Toluca

Ausgeglichene Halbfinal-Paarungen für América und Toluca

Ohne klaren Favoriten starten am Donnerstag die Halbfinals in den Play-offs des mexikanischen Torneo Clausura. Rekordmeister América trifft dabei auf Santos Laguna, Tabellenführer Toluca bekommt es mit Tijuana zu tun.

 Santos Laguna – América (Fr. 2.30 Uhr; Mo. 2 Uhr)

Miguel Herrera hatte am Dienstag andere Probleme, als sich mit dem anstehenden Halbfinal-Hinspiel seiner Mannschaft zu beschäftigen. Beim Fernsehsender ESPN wetterte der América-Trainer gegen Juan Carlos Osorio, sein Nachfolger als mexikanischem Nationalcoach, der wegen einer Südamerika-Reise auf Stadionbesuche im Play-off-Viertelfinale verzichtet hatte. „Die Pflicht eines jeden Trainers, besonders des Nationaltrainers, ist es, zur Stelle zu sein wenn die Besten des Landes sich duellieren.“ Nachdem Herrera mit seiner Mannschaft die Viertelfinal-Pflicht souverän erfüllte und Lokalrivale Pumas in der Gesamtabrechnung mit 6:2 deklassierte, ist der ganz große Druck bei den Águilas erst einmal raus. Nach der Osorio-Schelte hatte „El Piojo“ dann aber doch noch Zeit, sich einer Einschätzung zur Aktualität des eigenen Arbeitgebers zu erlauben. „Bei diesem Klub sind die Anforderungen immer der Titel, alles andere ist automatisch ein Scheitern“, machte er keinen Hehl um die eigenen Ambitionen.

Djaniny und Uribe im Fokus

Ein einfaches Unterfangen wird die 13. Meisterschaft allerdings nicht, schon das Halbfinale gegen das erstarkte Santos verspricht einen offenen Ausgang. Die Guerreros hatten sich unter Trainer Robert Dante Siboldi in der laufenden Saison merklich stabilisiert und den Kontakt zu den Spitzenplätzen wiederhergestellt. Gegen Titelverteidiger Tigres, die Könige der Play-offs, drehte man einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel und kam trotz 60-minütiger Unterzahl nach dem 2:0 im zweiten Duell dank der besseren Tabellenposition weiter. „América ist eine großartige Mannschaft, die uns erst am letzten Ligaspieltag zu Hause besiegt hat. Wir kennen uns also sehr gut“, sagte der Uruguayer. Während sich einige seiner Schlüsselspieler wie Kapitän Carlos Izquierdoz und die Mittelfeldspieler José Juan Vázquez sowie Osvaldo Martínez in bestechender Form befinden, muss er bis zuletzt um den Einsatz von Torschützenkönig Djaniny bangen. Dem Stürmer war gegen Tigres das entscheidende 2:0 gelungen, gleich nach dem Treffer musste er den Platz allerdings angeschlagen verlassen. Mit einer gestauchten Schulter musste er zu Wochenbeginn zwar kürzertreten, die Chancen auf eine Genesung bis zum Spiel stehen dem Vernehmen nach aber recht gut.

Ein derart treffsicherer Akteur wie Djaniny fehlt América derzeit, wenngleich Mittelfeldspieler Mateus Uribe seine herausragende Form zu Play-off-Beginn noch einmal nachdrücklich bestätigte und gleich drei der insgesamt sechs Treffer erzielte. Verschlechtert haben sich die WM-Chancen des 27-jährigen Kolumbianers damit nicht, zumal er schon im März beim 3:2-Sieg der Cafeteros in Frankreich über die vollen 90 Minuten auf dem Platz stand. Wie schon gegen Pumas braucht América seinen Einfluss aufs Spiel sowie die zuletzt regelmäßigen Treffer, um trotz der eigenen spielerischen Schwächen der letzten Monate bis ins Finale vorzudringen. Santos hingegen vertraut nach dem Sieg über den Meister darauf, mit offensiver Ausrichtung auch den zweiten Play-off-Giganten der letzten Jahre aus dem Weg zu räumen.

Tijuana – Toluca (Fr. 4.30 Uhr, So. 19 Uhr)

Als Tijuana am letzten Spieltag durch einen 1:0-Sieg über die B-Elf von Tabellenführer Toluca die Qualifikation für die Play-offs geschafft hatte, stand für die Xolos bereits zu befürchten, im Halbfinale erneut auf den überlegenen Superlíder zu treffen – diesmal allerdings mit dessen erster Garde. Und nachdem Tijuana mit einem Sieg in Monterrey überraschte und Toluca sich nach einigen Mühen gegen Morelia durchsetzte, folgt nun das Duell der beiden Finalisten von 2012. „Tijuana hat einen der am besten zusammengestellten Kader, die Mannschaft ist außerdem sehr gut eingestellt“, äußerte Tolucas Trainer Hernán Cristante seinen Respekt gegenüber dem Tabellensechsten der regulären Spielzeit. Die Wertschätzung der „guten Verpflichtungen“ ist daher keine Überraschung: Während Cristante bei Toluca insgesamt vier argentinische Landsmänner um sich geschart hat, sind es bei Tijauna gar fünf, zumal mit Trainer Diego Cocca auch ein Gaucho an der Seitenlinie steht.

Toluca hadert, Tijuana geht über die Grenzen

Dass Toluca im Rückspiel gegen Morelia eine 2:0-Führung in der Nachspielzeit aus der Hand gab und es damit noch einmal unnötig spannend machte, sorgte für Unzufriedenheit im Lager der Diablos Rojos. Cristante berichtete gar, dass niemand in der Kabine sich über das Weiterkommen habe freuen können, nachdem „meine Mannschaft das Spiel beendet hat bevor der Schiedsrichter es getan hat.“ Ganz anders die Stimmung rund 2.000 Kilometer nordwestlich, wo Tijuana zum erst zweiten Mal seit dem Titelgewinn 2012 wieder in der Vorschlussrunde steht. „Die Mannschaft hat viel gearbeitet, hat sich gesteigert und ist über ihre Grenzen gegangen“, lobte Diego Cocca seine Mannschaft nach dem Sieg in Monterrey in den höchsten Tönen. Besonders die zwei Auswärtstore machten Cocca stolz, nachdem sein Team in zuvor acht Gastspielen in der regulären Saison auf gerade einmal einen Treffer in der Fremde gekommen war. Zwar gelang Angreifer Gustavo Bou, der mit drei Toren in der Rückrunde weit unter seinen Möglichkeiten gespielt hatte, erneut kein Treffer, in Monterrey bereitete er immerhin beide Treffer vor und war auch sonst ein ständiger Unruhestifter. Die Liguilla könnte angesichts zahlreicher Interessenten aus der Heimat seine Abschiedsvorstellung nach einem Jahr in Mexiko werden.

Im Duell der beiden besten Defensivreihen der Hauptrunde wird es ohnehin weniger auf einzelne Offensivkünstler als vielmehr die gute Arbeit im Kollektiv ankommen. Hier scheint Toluca gerade im Mittelfeld Vorteile zu besitzen, für einen klaren Favoritenstatus reicht das aber nicht. Sorgen macht dem Superlíder außerdem die Bilanz seit der Vizemeisterschaft 2012: Fünfmal schaffte man es seitdem ins Halbfinale, in allen fünf Fällen musste man dort allerdings die Segel streichen. So ergibt sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem Tijuana seine Auswärtsform bestätigen und Toluca erst dann aufhören sollte, wenn der Schiedsrichter auch wirklich abgepfiffen hat.