Clásico Joven vor bekannter Kulisse. Die beiden Hauptstadtklubs werden dann zum bereits dritten und vierten Mal in dieser Saison aufeinandertreffen.

Dem großen Rahmen entsprechend, kamen beide Mannschaften auf der Zielgeraden auch wieder in Form, nachdem sie beim Einbiegen auf die Zielgeraden noch stark geschwächelt hatten. Doch América schloss die Hauptrunde mit vier Punkten aus den abschließenden zwei Spielen noch versöhnlich ab, Cruz Azul holte gar zwei Siege und rettete damit die Qualifikation. Nicht nur durch das Faustpfand des Rückspiels vor eigener Kulisse geht América die Partie mit psychologischem Vorteil an, immerhin konnten die Águilas bereits die beiden direkten Duelle in dieser Saison für sich entscheiden. Auf das 3:1 in der Liga folgte ein 1:0-Heimsieg im Pokal-Viertelfinale, im Trainerduell zwischen Miguel Herrera und Paco Jémez, deren Verhältnis freundlich umschrieben als kühl gilt, steht es also 2:0 für den früheren mexikanischen Nationaltrainer.

Jémez, der Cruz Azul erstmals seit drei Jahren wieder in die Play-offs geführt hatte, nutzte die Gunst der Stunde für eine Abrechnung mit den Medien, die ihn seit jeher besonders gerne unter Beschoss genommen hatten: „Ich habe hier eine Presse vorgefunden, die absoluter Müll ist, die kein reales Abbild davon abgibt, wie Mexiko wirklich ist“, so die klaren Worte im Rahmen einer Pressekonferenz. Besonders fortwährende Respektlosigkeiten gegenüber seiner Familie seien der Grund für diese Einschätzung erklärte Jémez, der seinen in sechs Wochen auslaufenden Vertrag aller Voraussicht nach nicht verlängern wird, auch wenn er selbst betonte, noch keine Entscheidung getroffen zu haben.

Der 47-Jährige dürfte aber darauf hoffen, sein einjähriges Mexiko-Abenteuer mit einem erfolgreichen Abschneiden in den Play-offs abzuschließen, um sich erneut für mögliche Jobs in Europa in Stellung zu bringen. Schon das Viertelfinale wird dabei allerdings ein ganz hartes Stück Arbeit, América wirkt deutlich stabiler und gilt seit Jahren als Angstgegner für Cruz Azul, das keines der letzten sieben Duelle gewinnen konnte und zuletzt viermal in Folge unterlag.

Monterrey – Atlas: Superlíder gegen Spätstarter (Fr. 4.30 Uhr, Mo. 1 Uhr)

Gegensätzlicher hätten der Weg in die Play-offs für beide Mannschaften nicht sein können, der letzte Spieltag am Wochenende machte das noch einmal deutlich. Während Monterrey auch im Stadtduell gegen den Tabellenzweiten Tigres nichts anbrennen ließ und mit 37 Punkten den Spitzenplatz souverän untermauerte, brauchte Atlas gar Schützenhilfe, um sich überhaupt unter die Top Acht zu schieben. Die Zorros hatten bereits Freitagabend die Chance, aus eigener Kraft ihr Ticket zu buchen, doch ein Last-Minute-Gegentreffer zum 1:1 im Heimspiel gegen Pachuca verhinderte die sofortige Qualifikation. Erst die 1:2-Heimniederlage von Necaxa gegen Morelia machte den Play-off-Einzug der Rojinegros perfekt, selbst ein Remis von Necaxa hätte hingegen für das Ende der Liguilla-Träume gesorgt.

Dass Atlas es dennoch überhaupt in die Liguilla geschafft hat, ist mit Blick auf den Endspurt der Mannschaft von Trainer José Guadalupe Cruz dennoch ein gewaltiger Verdienst. Nach mageren acht Punkten aus den ersten neun Spielen zollte der Meister von 1951 das Feld anschließend von hinten auf, holte 17 von den bis zum Ende möglichen 24 Punkten und damit sogar drei mehr als Monterrey in diesem Zeitraum. Einmal mehr bestätigte sich die Tendenz, dass der Achte sich nach einer grandiosen Aufholjagd noch in die obere Tabellenhälfte schiebt und die Play-offs mit gewaltigem Rückenwind angeht. Und passend zum oft beschrienen Fluch des Tabellenführers schien es, dass Monterrey pünktlich zu Beginn der „Fiesta Grande“ vom Verletzungspech heimgesucht wird. Nationalspieler César Montes wäre frühestens in einem möglichen Finale wieder einsatzbereit, am letzten Spieltag mussten mit Kapitän José María Basanta und Aushilfs-Innenverteidiger Jesús Molina zwei weitere Abwehrspieler angeschlagen vom Feld.

Trainer Antonio Mohamed gab dennoch Entwarnung, sprach lediglich von kleineren Blessuren und warf den Blick schon einmal auf das ganz große Ziel: „Ich träume davon, Meister zu werden, wir träumen davon. Wir arbeiten darauf hin, aber wir müssen in jedem Spiel weiter unser Soll erfüllen.“

Mohamed, der als erster Trainer in der Vereinsgeschichte der Pandilla zum zweiten Mal als Spitzenreiter in die Play-offs geht, hat allerdings auch allen Grund zum Optimismus. Das formstarke Atlas wird für die Rayados zum Auftakt der Play-offs zwar ein harter Prüfstein, der auf allen Positionen besser besetzte Tabellenführer ist aber trotzdem der klare Favorit auf den Einzug ins Halbfinale und sollte seiner Favoritenrolle letztlich auch gerecht werden.